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7. Februar 2008, 10:20 Uhr

Aufstand auf dem virtuellen Marktplatz

Nach der Ankündigung, dass Ebay-Verkäufer künftig Käufer nicht mehr negativ bewerten dürfen, herrscht weiter Aufruhr unter den Nutzern der Auktionsplattform. Sie suchen nach einer wirksamen Form des Protests. Denn Ebay gibt sich gelassen.

© Paul Sakuma/AP

Mit seinem neuen Bewertungssystem könnte Ebay die Büchse der Pandora geöffnet haben. Zahlreiche Verkäufer laufen Sturm, weil sie Käufern künftig nur noch gute Zeugnisse ausstellen dürfen. Viele wollen dem Online-Auktionshaus nun den Rücken kehren, drohen mit Klagen und rufen zu einem einwöchigen Ebay-Streik ab dem 18. Februar auf. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der der weltgrößte Internetversteigerer angesichts der starken Konkurrenz von Amazon und Co. an die Grenzen seines Wachstums stößt. Zuletzt ging sogar die Zahl der Auktionen zurück. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Ebay-Verkäufer den Aufstand proben - und bislang waren sie erfolglos.

Das bisherige System, in dem Käufer und Verkäufer sich nach einer Auktion gegenseitig bewerten, ist ein zentraler Bestandteil von Ebay. Ohne einen derartigen Reputationsmechanismus - da sind sich Wissenschaftler einig - würde ein anonymer Online-Marktplatz nicht funktionieren. Das System sei jedoch nicht mehr transparent und glaubwürdig gewesen, sagt Marcella Illgen von Ebay Deutschland. In letzter Zeit hätten immer mehr Verkäufer aus "Rache" für eine negative Bewertung auch ihren Kunden schlechte Noten gegeben. Das habe Käufer davon abgehalten, Verkäufer wirklich ehrlich zu bewerten.

"Feedback sollte beiderseitig sein"

Verkäufer rund um den Globus sehen das anders. "Die Käufer können jeden Verkäufer meiden, der nicht zu 99 Prozent positiv beurteilt wurde. Aber der Verkäufer darf keinerlei negative Bewertung über Käufer abgeben? Das ist ja wirklich gerecht!", schreibt ein anonymer Verkäufer auf der Ebay-Seite in den USA, wo die neuen Regeln ab dem 20. Februar gelten. "Ein Feedback sollte beiderseitig sein. Wie sonst sollen andere Verkäufer wissen, ob sie an einen Betrüger geraten sind", beschwert sich ein anderer. "Entweder verlässt man diesen mieserablen Ort oder man streikt. Aber ein Streik würde Ebay nicht besser machen. Also ist es wohl das Beste, zu gehen", beschließt der nächste.

Heftige Reaktionen gewöhnt

Bei dem Konzern im kalifornischen San Jose ist man heftige Reaktionen gewöhnt. "Ebay hatte immer eine leidenschaftliche Internet-Gemeinde, und unsere Mitglieder zögern nicht, uns zu sagen, wo ihnen der Schuh drückt", heißt es bei Ebay in den USA. "Wenn unsere Online-Gemeinde nicht lautstark auf die angekündigten Änderungen reagiert hätte, wäre das eine wirkliche Überraschung gewesen - und etwas, worüber wir uns große Sorgen gemacht hätten."

"Allen wird man nie gerecht", sagt auch Deutschland-Sprecherin Illgen. "Uns allen ist bewusst, das dies eine große Veränderung ist", räumt Patrick Boos, Geschäftsführer des Bereiches Auktionen bei Ebay Deutschland ein. Natürlich müssten auch Verkäufer vor Kunden geschützt werden, die nicht zahlen oder das Bewertungssystem missbrauchen, etwa indem sie dem Verkäufer mit einer schlechten Bewertung drohen, damit dieser den Preis senkt. Die Verkäufer könnten sich in solchen Fällen weiter direkt an Ebay wenden. "Die schreiten da ein", verspricht Illgen. Details zu den neuen Regeln und ab wann sie in Deutschland gelten, will Ebay am kommenden Montag bekanntgeben.

Streiks bisher erfolglos

Die Verkäufer kann das nicht beruhigen, zumal Ebay gleichzeitig zwar die Gebühren für das Einstellen von Artikeln senken, dafür aber mehr vom Verkaufserlös abzweigen will. "Wir Verkäufer haben endgültig genug. Man kann einen Hund lange schlagen, aber irgendwann beißt er zurück", schimpft Verkäufer Jan. Auch wenn sich Tausende lautstark beschweren: Eine wirksame Gegenstrategie haben sie nicht. Ebay-Verkäufer haben in der Vergangenheit einige Streiks geplant wie 2003 gegen die Gebührenerhöhung in Frankreich oder gegen schlechten Service 2004 in Spanien. Bewirkt haben sie am Ende nie etwas. Und auch wenn es einige Alternativen zu Ebay gibt: Das Auktionshaus bleibt die größte, und damit erfolgversprechendste Plattform für Internetverkäufer.

Katharina Becker/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
Clemens1964 (09.02.2008, 16:17 Uhr)
sicher ist,
dass ebay diese ignoranz irgendwann bereuen wird. verkäufer, die sich (gezwungenermaßen) alternativen suchen mussten, kommen bestimmt nicht wieder. vielleicht ist es diese, vielleicht auch die nächste zumutung - aber eines tages erfolgt ein erdrutsch. wenn die verkäufer auf ihre zahlen gucken und feststellen: das hat keinen sinn mehr...
Known (08.02.2008, 19:34 Uhr)
@deinemama
eine neutrale bewertung interessiert keinen. negative werden gezählt und die habene influss auf deine "bewertungspunkte" neutrale fallen da weg (auch mit 50 neutral und 2 positiv hat du 100% positiv)
deinemama (08.02.2008, 13:03 Uhr)
Neutral als neues Negativ
Ich frage mich nach wie vor, wo der eigentliche Sinn der Sache ist?
Mich deucht, Ebay möchte einfach nur mal wieder ein bisschen "Publicity".
Ich meine, es gibt ja (oder nicht?) noch die Möglichkeit, den Käufer neutral zu benoten - das Neutral erfährt dann also demnächst eine Bedeutungsverschiebung in Richtung "das neue Negativ". In den Bewertungsprofilen kann man zudem sehen, ob das "Neutral" von Käufern oder Verkäufern kam, und sich dementsprechend sein Urteil bilden.
Von daher: es ist und bleibt eine völlig sinnlose Aktion. Ein Witz, ein schlechter obendrein.
Würde man "konsequent" im Verkäufer-Piesacken sein wollen, hätte man ihnen die Bewertungsmöglichkeiten komplett nehmen müssen. (Hier spielt dann auch das mehrfach gelesene Argument rein, dass jenseits von Ebay ja auch nicht seitens des Verkäufers bewertet werden kann...).
Hätte man sich ernsthaft Fairness und die Vermeidung von Rachebewertungen als Ziel gesetzt, hätte man die Bewertungen einfach erst dann für die Gegenseite und die restliche Welt angezeigt, nachdem beide Parteien bewertet haben.
Aber so? Reine Augenwischerei. Pseudo-Käuferschutz und Schikane für Privatverkäufer und seriöse Händler. Dass es den nervigen und unseriösen Schrott-Powersellern wirklich etwas ausmacht, bezweifle ich sehr. Die finden schon ihre Mittel und Wege, die Weste reinzuhalten, und geben dann eben weiter ihr Rache-Neutral. Und damit wären wir wieder beim oberen Absatz...
guinness.1 (08.02.2008, 12:16 Uhr)
Keine Bewertung mehr für Käufer
Anregung an die Verkäufer :
vielleicht könnte man ja Druck auf ebay ausüben, indem man als Verkäufer überhaupt keine Käufer mehr bewertet?
Die Käufer könnte man mit einer entsprechenden eMail um Verständnis bitten bzw.informieren, daß sie sich über den Link in der eMail bei ebay darüber beschweren können, daß die Bewertung durch Verkäufer nicht mehr erfolgt ALS FOLGE DER GEÄNDERTEN BEWERTUNGSMODALITÄTEN, und in dieser Beschwerde sollte dann jeder Käufer Ebay auffordern, diesen Blödsinn zurückzunehmen.
Ich als Käufer würde mich sofort solidarisch an dieser Aktion beteiligen und ich denke, jede Menge anderer Käufer (ausgenommen die Ausserirdischen) würden genauso denken. Wenn Ebay über Wochen derart zugeschüttet wird mit Käuferbeschwerden und die Server heißlaufen, könnte ich mir schon vorstellen, daß das Wirkung zeigt.
Clemens1964 (08.02.2008, 07:09 Uhr)
@carat
genau richtig! käufer sind oft völlig irrational und leichtfertig. kostenloser versand?!, hmm, aber die volle punktzahl möchte ich irgendwie doch nicht geben...
carat (08.02.2008, 02:44 Uhr)
Gerechte Käuferbewertungen ?
Natürlich hat jeder Käufer auch jetzt schon die Möglichkeit den Verkäufer über die "Detaillierte Verkäuferbewertung" zu bewerten, ohne das der Verkäufer die Bewertung einem Käufer zuordnen kann.
Wie gerecht Käufer die Verkäufer bewerten möchte ich an meinen ca. 200 detaillierten Bewertungen erklären:
Artikel wie beschrieben: 4,8
Kommunikation: 4,9
Versandzeit: 4,9
Versand- und Verpackungsgebühren 4,5
.
Note 4,5 bei den Versand- und Verpackungsgebühren heißt, jeder 2. Käufer hat meine Versandgebühren als zu hoch empfunden.
Der Witz ist nur, ich verkaufe ich nur mit KOSTENLOSEM VERSAND.
Also Euro 0,00 ist 50% der Käufer zu hoch!
.
Meine Versandzeitbewertung von 4,9 kommt übrigens dadurch zustande, weil ich die Artikel meistens bereits vor Zahlungseingang abschicke, solange mir der Käufer durch seine Bewertungen vertrauenswürdig erscheint. Natürlich wäre das in Zukunft auch nicht mehr möglich.
.
Fazit:
Betrügeriche eBay-Verkäufer wird das neue Bewertungssystem auch nicht abhalten, die können nach wie vor 20 Accounts anmelden und sich selber mit Bewertungen hochschaukeln, bevor sie auf einem Account abkassieren. Leiden werden aber die ehrlichen Verkäufer und letztlich auch die ehrlichen Käufer. Nicht alles was auf den ersten Blick verbraucherfreundlich erscheint ist es auch letztlich.
elllen (07.02.2008, 23:13 Uhr)
Was bringt es denn wirklich, den Käufer zu bewerten?
Die vom Stern gebrachten Ami-Zitate sind etwas peinlich. Als könnten Verkäufer sich die Käufer aussuchen - können sie eh nicht. Der Käufer kann sich aber den Verkäufer aussuchen und so macht die vorgestellte neue Bewertungsstrategie durchaus Sinn. Bezahlt ein Käufer nicht, wird doch auch die Ware nicht versendet, wird der Gebotsbetrag wieder gut geschrieben und der Käufer wird von ebay verwarnt. Klar, Ärger kann es immer mal geben, aber den haben die Käufer mit den Verkäufern auch und können es sich im Moment nicht mal leisten, eine ehrliche negative Bewertung abzugeben ohne - ungerechtfertigterweise - einen ebensolche zu erhalten. Von Verkäufern, die die selbst aufgestelle Regel leben, dass der Käufer zuerst bewerten MUSS. Diese Praktik ekelt mich schon lange. Was soll den Verkäufern bloß passieren mit der Änderung bei ebay? Was? Es wird endlich faire Verkäufer-Bewertungen geben. Und die machen ebay für Käufer interessant. Die möglicherweise insgesamt in der Tat etwas negativer ausfallen wird. Weil sich jetzt doch keiner mehr traut eine ehrliche Bewertung abzugeben. Also dann nicht, wenn sie neutral oder negativ ausfällen müsste. Aber das trifft dann alle gleichmäßig, und eben die, die wirklich schlechte Ware liefern oder sonst nicht fair handeln umso mehr. Wovor habt ihr Angst? Was ist das wirkliche Problem? Gebt ihr dem Käufer eine negative Bewertung, kann er trotzdem woanders bieten. Die Käuferbewertungen sind relativ unwichtig im ebay Alltag. Die Verkäufer haben sich durch die Erpressung von positiven Bewertungen selbst eingebrockt, was jetzt passiert. Aus keinem anderen Grund wird das geändert!! Weil sich Verkäufer nicht fair verhalten haben und ihre eigenen Regeln machen wollen. Ich erinnere mich an Zeiten, als es in Deutschland plötzlich Mode wurde, die ebay-Gebühren an den Käufer abzuwelzen - auch hier musste ebay eingreifen. Warum brauchen Verkäufer eine künstliche weiße Weste. Wenn die Bewertungen in Zukunft alle ein wenig schlechter ausfallen, eben nicht 99,9 % sondern 91,3 % wo ist das Problem? Es betrifft alle gleichermaßen, in Relation zur Anzahl der Verkäufe. Warum braucht man 100 %, wenn sie doch nicht real sind? Ich habe hier in all den Kommentaren noch nicht ein Argument gelsen, was aufzeigt, welche Probleme entstehen, außer dem Punkt, dass man es nicht will, weil man dann einige negative Bewertungen mehr bekommt. Versichert versenden muss ein gewerblicher Käufer sowieso, da er das Versandrisiko trägt, er kann also nachweisen, ob die Ware eingetroffen ist oder nicht (oder er nimmt den Verlust in Kauf). Und die Bewertung der Ware, genau dafür ist das Bewertungssystem gemacht. Auch das umlegen des Warenwertes auf den Portobetrag ist etwas, dass letztlich nicht korrekt ist und wenn sich hier ein Verkäufer über einen scheinbaren Portoaufschlag von mehreren hundert Prozent beklagt, muss der Verkäufer das schlucken. Immerhin gewinnt er somit Geld und handelt auch nicht fair. Ob nun ein Käufer früh zahlt oder spät, seine evtl. negative Bewertung hat letztlich keine Auswirkung auf seine weiteren Käufe. Es sei denn er hat sehr wenige und dann nur negative Bewertungen. Hierfür wäre sicherlich eine Art von Filtersystem bei ebay notwendig. Z.B. Eine Meldung/Verwarnung bei verspäteter Bezahlung. PS: ich habe durchaus auch einige Erfahrung als Verkäufer aber kein Problem mit der Auktion entsprechender Bewertung. Ich pfeife auf 99,9 % selbst wenn ich sie jetzt habe.
@ sir.california: solche Leute schaltest Du mit einer berechtigten negativen Bewertung aber nicht aus. Und wenn ein Verkäufer die Ware nicht sendet, weil er die Bewertung liest, bekommt der die gleiche Mail. Die Bewertung schützt doch keinen... Oder? Meine beste negativ Verkäufer-Bewertung (von einem Anfänger) war: "Alles gut" + negativ! ;-))
Clemens1964 (07.02.2008, 20:54 Uhr)
@Krakatoa41
zitat 2: "Ich kann nur allen betroffenen Händlern raten, wenn Ihr Reklamationsfreien Handel sucht, mit Kunden die nur zahlen, immer zufrieden sind, niemals murren, nie etwas zurück geben wollen, nie irgend welchen Stress machen, dann fliegt zum Mond,woanders wird das nicht klappen." nee danke, ich will die telefonnummer von ihrem dealer leiber doch nicht haben. zu krass, das zeug, danke.
Clemens1964 (07.02.2008, 20:45 Uhr)
@Krakatoa41
zitat: "...wenn die schwarzen Schafe unter den Verkäufern jetzt endlich den Marktplatz Ebay verlassen um Ihr "Glück" woanders zu versuchen, was wird da wohl passieren, ich könnte mir vorstellen, das dann viele verärgerte Käufer wieder gern bei Ebay kaufen, sehr zur Freude von all den unzähligen, ordentlichen Verkäufern" - hahahahaha! sie sind ja komplett von allen guten geistern verlassen. geben sie mir die telefonummer von ihrem dealer? BITTE!!!!
Clemens1964 (07.02.2008, 20:42 Uhr)
@Krakatoa41
ich nehme auch an, dass die direkt oder indirekt für ebay arbeiten; das passt zur politik dieses drecksladens. @sir.california - schicke story ;-))) mein highligt ist ein kunde aus passau, der mich ohne kontaktaufnahme negativ bewertet hat, weil ein sakko statt zwei mal 4 nur zweimal 3 ärmelknöpfe hatte. auf genau diesen scheiß können wir uns in zukunft freuen! juhuuuuu!
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