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21. Oktober 2008, 08:21 Uhr

Auf zu den Sternen

Der Schöpfer der Alltagssimulation "Die Sims" ist einer der einflussreichsten Spieledesigner der Welt. Für Will Wrights unzählige Interessen ist ein Menschenleben eigentlich zu kurz. Er erschafft komplexe, virtuelle Welten, sammelt Raumschiffteile und baut Roboter. Die Grenze zwischen Job und Hobby ist fließend. Von Nina Ernst

Der "Sims"-Erfinder Will Wright© Electronic Arts

Will Wrights Leben wirkt wie eins seiner Computerspiele. Besitzer der Alltagssimulation "Die Sims" kennen das Dilemma: lesen, Leute treffen, Sterne beobachten und dann auch noch der Haushalt - für all das ist ein Tag zu kurz. Während die Spieler des erfolgreichsten PC-Games aller Zeiten ständig für ihre Sims die Prioritäten abwägen, tickt unaufhörlich die virtuelle Uhr. Obwohl bei Will Wright nicht wie in seinem Spiel der Tratsch mit dem Nachbarn und das Lesen von Kochbüchern im Mittelpunkt stehen, steht er vor einem ähnlichen Problem. Der Designer hat so viele Interessen, dass er sich unmöglich allen gleichzeitig widmen kann. Einen "Jongleursakt" nennt er selber die Aufteilung seiner Zeit für all die wissenschaftliche Fachliteratur, seine Sammlung von echten Raumschiffteilen und das Bauen von Robotern.

In der Computerbranche wimmelt es von eigenwilligen Charakteren. Trotzdem gilt Will Wright selbst hier als Genie und als Nerd. Als Computer- und Technikfreak, der völlig in diese Welt eintauchen kann. Was bei anderen ein Gähnen verursacht, versetzt ihn in Begeisterung. Für ihn ist das Entwerfen virtueller Lebenskreisläufe so faszinierend wie für andere die Probefahrt im neuen Porsche. Eher eine Passion als nur ein Job.

Aneignen von Wissen

Wrights große Leidenschaft ist das Aneignen von Wissen. Egal ob Biologie, Soziologie oder Weltraumforschung: Wright liest Berge von Fachliteratur. Bei wissenschaftlichen Themen blüht der sonst eher zurückhaltende Amerikaner richtig auf. Es wirkt, als wolle er alles wissen, alles verstehen, was auf dieser Welt geschieht.

Der Entwickler liest nicht nur für seine Arbeit. Es macht ihm Spaß, immer weiter in ein Thema einzutauchen, so abstrakt die Materie auch auf den ersten Blick sein mag. Trotzdem fließen viele der Informationen in seine Arbeit ein. "Ich bin ständig dabei, etwas zu recherchieren. Für Projekte oder einfach über Themen, die mich interessieren. Es ist spannend, wenn all die Informationen ineinander greifen", sagt Wright. Denn zwischen Hobby und Job kann er nur schwer eine Grenze ziehen. Wie bei seiner letzten Veröffentlichung, der Evolutionssimulation "Spore". Dort konnte Wright die Theorien über die Entstehung des Lebens und viele Aspekte der Weltraumforschung einbringen.

Durch seine vielseitigen Interessen hat Wright in einem Jahr mehr Ideen als andere Menschen in ihrem ganzen Leben. So wirken seine Spiele ganz anders als die meisten Games. Hier kann der Spieler keine Punkte sammeln, es gibt keine Levels, keine vorgegebene Handlung und noch nicht einmal ein richtiges Ende. Wrights Spiele sind simulierte Welten, in größtenteils der Spieler selbst das Geschehen bestimmt. Das Computerprogramm reagiert nur darauf.

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