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18. Mai 2010, 17:06 Uhr

Wenn das Auto in voller Fahrt gehackt wird

Ein Albtraum für jeden Autofahrer: Fremde übernehmen während voller Fahrt die Kontrolle über das Fahrzeug. Einem US-Forscherteam ist es gelungen, die Computersysteme eines Pkw zu hacken und den Wagen mit einem Laptop zu kontrollieren. Vollbremsung inklusive.

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Ein Alptraum: Hacker übernehmen in voller Fahrt die Kontrolle des Fahrzeugs© Colourbox

Moderne Autos sind fahrende Computer. Elektronische Elemente und Chips kontrollieren vielfältige Funktionen - von der Multimedianlage über die Klimautomatik bis zur Motorsteuerung und den Bremshilfen. Schon seit Jahren warnen Sicherheitsexperten davor, dass die wachsende Verbreitung von Computern in Alltagstechnik neue Angriffsfelder für Cyberkriminelle schafft. "Die Dinge werden zu schlau", sagte der russischer Computerviren-Jäger Eugene Kaspersky schon im Jahr 2006 gegenüber stern.de. Dennoch scheint es erst jetzt erstmals Hackern gelungen zu sein, in das Computersystem eines handelsüblichen PKW zu einzudringen und den Wagen während der Fahrt zu kontrollieren.

Unter der Leitung der Professoren Tadayoshi Kohno (Universität Washington, Seattle) und Stefan Savage (Universität von Kalifornien, San Diego) hat ein Forschungsteam zwei Limousinen gleicher Marke und gleichen Modells gehackt. Um welche Fahrzeuge es sich konkret handelte, wollen die Professoren nicht preisgeben. Ihre Ergebnisse seien für alle modernen Fahrzeuge gültig. Im Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichten die beiden von ihren Ergebnissen.

Jeder heutige Fahrzeugtyp hat normalerweise einen Steuercomputer, der an ein Netzwerk angeschlossen ist, das die elektronischen Steuerelemente des Autos miteinander verbindet. Über einen Diagnosestecker können Techniker - zum Beispiel in einer Werkstatt - auf Daten aus dem System zugreifen. Das Uni-Team habe, so beschreiben es Kohne und Savage, zunächst einen Laptop an diesen Stecker angeschlossen und über eine speziell entwickelte Software namens "Car Shark" zufällig Befehle an das System geschickt und die Reaktionen aufgezeichnet. So sei man bald der "Sprache" der Kontrollsysteme auf die Spur gekommen.

Schwache Schutzwälle

War diese Hürde genommen, stand einer Übernahme des Fahrzeugs offenbar nicht mehr viel im Weg. Fehlende oder mangelhaft umgesetzte Sicherheitsvorrichtungen hätten es Savage und seinem Team leicht gemacht, über ihren angeschlossenen Laptop mit dem fahrenden Wagen Unfug zu treiben. Scheibenwischer an und aus, Heizung hochdrehen, ebenso die Klimaanlage - viele Angriffe wären für den Fahrer nur nervig gewesen. Aber auch gefährliche Manipulationen klappten: eine Vollbremsung in voller Fahrt ebenso wie ein Abschalten der Bremsen.

Außerdem gelang es den Uni-Hackern offenbar, auf bestimmte elektronische Bauteile neue Programme aufzuspielen, die zum Beispiel dafür sorgten, dass ab einem Tempo von 20 Meilen pro Stunde automatisch die Scheibenwischer ihre Arbeit aufnahmen.

Für die konkreten Versuche, die auf einem leeren Flugplatz durchgeführt wurden, musste das Notebook die ganze Zeit angeschlossen im Auto sein. Böswillige Hacker könnten aber irgendwann unauffälligere Geräte entwickeln, die von außen ferngesteuert werden. Die beiden Professoren erwähnen am Rande, dass auch sie bereits drahtlos Zugriff auf einige Funktionen des Autos erlangt hätten. Viele Autos verfügen über Bluetooth und andere kabellose Datenübertragungswege.

Noch sei der gesamte Vorgang zu kompliziert, als dass andere ihn nachstellen und mit den Erkenntnissen Missbrauch treiben könnten, schreiben die Forscher. Savage sagt, die Autoindustrie ähnele mit ihrer Einstellung zu Sicherheitsproblemen der Computerindustrie zu Beginn des Internetzeitalters. "Die Autohersteller haben aus dieser Richtung nie Gegenwind bekommen, sodass sie sich nicht besonders um das Thema gekümmert haben", so Savage. Er hofft, dass seine Forschungsergebnisse früh genug kommen, sodass die Hersteller ihre Autos schützen können, bevor die ersten Attacken dieser Art außerhalb eines Experiments stattfinden.

san
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
officevoice1965 (20.05.2010, 06:32 Uhr)
Dieser Schwachsinn....
hier ist es nicht einmal wert zu Kommentieren..
insLot (19.05.2010, 14:15 Uhr)
Ja irre!
Ich fasse mal zusammen. Die haben den Motorraum geöffnet, nen Laptop angeschlossen und hatten danach Kontrolle über das Fahrzeug in dem sie selbst saßen.

Puh! Unglaublich!

Ironie aus!
DarkSpir (19.05.2010, 11:30 Uhr)
Szenarien
Hier geht es doch gar nicht um praktische Szenarien, die sich jetzt sofort umsetzen lassen. Aber mal ganz ehrlich, anstelle eines Laptops könnte ich mir auch einen Stecker für diese Diagnoseports nehmen und ein bisschen Elektronik drauf löten. Nehmt einen USB-Stick mal in die Hand und stellt euch ne Batterie dazu vor, fertig. Man muss nur wissen, was man da tut.

Und diese Experimente haben gezeigt, dass man sich dieses Wissen, was man da tun kann, problemlos selbst aneignen kann, sofern man die Motivation dazu hat.

Und klar, es wird keiner im vollen Bewusstsein jemanden in sein Auto und an den Sicherungskasten lassen... sofern er nicht vom ADAC ist und man selbst grad ne Panne hat... Stichwort Social Engineering. Oder ein Autodieb öffnet das Schloss, schließt den Diagnosestecker an und macht die Tür wieder zu. In jedem besseren Gangsterfilm gibt es eine Autobombe, die unter dem Fahrzeug pappt, wenn man weiss, was man tut, kommt man von dort aus sicherlich auch an den Datenbus ran...

Will sagen: Es läuft darauf hinaus, dass man nur wissen muss, was man tut. Und die Frage, wie einfach es ist sich dieses Wissen anzueignen. Dann braucht man nur noch jemanden mit der Motivation sich dieses Wissen anzueignen und ein Motiv dieses einzusetzen und fertig ist das Angriffsszenario. Ta-DAA!

Doll, da hat der kleine Mann ja gar nicht dran gedacht, dass sowas auch gehen kann. Unglaublich. Gehört verboten sowas. Mein Gott, es wurde uns allen nicht schaden, wenigstens ab und an mal die Welt um uns herum zu hinterfragen...
mantrid (19.05.2010, 11:13 Uhr)
Spurlos Morden
Wenn bei Tempo 200 die Bremsen ausfallen, könnte das eine interessante Möglichkeit sich von dem ungeliebten Gatten durch Tod zu scheiden oder den Mangager in den dauerhaften Ruhestand zu versetzen. Das ganze auch noch ohne Spuren, so dass "überhöhte Geschwindkeit" in Verbindung mit "Sekundenschlaf" als wahrscheinliche Todesursache gelten werden.

Auch könnte man statt einer Vollbremsung aus 100 km/h das Auto mit Vollgas beschleunigen lassen. Im Unfallbericht steht dann, dass der Fahrer in seiner Panik wohl Gas un Bremse verwechselt hat.

Das gibt Stoff für Kriminalromane!
also_ne... (19.05.2010, 10:08 Uhr)
@ staranwalt (19.05.2010, 09:40 Uhr)
Paranoia?
Nichts, was nicht auch bisher schon manipulierbar wäre...
Fahren Sie heute in die Werkstatt und es wird Ihnen der Fensterheber abgeklemmt, dann fahren Sie zur Überprüfung auch nicht in eine weitere Werkstatt...
staranwalt (19.05.2010, 09:40 Uhr)
Geldmaschine Software
tja auch die Industrie kann mit der Software so richtig Geld verdienen: mal eben einen Fensterheber für 800,- ? kaputt melden, mal den Kat für ... usw.

nicht zu vergessen die ganzen Abschleppunternehmen: mal eben den Wagen abschalten und dann gleich abschleppen!

Die goldenen Zeiten haben gerade begonnen: zahlen wir es halt, aus Freude am fahren...
tobix (19.05.2010, 08:21 Uhr)
Laaaangweilig
Ich dachte, vielleicht wurden in einem Auto das Unterhaltungsnetzwerk (bspw. Bluetooth, GSM oder WLAN) dämlicherweise mit einem sicherheitsrelevanten Bus verknüpft, und man könnte es beim nebenherfahren tatsächlich hacken.

Grundsätzlich kann man sich schon Gedanken machen, ob sich die wichtigen elektronischen Bauteile zumindest signiert unterhalten sollten. Aber dieser Artikel ist doch nur Sensationsgelabere.
AxelR. (19.05.2010, 08:13 Uhr)
böswillige Menschen...
... könnten auch ganz einfach die Bremsleitungen durchschneiden oder die Ölwanne anbohren etc.
Viel besorgniserregender ist das, was die Steuercomputer tun oder lassen, weil sie unter Umständen falsch programmiert sind. Hier entstehen Gefahren, die real sind.
Ennovon (19.05.2010, 08:06 Uhr)
So ein Unsinn
Was WDZaphod schriebt ist richtig.
Der Artikel verwundert mich auch einigermassen.
Das Protokoll ist über all frei erhältlich.
Mittlerweile sind sogar die OBD2 Adapter als BT-Ausführung zu haben.
Dann mus der "Angreifer" nur 1mal physischen Zugang zum Auto haben um den Adapter einzustecken und ab dann kann er inenrhalb des BT-Radius den Wagen "fernsteuern"
Xykon (19.05.2010, 02:05 Uhr)
der perfekte mord?
Wenn es tatsächlich stimmt, daß man die Bremsen abschalten kann... ein kleiner intelligenter Controller mit WLAN an die Motorsteuerung angeschlossen... dann einfach hinter dem "modifizierten" Fahrzeug hinterherfahren und im "passenden" Moment den Knopf drücken... könnte schwierig werden das jemandem zu Beweisen wenn man nicht grade beim "tunen" des Wagens erwischt wird :)
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