15. April 2008, 15:17 Uhr

"Rettet Windows XP!"

Am 30. Juni endet offiziell die Verkaufszeit für Windows XP, dann gibt es nur noch Vista. Lediglich auf Mini-Notebooks wird das alte Betriebssystem noch länger ausgeliefert werden. Doch im Web formiert sich Widerstand. Aktivisten sammeln Unterstützer - um Windows XP zu retten.

Windows XP wurde nie wirklich geliebt - aber jetzt hat es plötzlich Fans©

Windows wird von allen genutzt, im Unterschied zum Mac oder Linux aber nur von wenigen geliebt. Das könnte sich jetzt ändern: Im Internet formiert sich eine Bewegung, die sich für das sechs Jahre alte Windows XP stark macht. Ab 30. Juni wird Windows XP von Microsoft offiziell nicht mehr verkauft, der technische Support soll anschließend nach und nach ausgedünnt werden. Allenfalls auf den gerade besonders aktuellen Mini-Notebooks mit abgespeckter Hardware soll das alte Windows noch in den Handel gelangen.

Aber in Blogs und Online-Foren wird umso heftiger für das Überleben von XP geworben, je näher der Termin 30. Juni heranrückt. Allen Überzeugungsversuchen von Microsoft zum Trotz wollen die Windows-Traditionalisten nicht zum XP-Nachfolger Vista wechseln. Sie bemängeln die höheren Hardware-Anforderungen, die Startgeschwindigkeit, gelegentliche Unvereinbarkeit mit bestimmten Programmen und Geräten sowie die ständig auftauchenden Popup-Fenster bei möglichen Sicherheitsrisiken.

Zu den XP-Fans gehört der langjährige Technik-Journalist Galen Gruman. Er hat die Online-Petition "Save XP" (Rettet XP) gestartet und seit Januar mehr als 111.000 Unterstützer um sich geschart. In tausenden Kommentaren wird Microsoft immer wieder aufgefordert, Windows XP wenigstens solange zu verkaufen, bis das nächste Windows erscheint, also voraussichtlich 2010. Einige klammern sich an den letzten XP-Halt mit der Möglichkeit zum "Downgrade". Bisher stand diese Option nur Firmenkunden offen, jetzt soll es für alle möglich sein, von den beiden Vista-Versionen Ultimate und Business auf XP zu wechseln. Andere kündigen an, dass sie von Windows zu Apple oder Linux wechseln wollen.

69 Prozent aller Firmenrechner noch mit XP

Microsoft hat die XP-Deadline schon einmal verschoben, will dies nun aber kein zweites Mal tun. Das Unternehmen kenne die Online-Petition, erklärte Microsoft auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Das "Feedback von Partnern und Kunden" sei wichtig für die eigene Orientierung. Ein Gespräch mit "Save-XP"-Initiator Gruman ist bislang aber nicht zustande gekommen. "Sie glauben wirklich, dass die Leute keine andere Wahl haben, wenn sie einfach die Augen schließen", kritisiert er und will sich weiter um ein Gespräch bemühen.

Tatsächlich führt beim Neukauf eines Computers kaum ein Weg an Vista vorbei, sofern man in der Windows-Welt bleiben will. Nach Schätzungen der Marktforscher von IDC werden in diesem Jahr 94 Prozent aller neuen Windows-Rechner für Privatanwender mit Vista ausgeliefert. Bei Unternehmen wird ein Anteil von etwa 75 Prozent erwartet. Bei älteren Computern aber sieht es noch anders aus. IDC-Experte Al Gillen schätzt, dass Ende dieses Jahres weltweit noch nahezu 60 Prozent der privat genutzten PCs und 69 Prozent aller Firmenrechner mit Windows XP betrieben werden. Dies könnte Microsoft veranlassen, den Support für XP länger aufrechtzuerhalten als bislang geplant. Bislang ist geplant, den Vollsupport im April 2009 einzustellen. Einzelne Dienste wie insbesondere die Bereitstellung von Sicherheitspatches sind aber noch bis April 2014 vorgesehen.

Gillen vermutet, dass Graswurzel-Initiativen wie die von Gruman den Software-Konzern in seinen Entscheidungsprozessen kaum beeinflussen, dass die Bedürfnisse der Firmenkunden aber nicht ungehört bleiben. "Man kann ja nicht 69 Prozent der installierten Basis gegen sich aufbringen", sagt der Marktforscher. Einige Unternehmen wie der Metallverarbeiter Wells Manufacturing in Woodstock, Illinois, hoffen, dass er Recht behält. Bei Wells laufen 200 PCs mit Windows 2000 oder XP. Alle 18 Monate ersetzt der Unternehmer 50 Rechner. Bei der letzten Anschaffung blieb Wells bei XP, weil sich einige Anwendungen nicht besonders gut mit Vista verstehen. "Es gibt keinen überzeugenden Grund, zu Vista zu wechseln außer den, irgendwann den Support für XP zu verlieren", erklärt Firmensprecher Lou Peterhans. Das Unternehmen plane keinen Wechsel zu Vista in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren. Und dann steht bereits Windows 7 vor der Tür.

Jessica Mintz/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Quer (16.04.2008, 11:20 Uhr)
... sollen doch zu MS DOS wechseln?
Wer solche Kommentare abgibt, muss sich ja für einen besonders tollen Hecht halten. Und weshalb? Weil er sich einen neuen PC gekauft hat und nun beim Anblick des Aero Desktop fast einen Orgasmus bekommt? He Junge. Sieh ein, dass du keine Ahnung hast. Weder vom Sex, noch von Betriebssystemen und schon gar nicht von etwas, für das PC's eigentlich gebraucht werden. ARBEIT! Ja. Es stimmt tatsächlich. Es gibt Menschen, die brauchen den PC tatsächlich zum Arbeiten und nicht nur zum Spielen. Und sind wir mal ehrlich. Um einen Porno im Internet anzuschauen, braucht man nun wirklich kein Vista. Da würde eigentlich sogar ein Fernseher mit einer Settopbox reichen.
Was also soll es mit Fortschrittsverhinderung zu tun haben, wenn man ein schlecht funktionierendes, fehleranfälliges, ressourcen verschleuderndes, Bananenprogramm (reift beim Kunden) nicht haben will?
Schlussendlicht geht es doch beim Supportstopp nur darum, dass Microsoft den professionellen User zum Neukauf nötigen will. Da fast alle XP haben, lässt sich damit auch kein Geschäft mehr machen.
havranek (16.04.2008, 11:02 Uhr)
Apple??
Dann sollen die User zu Apple wechseln, soll das ein Witz sein?
Das was Apple macht ist doch 100 mal schlimmer als Windows, dort gibt es gar keine Konkurrenz und alles ist nur auf Macin-Schrott abgestimmt!
Wenn Apple soviele User wie Microsoft hätte, müssten die schon längstens per Gerichte ihre Software öffnen und Sourcecode freilegen. Installier mal nen Internet-Explorer auf nem Mac, tolle Alternative!
miho22 (16.04.2008, 09:36 Uhr)
Umweltsünde
Ich würde Vista in Sachen Umweltverträglichkeit die rote Karte geben, da sie in Zeiten von Klimawandel und knapper werdenden Rohstoffen neue unnötige Hardwarekäufe provoziert, und unnötiger E-Schrott entsteht. Ein umweltfreundliches System wäre bei mehr Funktionen gleichschnell oder bei gleichen Funktionen schneller. Also mit anderen Worten hardwarenäher programmiert. Vielleicht sollte man auch bei der Software Energieklassen wie bei Kühlschränken einführen. Danach würde ich für XP vielleicht "C" geben, Vista liegt bei "V"
gmathol (16.04.2008, 06:18 Uhr)
Mit Vista kam auch eine haertere Gangart bei den Copyrights.
Das DRM schlaegt erbarmungslos zu! Da werden sogar ganze Verzeichnisse mit MP3 oder frei verfuegbaren Videos aus dem Internet geloescht!
Man wird sich wohl mit Linux beschaeftigen muessen! Allerdings sind auch fuer Linux im Multimedia Bereich Patente und Lizenzen notwendig, oder es werden z. B. DVS's erst gar nicht abgespielt.
PlatonsWelt (16.04.2008, 04:27 Uhr)
Hardware-Pusher...
Wie so oft und viele andere Unternehmen auch wird MS sicher nicht mehr sein Geld durch Betriebssysteme direkt verdienen, sondern durch das teure Drumherum. So reiht sich also Vista in die Reihe der "Unverschämtheiten" auf dem Softwaremarkt ein wie sämtliche PC-Spiele der letzten drei Jahre: Nix funzt, aber um das herauszufinden mußte man erstmal teuer aufrüsten!!
Ich habe diese hochgestylten Softwaresysteme satt, die nur dann vernünftig laufen, wenn man am besten gleich seinen zweijährigen PC wegwirft und gleich alles nur vom besten kauft...Das kann ich mir nicht leisten und auch die Spieler und Softwareanwender werden es sich bald nicht mehr leisten können... Ich warte darauf, daß man Spiele und Programme künftig auf Servern kauft und direkt im Internet spielt und nutzt, so daß man zuhause entspannt vor einer "Minimalconfig" sitzt einigermaßen befreit vom Zwang der Hard- und Software...Es lebe die Internetfestplatte!!!
Skaf (16.04.2008, 01:35 Uhr)
Apple...
"von Windows zu Apple oder Linux wechseln" - Apple ist der Hersteller, das Betriebssystem heißt Mac OS.
Justizius (15.04.2008, 23:56 Uhr)
Vista muss besser werden!
So geht es nicht. Microsoft sollte sich Gedanken machen, worauf es wirklich ankommt und wohin die Reise geht. Bisher ist der Ressourcenverbrauch bei jeder neuen Windows-Generation nur moderat angestiegen, bis… …bis Windows VISTA kam und den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen hat. Auf einmal braucht man mindestens einen Doppelkern-Prozessor, 50GB(statt z.B.10GB) freien Festplattenplatz für das System, 2GB Arbeitsspeicher(statt512MB) und eine 256MB DirectX 10 Grafikkarte(statt64MB), wenn das System prima laufen soll. Nur das Problem ist: Es läuft trotzdem nicht so prima wie XP….auch wenn man alles hat. VISTA ist einfach viel zu aufgeblasen, zäh und träge. Das Einzige, was VISTA gut kann, ist den Benutzer gängeln und ärgern. Und was so ein neuer Rechner gut kann, ist richtig schön Strom verbrauchen. Power braucht eben nun mal Futter. Der Klimawandel lässt grüssen.
embe (15.04.2008, 23:16 Uhr)
Klassisches Eigentor
hatte mit einer gewissen Skepsis einen Laptop mit Vistainstallierung gekauft, allein der Versuch der Datenübernahme nach macht einen schon mürbe, erstellte Zeichnungsdateien lassen sich selbst mit der Suchfunktion nicht mehr wiederfinden.
Das größte war aber der Neuerwerb einer "Microsoftmouse" mit grossem Aufkleber "Vista geeignet", tja was soll ich sagen, nach einlegen der Treiberdisc kam die lapidare Nachricht das mein System dafür nicht geeignet sei. Ich habe dann das Gerät zum Händler zurückgetragen und Ihn unmissverständlich klar gemacht, das ich und das neue Betriebssystem keine Partner für die Zukunft sein würden. Hat mich zwar noch einiges an € gekostet aber dafür hab ich jetzt mein XP, Ruhe und alles funktioniert. Nie wieder Vista
Badmax (15.04.2008, 23:03 Uhr)
Vista? Nein Danke!
Ich bin ein Geräte- und Systemtechniker und schon mit DOS aufgewachsen.
VISTA ist der vorläufige Höhepunkt einer Fehlentwicklung seitens Microsofts. Ich hab es wirklich mir guten Vorsätzen versucht, aber: Mein Gott! ein High-End PC ist nicht dazu da, um nur ein Betriebssystem zu befeuern, nein, ganz im Gegenteil! Das Betriebssystem sollte dazu da sein, den PC maximal zu beschleunigen. Aber Vista macht genau das Gegenteil. Der Start des Rechners verzögert sich mit Vista erheblich gegenüber XP. Noch schlimmer ist, selbst wenn Vista mal gestartet ist, rödelt der Rechner minutenlang vor sich hin (die Festplatten schaffen Akkord). ÜBerhaupt ist Vista extrem träge, verglichen mit XP. Die bunte Oberfläche empfinde ich nach mehreren Tagen Benutzung schon extrem nervend und vor allem anstrengend für die Augen, VISTA ist total mit optischen Gimmicks und Effekten überladen (vor allem Aero), da hilft nur abschalten.
Nein, ich bin mit mittlerweile sicher, das Vista in erster Linie entwickelt wurde, um den Hardwaremarkt zu puschen. Aber selbst ich bin kein Geldscheisser und auch nicht willig, unzählige Euro liegen zu lassen, um danach nur eine annährende Perfomance zu XP zu erreichen. Nein Danke. Ich habe mich schon bei den Macs umgesehen und Linux scheint mir auch eine lohnenswerte Alternative zu sein.
Necros (15.04.2008, 22:58 Uhr)
@chrisunix
Wenn ich sowas wie "Dabei sollte das Editieren einer Text-Konfigurationsdatei... zum Allgemeinwissen gehören", lese, bekomme ich eine Ahnung, weshalb Windows den Markt beherrscht. Genau das muss ein Anwender nämlich nicht können! Ein gutes Betriebssystem muss sich zu 99,9 % automatisch konfigurieren und die Anwendungen auch für den lieben Oppa an der Tastatur verständlich sein. Dieses ach so elitäre "Meine Kommandozeile ist wichtiger als Deutschland" bringt Linux im Endeffekt nur ins Abseits. Ansätze wie Ubuntu und Suse sind sicherlich schon in die richtige Richtung gedacht, werden aber Otto Normaluser (und der macht mindestens 90 % der User aus) niemals in ihren Bann ziehen. Und das meine ich als Debian Slink (2.1) Starter in die Linux-Welt.
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