Reibung, Druck, Kälte, Wärme oder Licht - viele Faktoren können eine physikalische Nesselsucht auslösen. Allen gemeinsam ist, dass sie von außen einwirken. Die Ursachen dieser Form sind unbekannt.

Manchmal kann schon kühle Luft Quaddeln und Schwellungen auslösen© Svea Anais Perrine./Photocase.com
Eine physikalische Nesselsucht entsteht immer durch äußere Einflüsse. Auf bestimmte Reize reagiert die Haut mit Quaddeln und Juckreiz, wobei das Immunsystem aber keine Rolle spielt. Auch wenn die Symptome denen einer Allergie ähneln, handelt es sich bei dieser Form nicht um eine Allergie. Über die Krankheitsdauer lässt sich wenig sagen, die Angaben variieren und hängen auch von der jeweiligen Art der physikalischen Nesselsucht ab. Nach heutigem Wissensstand umfasst die Erkrankung mindestens 21 verschiedene Typen. Die wichtigsten werden im Folgenden besprochen.
Die so genannte Urticaria factitia ist die häufigste Form der physikalischen Nesselsucht. Schätzungen zufolge leiden zwischen zwei und vier Prozent der Deutschen daran, wobei die Ausprägung sehr unterschiedlich sein kann. Der Auslöser ist ein leichtes bis mäßiges Reiben, Scheuern oder Kratzen, etwa durch den Trageriemen einer Tasche auf der Schulter. Manchmal reicht sogar schon das Reiben eines T-Shirts auf der Haut. An der betroffenen Stelle entstehen nach wenigen Minuten stark juckende Quaddeln und eine Rötung. Mediziner sprechen daher auch von der so genannten dermographischen Urtikaria, weil man mit einem Holzstäbchen auf der Haut regelrecht schreiben kann.
Bei dieser Form der Nesselsucht ruft Druck auf belastete Körperstellen tiefe Schwellungen hervor. Deshalb sind häufig der Rücken, die Handinnenflächen oder die Fußsohlen betroffen. Die Reaktion auf den äußeren Druck tritt entweder innerhalb einer Stunde auf, manchmal schon nach wenigen Minuten, oder verzögert nach vier bis acht Stunden auf. Vor allem Männer erkranken an der Druck-Urtikaria. Sie heilt im Durchschnitt nach sechs bis neun Jahren von alleine aus.
Kalte Gegenstände, kalte Luft, kalte Flüssigkeit oder Eis verursachen bei manchen Personen Quaddelschübe und Schwellungen auf der Haut oder auf den Schleimhäuten. Wie hoch der Kältereiz sein muss, um solche Reaktionen hervorzurufen, variiert von Mensch zu Mensch: Manchmal reicht schon der kühle Film, der entsteht, wenn Schweiß auf der Haut verdunstet. Ein Sprung ins kalte Wasser kann sogar so viel von dem Botenstoff Histamin im gesamten Körper freisetzen, dass unter Umständen das Leben des Betroffenen gefährdet ist.
Meist sprießen die Quaddeln schon nach wenigen Minuten. Oft entstehen sie auch erst, wenn die Stelle sich wieder erwärmt. Die Beschwerden klingen nach 30 Minuten wieder ab, können jedoch einige Stunden bestehen bleiben. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Kälte-Nesselsucht, auch Kälte-Urtikaria genannt, kann beim ersten Mal zusammen mit einer Infektion und als Begleiterscheinung einer Blut- oder Immunkrankheit auftreten. Ärzte nennen sie dann sekundäre Kälte-Nesselsucht.
Diese Form der Urtikaria ist ausgesprochen selten. Quaddeln treten nur dort auf, wo eine Wärmequelle direkt mit der Haut in Kontakt kommt. Die auslösenden Temperaturen liegen zwischen 38 und 56 Grad Celsius.
Bei dieser Form bilden sich nach wenigen Minuten Quaddeln auf Hautstellen, die direkt mit Licht in Berührung gekommen sind. Auslöser sind meist UV-A-Strahlen, seltener UV-B-Strahlen. Auch die Licht-Urtikaria kommt nur sehr selten vor.