Wirtschaftskriminalität Ackermann-Anklage in vollem Umfang zugelassen


Das Düsseldorfer Landgericht hat in der Mannesmann-Affäre die Anklage gegen den Deutsche-Bank-Chef Ackermann und gegen den früheren IG-Metall-Chef Zwickel in vollem Umfang zugelassen.

Das Düsseldorfer Landgericht hat in der Mannesmann-Affäre die Anklage gegen den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und gegen den früheren IG-Metall-Chef Klaus Zwickel in vollem Umfang zugelassen. Dagegen schränkte es den Anklagevorwurf gegen den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser deutlich ein. Wie Justizsprecher Ulrich Thole mitteilte, werden sich Ackermann, Zwickel, der frühere Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und der frühere Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ladberg wegen des Vorwurfs der Untreue vor Gericht verantworten müssen.

Esser und Droste wird Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt

Esser und dem früheren Personalvorstand Dieter Droste wird dagegen "nur" Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt. Vor allem bei Esser wich das Landgericht damit deutlich vom Anklagevorwurf der Staatsanwaltschaft Düsseldorf ab. Die Fahnder hatten den früheren Mannesmann-Chef nach zweijährigen Ermittlungen ebenfalls der Untreue anklagen wollen, da er die Auszahlung von Anerkennungsprämien an aktive Vorstandsmitglieder, an Aufsichtsratschef Funk und an sich selbst veranlasst habe.

Außerdem wies das Gericht "aus tatsächlichen Gründen" den Vorwurf zurück, Esser habe maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidung des Aufsichtsrats zur Zahlung von Pensionsabfindungen in Millionenhöhe genommen. Auch bei Funk und Droste ließ die Staatsanwaltschaft Teile der Anklage nicht zu. Bei einer Verurteilung wegen Untreue droht den Managern eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren.

Es geht um Abfindungen und Bonuszahlungen

In dem Verfahren geht es um Abfindungen und Bonuszahlungen in Höhe von damals rund 111 Millionen Mark, die nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone an führende Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre des Düsseldorfer Konzerns gezahlt wurden. Allein Esser erhielt nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Mark. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf sieht in diesem Nachspiel zur größten Übernahme der Wirtschaftsgeschichte den Versuch der Manager, sich auf Kosten der Mannesmann AG zu bereichern. Ackermann, Zwickel und Ladberg wird zwar nicht der Vorwurf gemacht, sich persönlich bereichert zu haben. Doch hätten sie mit der Genehmigung der Zahlungen ihre Pflichten als Aufsichtsräte verletzt.

BaFin beobachtet das Verfahren

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beobachtet das Untreue-Verfahren gegen Ackermann. Dabei gehe es darum, ob er während eines Prozesses das Unternehmen auch weiter führen könne, erläuterte ein Sprecher. Eine Entscheidung hierzu gebe es noch nicht. Zunächst einmal müsse abgewartet werden, wann überhaupt der Prozess beginne und wie er terminiert werde.

Das Wirtschaftsblatt "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete unter Berufung auf vertraute Kreise: "Wenn er zwei oder drei Tage in der Woche im Gerichtssaal sitzt, ist es sehr fraglich, ob er seiner gesetzlich verlangten Sorgfaltspflicht noch nachkommen kann."

Völlig offen ist nach Angaben des Gerichts noch, wann der Prozess vor der 14. großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf beginnen wird.


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