Windows Vista Fehler im Betriebssystem


Das gab es noch nie: Computerbesitzer verweigern sich einer technischen Neuerung. Sie lassen Windows Vista stehen und nehmen sogar lieber die Macken des Vorgängers in Kauf.
Von Carsten Görig

Wenn es nach Microsoft ginge, hätte diese Panne eigentlich niemanden mehr interessieren sollen: Kaum hatte der Software-Riese Ende vergangenen Monats das neueste Paket mit Verbesserungen und Korrekturen für das PC-Betriebssystem Windows XP freigegeben, wurde der "Service Pack 3" auch schon wieder weggesperrt. In letzter Minute hatte man einen Fehler in dem kostenlos herunterladbaren Update entdeckt, das eigentlich jede Menge Fehler hätte ausmerzen sollen.

Aber wie gesagt: Eigentlich sollte sich kaum mehr jemand für das alte Windows XP interessieren. Ursprünglich wollte Microsoft im Juni den Verkauf von XP einstellen; Fehlerbehebungen sollte es auch nicht mehr lange geben. Schließlich wurde schon Anfang 2007 der XP-Nachfolger Windows Vista mit großem Werbeaufwand eingeführt - der hätte die PC-Nutzer dieser Welt begeistern sollen. Eigentlich.

Doch so ist es nicht: Microsoft-Chef Steve Ballmer räumte kürzlich ein, dass man den Junitermin verschieben könnte, technische Unterstützung gibt es nun bis 2014. Der Grund: Windows Vista hält nicht, was es verspricht. Einfacher zu bedienen als XP sollte Vista sein, sicherer und schöner. Doch schon beim Start gab es Probleme: Viele Drucker und anderes Zubehör verweigerten die Arbeit, ältere Software funktionierte nicht. Die Verbesserungen in der Sicherheit, etwa gegen Hacker-Angriffe, führten zu einer Fülle von Nachfragen im Sekundentakt ("Wollen Sie wirklich...?"), die von vielen Benutzern entnervt abgeschaltet wurden. Zudem war Vista sehr anspruchsvoll, was die Computerleistung anging: Viele angeblich Vistatauglichen Rechner liefen extrem langsam.

Viele Vista-Anwender wollen Windows XP zurück

Auch eine im Februar veröffentlichte Nachbesserung für Vista, das "Service Pack 1", half wenig. Im Gegenteil: Neue Fehler schlichen sich ein, Geräte verweigerten immer noch den Dienst. Die Fachzeitschrift "c't" warnte gar: "Finger weg vom Service-Pack". Das wurde übrigens wegen des gleichen Fehlers wie bei dem von XP vorerst zurückgezogen.

Viele Vista-Anwender wünschen sich ihr altes Windows XP zurück. Doch die meisten PC-Besitzer sind gar nicht erst umgestiegen - vor allem Firmen, die wichtigsten Kunden für Microsoft. Obwohl das Unternehmen 140 Millionen Vista-Kopien verkauft haben will, benutzten Ende vorigen Jahres erst sechs Prozent aller Unternehmen Vista, schätzen Marktforscher. Ende dieses Jahres sollen es rund 32 Prozent sein. Dass es bei Privatanwendern mehr sind, liegt vor allem daran, dass es schwer ist, neue Rechner zu kaufen, die ohne Windows Vista ausgeliefert werden - die großen Hersteller haben entsprechende Rahmenverträge mit Microsoft.

Das Blatt wendet sich aber auch hier. Auf Druck der Kunden bieten Hersteller wie Dell oder Hewlett Packard vermehrt wieder Rechner mit Windows XP an. Die Hersteller nutzen dafür eine Lücke in den Lizenzbedingungen für Vista. Vista-Rechner können "pre-downgraded" werden, also ab Werk auf Windows XP herabgestuft. Der Hersteller tut so, als ob er einen Vista-Rechner verkauft, liefert ihn aber faktisch mit XP aus. Auch für die immer beliebter werdenden Minirechner mit wenig Leistung, etwa dem eee-PC von Asus, bietet Microsoft weiter Windows XP an, weil die Hersteller sonst auf Konkurrenzprodukte ausweichen würden.

So wird Microsoft nichts übrig bleiben, als weiterhin Sicherheits-Updates für XP anzubieten. In den nächsten Wochen soll das "Service Pack 3" wieder im Internet zum Herunterladen zur Verfügung stehen, hoffentlich ohne Fehler. Dann sollten alle Windows-Nutzer ihn tunlichst installieren, etwa über die automatische Update-Funktion von Windows. Denn nur so bleibt das in die Jahre gekommene XP auf dem neuesten und damit auch sichersten Stand.

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