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Fahnen Nord- und Südkoreas verwechselt: Olympia-Organisatoren blamieren sich mit Flaggenpanne

Peinlicher Fehler gleich bei den ersten Olympia-Wettkämpfen: Vor dem Spiel von Nordkoreas Fußballfrauen wurde die Fahne Südkoreas eingeblendet. Das Team verließ daraufhin den Platz.

Da bereitet sich ein Land jahrelang akribisch auf das Großereignis Olympia vor und dann das: Noch vor dem offiziellen Beginn der Spiele passiert den Organisatoren von London die erste Panne. Betroffen davon waren ausgerechnet die ohnehin stets empfindlich reagierenden Nordkoreaner. Beim Auftakt des olympischen Fußballturniers, bei dem die Kickerinnen aus Kolumbien und Nordkorea aufeinandertrafen, kam es zu einer peinlichen Verwechslung.

Auf der Anzeigetafel des Glasgower Hampden Parks wurde bei der Vorstellung des Nordkorea-Teams die Flagge Südkoreas eingeblendet, woraufhin die asiatischen Spielerinnen geschlossen den Platz verließen und sich weigerten, ihre Kabine wieder zu verlassen. "Unser Team kann nicht mit anderen Flaggen gezeigt werden, erst recht nicht mit der südkoreanischen", sagte Trainer Ui Gun-sin. Nur mit Mühe ließen sie sich nach einstündigem Protest dazu überreden, doch noch aufs Feld zu kommen. Nord- und Südkorea befinden sich seit Jahrzehnten formell im Kriegszustand. Die zwei Länder sind sich spinnefeind und drohen permanent mit militärischen Maßnahmen.

Organisatoren entschuldigen sich

Sichtlich peinlich berührt entschuldigten sich die Olympia-Organisatoren für den Fauxpas. "Wir werden alles unternehmen, damit das nicht noch einmal passiert und uns beim Team und dem Nationalen Olympischen Komitee entschuldigen", erklärten sie. Die Aufregung ebbte dadurch nur bedingt ab. Einen Tag später sagte Paul Deighton, Geschäftsführer des Londoner Organisationskomitees, in der BBC: "Das war ein Fehler, so einfach ist das. Wir haben uns entschuldigt und Maßnahmen getroffen, um sicherzustellen, dass es nicht wieder vorkommen kann. Es war einfach menschliches Versagen."

Wenig später meldeten sich sogar der britische Premierminister David Cameron und IOC-Präsident Jacques Rogge persönlich zu Wort: "Es war ein Fehler, eine Entschuldigung wurde ausgesprochen. Aber wir sollten das Thema nicht übermäßig aufblasen", sagte Cameron im Olympia-Park. Von einem "simplen menschlichen Fehler" sprach bei der 124. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees auch Rogge. "Es gab keine politische Nebenbedeutung", versicherte er. Das Organisationskomitee habe entsprechende Maßnahmen getroffen, so dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen werde.

Dabei wurde im Vorfeld der Spiele bereits alles dafür getan, dass eben solche Fehler nicht passieren. Speziell bei Hymnen, Fahnen und den Siegerehrungen schauen die vielen Zuschauer auf den Rängen und vor den Bildschirmen genauer hin, weshalb die Veranstalter bei diesen Prozeduren größten Wert auf einen fehlerfreien Ablauf legen. Zumindest was den Auftakt betrifft, ist dieses Vorhaben gründlich schiefgegangen.

Nordkorea-Trainer Ui: "Wir waren wütend"

Den Flaggen-Schreck steckten die Asiatinnen gut weg. Sie gewannen die Partie mit 2:0 (1:0). Trainer Ui Gun-sin sagte nach dem Spiel: "Wir waren wütend, weil unsere Spielerinnen als Südkoreanerinnen abgebildet wurden. Das betrifft uns sehr stark." Reaktionen aus Südkorea gab es bislang nicht. Das Land stellt eine Fußballmännermannschaft bei Olympia, das Frauenteam qualifizierte sich nicht.

Vor dem Spiel zwischen Nordkorea und Kolumbien hatten Japan und die USA das olympische Fußballturnier mit Siegen eröffnet. Die Amerikanerinnen setzten sich in Glasgow mit 4:2 (2:2) gegen Frankreich durch. Japan bezwang Kanada in Covenrty mit 2:1 (1:0). Auch Großbritannien startete erfolgreich. Die Gastgeberinnen gewannen mit 2:0 (0:0) gegen Neuseeland.

Offiziell eröffnet werden die Olympischen Sommerspiele in London am Freitag.

Cord Sauer mit DPA

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