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Frauen-WM: Deutschland - Nigeria: Endspiel für Birgit Prinz

Nach dem Auftakterfolg können die deutschen Fußballfrauen beruhigt in die zweite WM-Partie gegen Nigeria gehen. Nur eine nicht: Birgit Prinz.

Von Klaus Bellstedt

Nein, es war nicht ihr Spiel. Es dauerte für Birgit Prinz ja nicht mal 60 Minuten. Die 33-Jährige wurde ausgerechnet im WM-Eröffnungsmatch der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Kanada vorzeitig ausgewechselt. Und das war richtig. Auch wenn sie die Bälle beim knappen 2:1-Erfolg phasenweise ganz gut verteilt hatte, als Stürmerin blieb sie blass. Die Rekordnationalspielerin strahlte kaum Torgefahr aus, auch läuferisch war das eher dürftig. Alexandra Popp, die für Prinz kam, machte das in beiden Punkten besser.

Für Silvia Neid gäbe es eigentlich gute Gründe, beim zweiten WM-Auftritt der deutschen Damen in Frankfurt gegen Nigeria (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) von Beginn an auf die hoch talentierte und wuchtige Popp zu setzen. Es ist nicht nur der Auftritt gegen Kanada. Birgit Prinz ist im DFB-Trikot jetzt seit fünf Partien ohne Torerfolg. Auf Kritik reagiert sie genervt: "Es ist immer dieselbe Diskussion. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wer die Tore schießt, nur dass sie eine schießt", sagt die Rekord-Nationalspielerin, die nach der WM ihre Nationalmannschaftskarriere beenden wird.

Mit Ehrfurcht begegnet ihr niemand mehr

Von der Mannschaft wird Birgit Prinz zwar geachtet, aber mit Ehrfurcht begegnet ihr niemand mehr. Nicht nur auf dem Platz hat ihr Durchsetzungsvermögen nachgelassen. Das war vor vier Jahren bei der WM in China noch ganz anders. Mittlerweile sind junge Spielerinnen, wie eben Alexandra Popp oder auch Kim Kulig, nachgerückt und machen den Etablierten Druck. Kulig hat es schon in die erste Elf geschafft. Die 20-jährige Popp steht ganz dicht davor. Aber noch hält die Bundestrainerin am Zwei-Generationen-Sturm um Celia Okoyino da Mbabi und Birgit Prinz fest.

Silvia Neid steckt in einer Zwickmühle. Lässt sie Prinz gegen Nigeria ganz draußen, würden ihr viele vorwerfen, ein Denkmal zu beschädigen. "Vielleicht hätte die Bundestrainerin einfach nur eher handeln müssen und die bekannteste Figur in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs weit vor der WM darauf vorbereiten müssen, dass sie möglicherweise nur als Einwechselspielerin mit ihr plant", sagt Potsdams Frauenfußball-Trainerurgestein und Meistercoach Bernd Schröder im "kicker". Jetzt kommt das fast zu spät. Wobei die Betonung auf 'fast' liegt. Für Birgit Prinz ist die WM-Partie gegen Nigeria, ihr 214. Länderspiel, eine Art Schicksalsmatch. Noch einen schwachen Auftritt wird sie sich nicht leisten dürfen. Dann würde wohl auch Silvia Neid handeln.

Nigeria als gutes Omen

Vielleicht ist es für Birgit Prinz ganz gut, dass der nächste Gegner Nigeria heißt. Der achtmalige Afrikameister, der zum WM-Start mit 0:1 gegen Frankreich verlor, könnte nämlich in die Rolle des Aufbauhelfers für die 33-Jährige schlüpfen. Ihre beiden letzten Treffer erzielte Prinz nämlich im November 2010 beim 8:0 - gegen Nigeria. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen stolperten die müden Afrikanerinnen damals über den tiefen Leverkusener Rasen. Einen ähnlichen Kantersieg erwartet übrigens niemand im deutschen Team. "Das ist kein Maßstab, die werden sich anders präsentieren, das ist eine WM", sagt Torhüterin Nadine Angerer, die in Frankfurt ihr 100. Länderspiel bestreiten wird.

Im Vergleich zum November 2010 wird sich am Donnerstagabend nicht nur das Wetter grundlegend ändern. Der frühere Bundesliga-Trainer Thomas Obliers hat die unmoderne Formation der Nigerianerinnen mit Libero und Manndeckung vom Feld verbannt. Obliers ist technischer Berater bei Nigeria und leitet dort das Training. "Er hat taktisch gut gearbeitet. Man sieht seine Handschrift", warnt Silvia Neid. Zudem sei der nächste Gegner "sehr athletisch, sehr schnell, technisch versiert und zweikampfstark". Die Bundestrainer kann Nigeria noch so stark reden: Deutschland geht trotzdem als haushoher Favorit in die Begegnung. Drei, vier Tore Unterschied sollten es am Ende schon sein. Dazu bedarf es aber - gerade auch im Vergleich zum Kanada-Spiel - dreier Grundvoraussetzungen.

Erstens: Die Leichtigkeit muss ins Spiel der DFB-Frauen zurückkehren. Zweitens: Der Defensivverbund muss sich erheblich steigern. Zu tief stand die Viererkette am eigenen Strafraum, zu groß waren die Abstände zum Mittelfeld. Und: Birgit Prinz muss explodieren - sonst ist für die Stürmerin diese Weltmeisterschaft vielleicht schon vorbei, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat.

mit DPA

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