Der unterschätzte Kampfzwerg

19. März 2010, 10:46 Uhr

Der Webbrowser Opera ist seit 15 Jahren technisch spitze und wird kaum benutzt. Der Zwerg aus Norwegen hat mit seiner EU-Beschwerde gegen den Riesen Microsoft die Browserwahl für Windows-Nutzer herbeigeführt - und hofft auf den Durchbruch. Von Ralf Sander

0 Bewertungen
Opera, Firefox, Internet Explorer, Browser, Google Chrome

Opera zeigt eine Vorschau der geöffneten Tabs an©

Microsoft stellt seit dem 17. März die europäischen Windows-Nutzer vor die Wahl, welchen Internetbrowser sie benutzen wollen. So will es eine Regelung mit der EU-Kommission. Wer Microsofts Internet Explorer (IE) als Standard-Surfbrett eingestellt hat, der bekommt ein Auswahlfenster mit elf IE-Alternativen angeboten. Programme wie der beliebte Firefox, Googles Chrome und Safari von Apple stehen neben einigen Exoten zur Wahl. Und dann ist da noch das Programm mit dem roten O als Logo: Opera. Dessen norwegischer Entwickler Opera Software ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es die Browserwahl heute überhaupt gibt.

Im Dezember 2007 hatte die Firma mit Sitz in Oslo bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Microsoft eingereicht. Zwei Gründe nannten die Norweger für diesen Schritt: Erstens missbrauche der US-Konzern seine marktbeherrschende Stellung, indem er den Internet Explorer als Standardbrowser mit seinem weit verbreiteten Betriebssystem Windows ausliefere. Der IE ist nicht nur vorinstalliert, er ist als Bestandteil von Windows kaum zu entfernen. Zweitens umgehe Microsoft "gängige Internet-Standards" bei der Gestaltung von Webseiten, an die sich andere Browserhersteller halten. Durch den Marktanteil von zeitweise mehr als 90 Prozent waren fast alle Webangebote für die Darstellung auf die Marotten des Internet Explorer optimiert worden, was in alternativen Browsern häufig zu Darstellungsproblemen geführt hatte. Beides erschwere Opera den Wettbewerb, argumentierten die Norweger. Die Kartellbeschwerde wurde unterstützt von anderen Firmen aus der Webbranche und dem IT-Verband ECIS.

Zwei Jahre später einigten sich die EU und Microsoft darauf, dass die europäischen Windows-Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Browsern haben soll. Im neuen Auswahlfenster immer unter den ersten fünf angezeigten Alternativen-Browsern: Opera. "Natürlich geht es auch darum, unser Programm unters Volk zu bringen", sagt Opera-Manager Patrick H. Lauke im Gespräch mit stern.de. "Doch diese Browserwahl ist grundsätzlich gut für den Verbraucher. Viele wissen gar nicht, dass es Alternativen zum Internet Explorer gibt."

Unter dem Radar

Wie es ist, trotz eines guten Produktes fast völlig unbekannt zu sein, wissen die Norweger seit 15 Jahren. Opera Software ist einer der ältesten noch aktiven Entwickler von Webbrowsern. Was als Forschungsprojekt beim norwegischen Telekommunikationsunternehmen Telenor entstanden war, wurde 1995 als eigene Firma Opera Software ausgegründet, um sich ganz der Browserentwicklung zu widmen. Die Ergebnisse waren immer besonders innovativ und nahmen vieles vorweg, was inzwischen Standard ist. Einige Beispiele: Das heute übliche Tabbed Browsing - die Anzeige mehrerer Webseiten in einem Browserfenster - beherrschte Opera von der ersten Version an, lange vor den Mitbewerbern. Werbe- und Pop-up-Blocker, Download- und Passwortmanager, vollwertige E-Mail- und Chat-Clients, Funktionen für das Lesen von Newsgroups und RSS-Feeds, Bedienung durch Mausgesten - alles ist seit Jahren in Opera standardmäßig vorhanden. Optische Veränderungen und individuelle Anpassungen der Benutzeroberfläche? Kein Problem. Zu den jüngeren Innovationen gehören: Opera Link, ein Dienst, der die Lesezeichen zwischen mehreren Browsern abgleicht, unabhängig vom Gerät. Und mit Opera Unite wird der Browser zum Webserver: Der Nutzer kann Dateien auf dem eigenen Rechner einfach anderen zum Download zur Verfügung stellen. Kurzum: die Norweger stecken immer das maximal Mögliche in ihre Software. Und das ist häufig zu viel für den Normalverbraucher. Opera erarbeitete sich eine loyale, aber kleine Fangemeinde unter Webdesignern und Hardcore-Surfern. Der weltweite Marktanteil schwankte über viele Jahre zwischen "nicht messbar" und einstelligen Prozentwerten. Lediglich in einzelnen Ländern wie Russland und der Ukraine ist der Browser erfolgreich. "Dort dominieren wir", so Lauke. Doch wie lässt sich darauf ein Business aufbauen?

Wer bezahlt schon für Browser?

Heute erscheint es unvorstellbar, aber bis einschließlich der Version 4 im Jahr 2000 verkaufte Opera seinen Browser - wie es andere Softwarefirmen mit Office-Programmen oder Virenscannern immer noch tun. Das Geschäftsmodell ließ sich nicht aufrecht erhalten. Microsofts Internet Explorer, ebenfalls 1995 gestartet, war inzwischen kostenlos auf jedem Windows-PC bereits vorhanden. Der IE hatte den Browserkrieg mit dem damals führenden Netscape Navigator gewonnen und jegliche Konkurrenz zerstört. Keine gute Zeit, um Geld für Browser zu verlangen. Danach setzten die Norweger auf Werbeeinblendungen, die gegen die Zahlung einer Gebühr abgeschaltet werden konnten. 2004 trat mit dem kostenlosen und unkommerziellen Firefox ein Browser auf den Plan, der sich zum echten Gegner für den IE entwickeln sollte. Opera reagierte, seit Ende 2005 ist die Software komplett kostenfrei. "Wir verdienen Geld über Verträge mit Suchmaschinenbetreibern", erklärt Opera-Manager Lauke. Das heißt: Google & Co. zahlen dafür, im Browser in einem Suchfeld voreingestellt zu sein. Für jede durchgeführte Anfrage bekommt Opera einen kleinen Betrag. Lauke: "Bei vielen Millionen Suchvorgängen läppert sich das schon." Doch diese Geldquelle macht nur rund ein Drittel der Einnahmen aus. Denn die Opera-Entwickler haben früh erkannt, dass der PC nicht das einzige Gerät bleiben wird, um auf das Internet zuzugreifen.

"Für uns galt immer: Wir wollen unseren Browser auf jedes Gerät bringen, das sich mit dem Internet verbinden kann", sagt Lauke. Die Norweger sorgten immer dafür, dass ihr Programm auch auf schwacher Hardware gut läuft. Und sie haben eine Technik entwickelt, die aus schlechten Verbindungen noch gute Datenübertragungsraten herausschindet. So gibt es inzwischen Opera-Versionen für Smartphones, aber auch für ältere Handys. Das Nordlicht zeigt außerdem auf Nintendos Wii den Weg in Web und auf der tragbaren Spielkonsole Nintendo DSi. Dazu kommen Varianten für Set-Top-Boxen und Web-fähige TV-Geräte. Die Hersteller der Hardware lizenzieren den Browser, der für das Gerät entsprechend angepasst wird. So erwirtschaftet die Firma einen großen Teil ihres Gesamtumsatzes. Im Jahr 2009 waren das 76 Millionen Euro, allerdings bei einem krisenbedingten Gewinneinbruch von 68 Prozent. Rund 800 Menschen arbeiten derzeit für Opera Software, die seit 2004 eine Aktiongesellschaft ist.

Ob die brandneue Version Opera 10.50 (siehe Kasten) auf dem Markt der Desktop-Computer durch die erzwungene Browserwahl gegenüber den Platzhirschen Internet Explorer und Firefox Boden gut machen kann, wird sich zeigen. Opera Software hat gerade mitgeteilt, dass die Zahl der Downloads seit dem Start der Browserwahl um 130 Prozent gestiegen sei. Wie viele der neuen Nutzer den Alleskönner schätzen lernen werden, ist eine andere Frage.

Opera 10.50 für Windows Die neue Version 10.50 des Opera-Browser bekam eine völlig neue Javascript-Engine spendiert, was ihn zu einem der schnellsten Websurfbretter macht. Die Optik wurde überarbeitet und ist sehr schlank, lässt sich aber nach Bedarf anpassen. Ein Turbo-Modus komprimiert erleichtert das Surfen mit langsamen Verbindungen. Viele Funktionen, für die andere Browser Add-ons oder Zusatzprogramme benötigen sind bereits eingebaut, darunter ein E-Mail-Client, das Synchronisieren von Favoriten und eine Funktion zum Datenaustausch. Die Version 10.50 ist Windows erhältlich, andere Betriebssysteme folgen. Download: www.opera.com

 
 
MEHR ZUM THEMA
KOMMENTARE (10 von 10)
 
brigitteramsau (21.03.2010, 00:55 Uhr)
Stabiles Windows...
Wir benutzen immer noch Windows XP SP3 in der SUN Virtualbox unter Ubuntu. Da hier der nervige Bootmanager entfaellt und man parallel soviele Maschinen aufstarten kann wie man will oder Maschinen fuer unterschiedliche Zwecke z. B. Internet, Office, Bank, Video etc. laeuft das ganze mit der neuen Prozessor-Technologie die man mit der Virtualbox skalieren kann flott und stabil.
Virus Angriffe oder Malware gibt es nicht mehr.
Wer seine Installationen auf einen anderen oder neuen Rechner uebertragen will, kopiert nur noch die .VDI Files.

Mittlerweile gibt es sogar fuer Mac OS Freunde eine lauffaehige Loesung.

Bei den Browsern benutzen wir Chrome, Firefox und Opera. Chrome hat zur Zeit mit Opera den schnellsten Seitenaufbau.

Safari auf Windows zu installieren kann fuer MSN Benutzer (es gibt diese tatsaechlich nocht) problematisch werden, da einige MSN Updates teilweise die Internet Verbindung nicht mehr richtig erkennen und auf Dial-Up umschalten. Hier kann man aber in den Foren REG Patches finden die dies beheben.
mid63 (20.03.2010, 12:17 Uhr)
Positiv überrascht!
Nach langen Jahren mit Firefox habe ich mir die neue Version von Opera einmal näher angesehen.

Und ich war schnell sehr positiv überrascht. Schnell im Seitenaufbau, benutzerfreundlich im Handling und stabil im Betrieb ist er. Vieles was ich beim Firefox erst durch diverse Add-Ons nachrüsten muss, ist bereits integriert. Nur nach einer guten urlfilter-Datei, die als Adblocker fungiert, musste ich etwas suchen, aber das ging recht zügig.

Ich bin zur Zeit jedenfalls nur noch mit Opera im Netz unterwegs.
paladin09 (19.03.2010, 15:45 Uhr)
Den Browserkrieg
und Argumente einer Browsermonopolstellung seitens MS konnte ich mit vielen anderen nie ganz nachvollziehen. Von den ersten Anfängen des Internet an sind wir im Netz aktiv. Früher noch per Modem und heute eben per Highspeed Flat DSL. Dabei war und ist es nur logisch, das Nutzer des IN selbstverständlich den ihnen am einfachsten zugänglichen Browser benutzen und das war nun einmal der in Windows integrierte MS Browser. Wer nicht gerade über AOL - Compuserve oder Telekom surfte welche ihre eigenen Browser hatten, konnte noch auf Netscape - Opera und wenige andere Browser ausweichen. Das der IE Broweser stets Bestandteil von Windows gewesen war haben wir nie als eine Monopolstellung seitens MS empfunden.
Trotz des in Windows integrierten MS IE Browsers nutzen wir und konnte schon immer jeder auf dem Markt verfügberen alternativ Browser, wie Firefox - Safari - Opera usw. nutzen, wie auch jeder alternative Mailprogramme neben Outlook Express nutzen kann.
Opera - Google Chrome - Safari sind echte Alternativen und wesentlich komfortabler, schneller als MS sein IE Browser. Firefox ist der Browser mit den vielfältigsten Anpassungsmöglichkeiten die aber umso mehr den Browser Geschwindigkeit kosten. Perfekt ist keiner der Browser. Jeder hat seine Vor und Nachteile.
Wenn, es aber darum geht, das MS seinen IE Browser in Windows fest integriert hat um das gesammte Internet nach seinen Vorgaben zu gestalten, dann allerdings muß man dem einen Riegel vorschieben und gehört der MS IE nicht ins Betriebssystem von Windows.
Das Internet muß eine offene entwicklungsfähige globale Plattform bleiben was sich kein einziger Monopolist Marktbeherrschend untern dem Nagel reißen darf.
Wer welchen Browser nutzt konnte jeder schon immer selbst bestimmen, wie er es noch heute ebenso kann.
Wer welchen Browser nutzt, darum kann es somit in diesem Krieg allein nicht gegangen sein.
Zur Beruhigung aller macht MS aus dem EU Urteil nun fleißig Werbung in seinen Windwos Update für alternative Browser und Opera ist glücklich.
Alexander0815 (19.03.2010, 14:37 Uhr)
Browser für Blackberry
Ich suche im Moment noch nach einen guten Browser für meinen Blackberry 9520, mit dem ich den eingebauten ersetzen möchte. Hier versagt Firefox ja total und deshalb hab ich mal den Opera Mini installiert. Leider ist es bei diesem aber nicht möglich, die bereits vorhandenen Lesezeichen aus dem BB-Browser zu übernehmen bzw. zu importieren und deshalb wird er auch nicht verwendet. Schade eigentlich ... ach ja, und die neueste Version des Opera Mini sieht sowieso nur noch wie ein Spielzeug aus. Die hat sich aufgrund des Aussehens schon disqualifiziert!
johnniedeamonic (19.03.2010, 13:42 Uhr)
Opera
stürzt vorallem nicht wie Firefox andauernd ab wenn man mal sowas "aussergewöhnliches" machen will wie auf 2 Sites gleichzeitig surfen, oder man wärend ein youtubesong läuft auf stern.de stöbert^^
gibts eigentlich netscape noch? der war damals ja eigentlich auch recht gut...
Tut_nix_zur_Sache (19.03.2010, 11:41 Uhr)
@Novalis
Jointventures sind doch nichts neues.

Mein Peugeot hat z.B. einen Toyotamotor....
.link (19.03.2010, 11:39 Uhr)
endlich wird mal über den besten berichtet...
...und nicht wie sonst immer über den nervigen Firefox. Der hat sich, so scheint es mir, auf fast allen Bürorechnern durchgesetzt, und jetzt muss man sich mit dem rumärgern.

"Und das ist häufig zu viel für den Normalverbraucher."

noch ein Satz dazu: bei Opera bleiben alle Funktionen die man nicht braucht im Hintergrund - bis man sie benutzt. Also stört auch nichts. ;)

Ich nutze bei Opera den RSS-Feed, ab und zu das Torrentmodul...und ohne Mausgesten surfen? Nein danke.
DCAHH (19.03.2010, 11:36 Uhr)
Opera und sonst nichts
Seit eh und je nutze ich Opera.

Alleine, wer einmal die simple Funktion der Taste Z erfahren hat, wird beim Browsen im Netz vom ewigen Geklicke in anderen Browsern schnell genervt sein...

Von diversen anderen Tastaturkürzeln oder Mausgesten ganz zu schweigen.
Novalis69 (19.03.2010, 11:32 Uhr)
Bald bei Mercedes Lenkräder von VW
Kommt es den dann auch dazu das die Lenkräder von VW an den neuen Daimler müssen, oder Porsche den Tank von Fiat nehmen muß.
Das ganze ist lächerlich. Da ich Firefox benuzte und nicht IExplorer ist es mir selbst überlassen was ich benutze. Nun aber testete ich aus neugierde Opera. Niht mal 1 Tag, dann war Firefox wieder mein Standardbrowser. Mir liegt Opera nicht, sicher gibt es andere User die Opera bevorzugen, warum auch nicht. Aber so ein Zwergenaufstand und dann noch behaupten der Download bewiese es, ich downloadete ja auch, aber ich löschte ihn wieder. Also diese Zahlen von Opera stimmen nicht. Es kommt mir vor wie der Automobilhändler der sagt er habe 300% mehr Umsatz als letztes Jahr.
Da hat er ein Auto verkauft und nun ein paar mehr, leben kann er aber nicht davon.
trespuntos (19.03.2010, 11:14 Uhr)
Skandalöses Urteil
Ich finde es schon skandalös das die EU Microsoft zwingt andere Browser in seinem eigenem Betriebsystem freizugeben. Diese Monopol Argumentation ist lächerlich. Niemandem auf dieser Welt wird gezwungen Microsoft Produkte einzusetzen bzw. zu kaufen. Microsoft hat das Recht sein Betriebssystem so aufzubauen wie sie es für richtig halten. Hat jemand Apple gezwungen den IE fest zu installieren?
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity


 
 
stern - jetzt im Handel
stern (18/2014)
Die vegane Versuchung