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Olympia-Nacht: "Jetzt kommentiert Claudia Neumann auch noch Frauenspiele!"

Handball-Krimi, Fußball-Gold, Durchfall, enttäuschte Hoffnungen und alte Diskussionen: Es ist wieder einiges passiert bei Olympia. Was Sie gestern (Nacht) verpasst haben.

Olympia Deutschland Gold

Gold-Jubel: Die deutschen Fußball-Frauen beim Gruppenfoto mit Medaille nach dem Finalsieg gegen Schweden

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen:

- Die deutschen Fußballerinnen haben ihr erstes Olympia-Gold gewonnen: Mit 2:1 besiegten sie im Finale Schweden und bescherten ihrer scheidenden Trainerin Silvia Neid das erhoffte Abschiedsgeschenk. 

- In einem spektakulären Handball-Halbfinale hat Deutschland gegen Frankreich mit 28:29 verloren. Erst zwei Sekunden vor Schluss gelang den Franzosen der Siegtreffer, nachdem Deutschland in einem Kraftakt einen Sieben-Tore-Rückstand aufgeholt hatte.

- Usain Bolt hat bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro auch Gold mit der jamaikanischen Staffel über 4 x 100 Meter gewonnen. Das Quartett mit Asafa Powell, Yohan Blake, Nickel Ashmeade und Schlussläufer Bolt siegte am Freitag (Ortszeit) in 37,27 Sekunden. Der 29 Jahre alte Sprintstar holte damit seine neunte Goldmedaille bei Sommerspielen. Es war ein famoser Olympia-Abschied für Bolt, der nach der WM 2017 in London seine einmalige Karriere beenden will. 

- Die deutschen Springreiter sind im olympischen Einzel-Finale ohne Medaille geblieben. Christian Ahlmann und Daniel Deußer mussten sich am Freitag nach jeweils einem Abwurf im zweiten Umlauf mit dem geteilten neunten Platz begnügen. Gold gewann der Brite Nick Skelton.

- Artem Harutyunyan hat sich trotz Niederlage die erste deutsche Box-Medaille seit zwölf Jahren gesichert. Der Halbweltergewichtler unterlag seinem Gegner im Halbfinale, gewann aber die Bronzemedaille. Sie ist den Verlierern der Halbfinal-Kämpfe automatisch sicher. 

- Auch Deutschlands Hockey-Damen haben Olympia-Bronze gewonnen. Nach den Männern setzten sich auch die Frauen im kleinen Finale durch und besiegten am Freitag in Rio de Janeiro Neuseeland mit 2:1.

- Die Moderne Fünfkämpferin Lena Schöneborn hat ihre zweite Medaille bei Olympischen Spielen klar verpasst. Die Olympiasiegerin von 2008 beendete den Wettkampf in Rio auf einem enttäuschenden 32. Platz. Annika Schleu wurde Fünfte, die Australierin Chloe Esposito gewann.

- Europameisterin Ekaterini Stefanidi hat auch bei den Olympischen Spielen in Rio die Goldmedaille im Stabhochsprung gewonnen. Die Griechin siegte am Freitag (Ortszeit) mit 4,85 Meter vor der höhengleichen Sandi Morris aus den USA. Bronze holte sich überraschend die erst 19-jährige Neuseeländerin Eliza McCartney mit 4,80 Meter. Beste deutsche Athletin war Martina Strutz. Die Olympia-Fünfte von 2012 aus Schwerin erreichte mit übersprungenen 4,60 Meter den neunten Platz. Direkt dahinter landete mit der gleichen Höhe die EM-Zweite Lisa Ryzih aus Ludwigshafen.

- Die US-Basketballer stehen nach dem Halbfinalsieg über Lieblingsgegner Spanien kurz vor ihrem dritten Olympia-Triumph in Serie. Wie schon in den Endspielen 2008 und 2012 bezwang das Team um Superstar Carmelo Anthony die Iberer und trifft nach dem 82:76 (45:39) auf Serbien. Der Vize-Weltmeister mit Neu-Bayern-Trainer Aleksandar Djordjevic setzte sich am Freitag in Rio de Janeiro klar mit 87:61 (35:14) gegen das bisherige Überraschungsteam aus Australien durch. Das WM-Finale vor zwei Jahren hatten die USA mit 129:92 über Serbien gewonnen.

Wie läuft's für Deutschland?

Durchwachsen. Zwar gab es Bronze für die deutschen Hockey-Frauen, Bronze auch für den Boxer Artem Harutyunyan, doch so manche Medaillenhoffnung wurde enttäuscht. Die Springreiter gingen komplett leer aus, Meredith Michaels-Beerbaum erlebte gar einen Blackout und musste aufgeben. Auch der Modernen Fünfkämpferin Lena Schöneborn wurde die Disziplin zum Verhängnis: Ein komplett misslungener Ritt und null Punkte beendeten brutal ihre Träume vom zweiten Olympia-Gold nach 2008. Mindestens ebenso enttäuscht waren die Handballer nach ihrem knappen Halbfinal-Aus, das Highlight aus deutscher Sicht brachte dann das Fußball-Finale der Frauen - der bestmögliche Abschied für Silvia Neid.

Der größte Aufreger:

Es waren Bilder, wie man sie nicht sehen will bei einem Olympischen Turnier: Der französische Geher Yohann Diniz lief seinen Konkurrenten im Rennen über 50 Kilometer davon, war der große Favorit auf Gold. Doch dann rebellierte sein Magen. Der Geher erlitt Krämpfe, wurde mitten im Rennen von Durchfällen geplagt – und lief weiter. Braun und blutig lief es an seinen Oberschenkeln herunter. Der Franzose ließ sich davon nicht aufhalten, versuchte, seine Schenkel mit einem Schwamm zu trocknen. Und klappte dann irgendwann zusammen.

Mehrmals musste er sich behandeln lassen, quälte sich dennoch bis zum Ende und kam als Achter ins Ziel. Ein achter Platz, bei dem er sich vielleicht irgendwann fragen wird, ob er die Qualen und Bilder wert war.

Das hätten Sie auf keinen Fall verpassen sollen:

Eigentlich war das Ding schon durch. Eigentlich hatten die deutschen Handballer dieses Halbfinale schon Mitte der zweiten Halbzeit verloren: Mit sieben Toren lagen die Deutschen zeitweise gegen die Superstars aus Frankreich zurück - und starteten dann eine spektakuläre Aufholjagd. Tor um Tor machen die Spieler gut, bis kurz vor Ende tatsächlich der Ausgleich fiel. Ein Kraftakt, der nicht von einem Happy End gekrönt wurde: Zwei Sekunden vor Ende gelang den Franzosen der entscheidende Treffer. 

"Nach dieser Aufholjagd hätten wir wenigstens eine Verlängerung verdient gehabt. So ist das richtig bitter", sagte der Gummersbacher Rückraumspieler Julius Kühn nach dem Spiel. Zwar herrschte nach der Partie erstmal Fassungslosigkeit und Enttäuschung. Doch trotz der bitteren Niederlage war es mal wieder ein denkwürdiger Auftritt des Teams von Dagur Sigurdsson und ein beeindruckender Beweis mentaler Stärke.

Gewinner des Abends:

... sind zumindest aus deutscher Sicht natürlich die Fußball-Frauen mit ihrer Bundestrainerin Silvia Neid.  Überglücklich sprang die 52-Jährige nach dem 2:1-Sieg gegen Schweden auf die Jubeltraube, liebevoll und strahlend umarmte sie ihre Spielerinnen. Matchwinnerin im olympischen Finale war Dzsenifer Marozsán. "Das ist ein wunderschöner Moment", sagte die Mittelfeldspielerin im ZDF. "Ich genieße es jetzt einfach. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie stolz ich auf die Mannschaft bin." Marozsán hatte mit einem Traumtor in der 48. Minute zum 1:0 getroffen und mit einem Pfostenschuss das Eigentor von Linda Sembrant (61.) eingeleitet. 

Weil die Partie von Claudia Neumann kommentiert wurde, mussten vor und während des Spiels aber natürlich auch alte Diskussionen aufgewärmt werden. Immerhin: Inzwischen wird auch die Debatte selbst mächtig aufs Korn genommen.



Verlierer des Abends:

Er ist einer der großen Betrogenen des Sports. Umso bitterer für Jared Tallent, dass es auch in Rio nicht das ersehnte Happy End gab. Der australische Geher war schon vor vier Jahren in London als Zweiter ins Ziel gekommen und bekam erst im Juni dieses Jahres die Goldmedaille nachgereicht; der damals siegreiche Russe Sergej Kirdjapkin wurde des Dopings überführt und disqualifiziert. Zwar war Tallent damit nachträglich Olympiasieger, doch er hoffte sehnlichst auf Gold in Rio und damit eine Ehrung in Echtzeit. "Ich wollte gewinnen", sagte er. "Ich wollte Olympiasieger sein für mehr als nur ein paar Monate."

Nun ist der Traum geplatzt: In Rio kam Tallent nur als Zweiter ins Ziel und musste dem Slowake Matej Toth den Vortritt lassen. Umso enttäuschender für ihn, da kaum ein Leichtathlet in den vergangenen Jahren so unter gedopten Konkurrenten gelitten hat wie er. In der Ergebnisliste der WM 2011 rutschte er vom dritten auf den zweiten Platz, weil der Russe Sergej Bakulin überführt wurde. Für die WM 2013 wurde ihm als ursprünglich Vierter nachträglich Bronze zugesprochen. Im diesjährigen World Race Cup belegte er Rang zwei, der italienische Sieger Alex Schwazer ist als Wiederholungstäter inzwischen für acht Jahre gesperrt. Das australische Olympia-Komitee hatte im Juni für Tallent eine Siegerehrung für 2012 abgehalten - auf den Treppen vor dem Parlament in Melbourne und vor 100 Zuschauern. "Es war ein besonderer Moment", sagte er später. "Aber nie so, wie es an diesem einen Tag in London hätte sein sollen." Es gibt ein rührendes Foto, wie Tallent im Garten eines Freundes danach die Medaillenzeremonie nachspielt. Der Traum, endlich einmal einen großen Sieg im Moment des Sieges genießen zu können, war ihm nun auch in Rio nicht vergönnt.

Was wird heute bei Olympia interessant?

In Deutschland richten sich heute wohl alle Augen auf den Fußball: Im Finale treffen Hrubeschs Spieler ausgerechnet auf Brasilien, und als wäre ein Finale gegen den Gastgeber nicht schwer genug, hat diese Partie nochmal eine besondere Brisanz. Unvergessen das WM-Halbfinale im eigenen Land, als Thomas Müller & Co. die Brasilianer mit einer Dominanz abfertigten, die selbst manchem Deutschen unheimlich war. Entscheidend für den Ausgang des Olympia-Endspiels könnte Neymar sein - der Superstar, der damals verletzt fehlte und sich das 1:7-Debakel von außen ansehen musste, brennt auf eine Revanche.

Neben der DFB-Elf hoffen auch die deutschen Kanuten  zum Abschluss ihrer Wettbewerbe noch einmal auf Edelmetall. Einer-Olympiasieger Sebastian Brendel tritt mit Jan Vandrey im Canadier-Zweier an, Ronald Rauhe steht im Kajak-Finale über 200 Meter. Auch die beiden Kajak-Vierer hoffen auf Podestplätze.

Schon in der Nacht zum Samstag will Usain Bolt nach den Erfolgen über 100 und 200 Meter auch mit der jamaikanischen Sprint-Staffel wieder den Olympiasieg. Für Jamaikas Leichtathletik-Superstar wäre es bei seinen letzten Olympischen Spielen das dritte Gold-Triple nach 2008 in Peking und 2012 in London.

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