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Frauenfußball-WM: Silvia Neid - die Gescheiterte

Nach dem frühen Aus des DFB-Teams bei der Frauenfußball-WM gerät Bundestrainerin Silvia Neid in die Kritik. Sie sollte zurücktreten.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Silvia Neid ist das Beste, was wir kriegen können", sagte Theo Zwanziger nach dem WM-Aus der deutschen Fußballfrauen in einer schwülen Nacht in Wolfsburg. Der DFB-Präsident wollte damit schnell ein Zeichen setzen - und Fragen zu einem Rücktritt, besser zu einer Entlassung der Bundestrainerin gar nicht erst aufkommen lassen. Dass es nach dem enttäuschenden 0:1 gegen Japan nun doch eine Neid-Debatte im Land gibt, hat Zwanziger in gewisser Weise aber mitzuverantworten. Unbedacht diktierte er den Journalisten nämlich noch einen weiteren Satz in die Blöcke: "Silvia hat uns so viel weitergebracht." Was er meinte, war ja klar: Neids früheren Verdienste für den deutschen Frauenfußball. Er sagte es nur nicht. Und so blieb der Satz eben stehen: "Silvia hat uns so viel weitergebracht." Es klang wie Hohn.

Die Bundestrainerin hat vieles falsch gemacht. Das fing schon vor der WM an. Für sie und ihre Mannschaft wurde extra der Spielplan der Frauen-Bundesliga verändert. Drei Monate Vorbereitungszeit gestattete der DFB der 47-Jährigen. Joachim Löw kann davon nur träumen. Silvia Neid hat es in diesen Wochen nicht geschafft, ihrem Team eine Struktur zu verpassen. Ihr ist es nicht gelungen, eine dringend notwendige Hierarchie zu erstellen. Es gab ja bis zuletzt keine Führungsspielerin. Die letzte, Birgit Prinz, wurde von Silvia Neid während des Turniers selber demontiert. Festzuhalten bleibt: Schon als Baumeisterin einer funktionsfähigen und auf allen Ebenen intakten WM-Mannschaft hat die Trainerin versagt.

Während des Turniers sorgte Silvia Neid mit diversen Fehlentscheidungen, die sie "taktische Schachzüge" nannte, für Kopfschütteln. So blieb Birgit Prinz in der für sie ungewohnten Rolle als einzige Spitze wirkungslos und rutschte immer weiter in die Formkrise. Gegen Japan verwunderte die frühe Auswechslung von Linda Bresonik, die als Ersatz der verletzten Kim Kulig im defensiven Mittelfeld eine starke Leistung geboten hatte. Warum in der zweiten Halbzeit gegen Japan weder Alexandra Popp noch Birgit Prinz das lange Zeit nicht vorhandene Offensivspiel beleben durften, blieb bislang das taktische Geheimnis von Neid. Die Bundestrainerin hat sich bei dieser WM nicht nur einmal ordentlich vercoacht.

Herablassend, kühl und ohne Selbstkritik

Noch mehr muss man ihr ankreiden. Auf der deutschen Frauennationalmannschaft lastete von Beginn an bei dieser WM ein enormer Druck. Die Erwartungshaltung im Land war riesig. Silvia Neid ist es nie gelungen, ihren Spielerinnen diese hemmende Last von den Schultern zu nehmen. Im Gegenteil: Mit ihrer Strenge und einem Schlingerkurs in der Führung der Gruppe hat sie die Mannschaft weiter verunsichert - und einzelne Akteurinnen wie die sonst so loyale Birgit Prinz zum Ende sogar gegen sich aufgebracht.

Sollte Bundestrainerin Silvia Neid zurücktreten?

Die Beispiele zeigen: Silvia Neid ist hauptverantwortlich für das Ausscheiden des DFB-Teams, das als Topfavorit auf den Titelgewinn in das Turnier gestartet ist - und in drei der vier Spiele eine erschreckende spielerische Armut offenbarte. Wer die Bundestrainerin bei dieser Frauen-WM beobachtet hat, dachte am Anfang des Turniers: Was für eine klare, charmante Frau. Die Bundestrainerin hat eine gewisse Natürlichkeit in ihren Aussagen. Nach der Niederlage gegen Japan war sie herablassend, kühl und ohne Selbstkritik. "Ich mache mir keine Vorwürfe", motzte sie. Sie hätte besser sagen sollen: "Ich trete zurück." Das hätte ihr zwar weh getan, wäre aber der logische Schritt gewesen.

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