Vista-Nachfolger Microsoft und der Windows-Zombie


Microsoft wird in kürze Details von Windows 7 vorstellen, das in rund einem Jahr kommen könnte. Ein radikaler Schritt zu Vista wird allerdings nicht erwartet. Und das alte Betriebssystem XP will einfach nicht verschwinden.
Von Martin Ottomeier und Arndt Ohler

Der Rummel um den Vista-Nachfolger beginnt. Auf einer in dieser Woche stattfindenden Entwicklerkonferenz bringt Microsoft erstmals eine Vorabversion des nächsten Windows-Betriebssystems unter die Leute. Schon Mitte des Monats sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, die nächste Version sei kompatibel mit der aktuellen Version Windows Vista. Und auch den Namen des Nachfolgers hat Microsoft kürzlich bekannt gegeben: Windows 7.

Während das nächste Release langsam immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, will der eigentlich bereits aussortierte Vorläufer der aktuellen Version einfach nicht verschwinden: Windows XP. Erst vor wenigen Wochen hat Microsoft großen PC-Herstellern bis Mitte 2009 das Recht eingeräumt, PC zusätzlich zu Vista auch mit einer Version von Windows XP auszuliefern, die die Kunden dann installieren können - einem sogenannten Downgrade. Zuvor sollte diese Möglichkeit Ende Januar auslaufen.

Zurückhaltung beim Umstieg

Vor allem Unternehmenskunden halten sich mit dem Umstieg auf Vista zurück. Nach Prognosen der US-Marktforschungsfirma Gartner wird Vista Business Ende 2008 auf 13 Prozent aller PC installiert sein - Windows Vista Home auf 16 Prozent. Unternehmen seien generell konservativ bei der Einführung neuer Software. Es sei daher gut vorstellbar, dass zahlreiche Unternehmen Vista überspringen und Windows 7 als Nachfolger von XP einführen werden, sagte Gartner-Analyst Mitchell Smith.

Bislang sind über Windows 7 nur wenige Details bekannt. So gaben Ballmer und Microsoft-Gründer Bill Gates im Frühjahr einen Vorgeschmack auf die neue Version und zeigten, wie die Software den Benutzern erlauben wird, zahlreiche Funktionen über Mehrfachberührungen des Bildschirms zu steuern. Ballmer machte bei seinem Auftritt kürzlich deutlich, dass der Weg von Vista zu Windows 7 kein weiter sein wird. Und auch Analysten erwarten keine tiefgreifenden Änderungen. "Wenn man das große Bild betrachtet, wird Windows 7 kein großer Schritt sein", sagte Mitchell Smith in Bezug auf mögliche Neuerungen, die das Betriebssystem bringen wird.

Ballmer würde seinen Firmenkunden auch nicht verübeln, wenn sie auf Windows 7 warten. "Wenn Leute wirklich warten wollen, können sie das tun", sagte der Microsoft-Chef. Er würde allerdings definitiv Vista installieren.

Visat, die aktuelle Windows-Version für Privatanwender startete 2007. Kritiker beschreiben sie als wenig innovativ im Vergleich zur Vorgängerversion. Zudem ist die Software auf sehr aktuelle Hardware angewiesen. Hier eine Liste der Vorgänger-Versionen.

Die Unternehmen müssen aber womöglich gar nicht mehr allzu lange auf Windows 7 warten. Der offizielle Start wird von Beobachtern für Anfang 2010 erwartet. Spekuliert wird mittlerweile sogar schon über 2009. So heißt es auf der Website zur im November startenden Microsoft-Technikkonferenz Winhec 2008, es sei keine weitere Winhec vor der Veröffentlichung von Windows 7 geplant. Und der Chef des PC-Herstellers Asus, Jerry Shen, sagte kürzlich in einem Interview, man würde in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres Windows 7 auf Minilaptops installieren. Eine Version mit Vista sei nicht geplant. Bislang laufen auf dem Eee PC genannten Netbook das kostenfreie Betriebssystem Linux und Windows XP.

Netbooks gelten als starker Wachstumstreiber für die PC-Branche. Viele Anbieter hatten den Trend zu den Mini-Notebooks verschlafen. Asus war als erster Anbieter mit seinen Geräten erfolgreich. Mittlerweile hat praktisch die gesamte Branche nachgezogen.

Microsofts Vista ist zu umfangreich und ressourcenhungrig für die kleinen Computer - und eine abgespeckte Version des Betriebssystems gibt es nicht. Um in dem wachstumsstarken Markt nicht von dem frei verfügbaren Linux-System verdrängt zu werden, wird Microsoft vorerst bis 2010 weiter XP für die Kleincomputer verkaufen.

Mini-Notebooks mit kleinem Bildschirm und Preisen um 400 Euro sind als Zweitcomputer beliebt. Sie eignen sich vor allem für das Surfen im Internet sowie für E-Mails von unterwegs. In Europa, dem Nahen Osten sowie Afrika ist mittlerweile jeder zehnte verkaufte tragbare Computer ein Netbook.

Analysten machen für den schleppenden Übergang zu Vista auch dessen schwaches Image verantwortlich. "Es ist eine Frage der Wahrnehmung", sagte Mitchell. "Das System ist beileibe nicht so schlecht, wie die Leute denken."

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker