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30. April 2007, 11:50 Uhr

Destilliert ins Netz

Wie kann man aus alten Serien noch ein bisschen mehr Geld quetschen als durch die x-te Wiederholung in der Glotze? Die TV-Sparte des Sony-Konzerns wagt Neues: Die Folgen werden im Netz veröffentlicht - allerdings radikal zusammengeschnitten. Von Ralf Sander

"Charlies Engel" - im Internet bald auf das Wesentliche reduziert© Cinetext

Was steckt eigentlich in einer Folge von alten Serienklassikern wie "Drei Engel für Charlie", "Starsky & Hutch" oder der William-Shatner-Polizeiserie "TJ Hooker"? Ziemlich genau fünf Minuten Spaß. Das meint zumindest Sony Pictures Television. Die Fernsehabteilung des Sonykonzerns sitzt wie viele andere Produktionsfirmen und TV-Anstalten auf Tausenden alter Serien und Shows, die im regulären Fernsehen bereits totgesendet wurden. Wie die "New York Times" berichtet, hat Sony nun Kleines vor mit dem alten Stoff. Die Episoden sollen im Internet veröffentlicht werden. Das ist an sich nichts Neues, mit dieser Verwertungsstrategie experimentieren verschiedene Medienkonzerne. Aber: Wenn Sony im Juni sein so genanntes "Minisode Network" startet, zunächst über Myspace, werden die veröffentlichten Folgen nur eine Länge von ungefähr fünf Minuten haben. Diese Kurzversionen bestehen nicht aus einem Ausschnitt der Sendung, sondern aus einem Destillat. Die Geschichten werden einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende haben und eine extrem verdichtete Version der jeweiligen Episodenhandlung bieten.

Steve Molko, der Präsident von Sony Television, erklärt der "New York Times" das Prinzip am Beispiel von "Drei Engel für Charlie": "Am Anfang einer jeden Folge treffen sich die Engel und bekommen von Charlie einen Auftrag. Dann gibt's einige Kämpfe, es folgt eine Verfolgungsjagd und der Böse wird geschnappt." Nach dieser Formel ist jede Folge aufgebaut, und auf genau diese Elemente werden die Kurzversionen reduziert. "Das ist sehr banal und sehr lustig", meint Molko, "es bringt neues Leben in die Shows, die schon seit einiger Zeit im Regal verstauben."

Das Netz als Ideengeber

Die Idee sei Molko und Vertriebschef John Weiser gekommen, weil kurze Ausschnitte von TV-Sendungen auf Videoportalen ein großes Publikum finden. Weiteres Wasser auf die Mühlen war eine Sieben-Minuten-Version von "Die Sopranos", die im März auf Youtube auftauchte. Die hoch gelobte Mafia-Serie des Fernsehsender HBO ist 77 Stunden lang. Molko gegenüber der "New York Times": "Wir nehmen klassische Sendungen, und anstatt sie einfach in die digitale Welt zu schubsen, schauen wir uns vorher an, was der Konsument möchte."

Auch vor anderen Sendeformaten will Sony nicht halt machen. Von der Trash-Talkshow "Ricki Lake" seien bereits "Minisodes" (Kunstwort aus "mini episodes") geschnitten worden. Schließlich seien diese Sendungen genauso formelhaft wie die meisten TV-Serien. Molko: "Die Leute werden vorgestellt, es gibt einen riesigen Streit, und am Ende liegen sich alle in den Armen. Und alles in fünf Minuten"

Von Ralf Sander
 
 
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