Die Telekom lenkt doch nur ab!

12. Juni 2013, 17:23 Uhr

Die Telekom entschärft ihre umstrittene DSL-Drosselung und erhöht die Bandbreite. Das ist nett - doch das eigentliche Übel, die Verletzung der Netzneutralität, bleibt unangetastet. Ein Kommentar von Christoph Fröhlich

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Die Telekom erhöht die Bandbreite für Kunden, die ab dem Jahr 2016 ihr DSL-Datenvolumen aufgebraucht haben, auf 2 Mbit. Die Frage der Verletzung der Netzneutralität bleibt ungeklärt©

Es wird gemotzt und gemosert, verspottet und gehetzt: Seit knapp zwei Monaten zieht das Netz über die Telekom, die nur noch Drosselkom genannt wird, her. Quasi über Nacht wurde der magentafarbene Telefonriese wegen seiner geplanten DSL-Drosselung zum Buhmann der Nation. Es ist ein in Deutschland beispielloser Shitstorm, der nun scheinbar selbst die Mächtigsten in die Knie gezwungen hat: Die Telekom hat mitgeteilt, dass ihre Drosselung nicht mehr so drastisch ausfallen wird.

Statt 384 Kbit/s gibt es zukünftig zwei Megabit#, wenn das Datenvolumen aufgebraucht ist. Aktuell liegt das bei 75 Gigabyte im kleinsten Vertrag. Das Streamen von HD-Filmen oder das Herunterladen von Videospielen bleibt damit zwar eine Tortur. Doch der Speed reicht, um sich halbwegs vernünftig durchs Netz zu bewegen. Das Entgegenkommen soll gönnerhaft wirken, in ihrer Erklärung betont die Telekom: "Dieser Wert von 2 Mbit ist doppelt so groß wie der Mindestrichtwert aus der Breitbandstrategie der Bundesregierung." Ein Grund zum Jubeln? Mitnichten, es ist nur ein billiges Ablenkungsmanöver. Das eigentliche Übel bleibt völlig unangetastet.

Manche Datenpakete sind gleicher als gleich

Der Brandherd, der das Image der Telekom irreparabel beschädigte, entzündete sich nicht nur an der mickrigen Bandbreite, die Vielsurfern in Aussicht gestellt wurde. Die weit größere Diskussion entspinnte sich um die Netzneutralität, die die Telekom in ihren Plänen mit Füßen tritt. Die besagt: Jedes Datenpaket ist gleich.

Doch Angebote der Deutschen Telekom, wie das IPTV-Paket Entertain, bleiben bei der Datenzählung außen vor. Das heißt, sie werden nicht in das knapp kalkulierte Datenkontingent einbezogen. Das ist in mehrfacher Hinsicht heikel. Die Telekom schadet mit der Bevorzugung von eigenen und Partner-Diensten nicht nur dem Markt, sondern auch dem User, der in seiner Wahl eingeschränkt wird. Nimmt man lieber den hipperen Dienst mit der größeren Auswahl an HD-Filmen oder den, bei dem der Fernseher den ganzen Tag laufen kann, ohne dass der Datenmesser mitzählt? Beide Möglichkeiten sind nicht zufriedenstellend.

Denn es geht um die Netzneutralität. Sie ist ein wichtiges Gut und prägt die Freiheit des Internets. EU-Kommissarin Neelie Kroes forderte erst vergangene Woche, dass sie um jeden Preis per Gesetz geschützt werden muss. Die Telekom hat die Forderung zur Kenntnis genommen, passiert ist nichts. Im Gegenteil. Der Konzern werkelt munter weiter am Zwei-Klassen-Netz: Nur Anbieter, die mit der Telekom kooperieren - und extra zahlen -, dürfen auf der Datenautobahn auf der Überholspur fahren. Daran ändert auch das Drosseln der Drosselung nichts.

"Wir diskriminieren nicht"

Es bleibt unfair, wenn ein Dienst schneller durch die Leitung darf als ein anderer. Auch wenn die Telekom beteuert, sie wolle nicht diskriminieren, sondern das Internet für die Partner besser und schneller machen. Zudem sollen nur die User, die deutlich mehr Bandbreite als andere verbrauchen, auch mehr zahlen. Doch das Argument des teuren Traffics ist ein Witz: Ein Gigabyte, so hat es der Chef des Routerherstellers Viprinet ausgerechnet, kostet die Telekom weniger als einen Cent. Dass der Internetanbieter deshalb mit einer Erhöhung des Drossel-Speeds nachgibt, dürfte sich in der Jahresbilanz kaum niederschlagen.

Tatsächlich geht es der Telekom wohl nach wie vor hauptsächlich darum, datenhungrige Dienste als Partner zu gewinnen. Das wäre für den Konzern die Win-Win-Situation: Entweder verdient die Telekom an den Diensten, die für die feie Fahrt im Netz zahlen müssen - oder am Kunden, der für mehr Datenvolumen blecht.

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