Mit den Erlösen bei Ebay ist es wie mit dem Gehalt: Es bleibt nie so viel übrig, wie ursprünglich auf dem Zettel stand. Auktionen bringen Geld, kosten aber auch Gebühren und Provisionen. Doch wer die
richtigen Tricks kennt, kann seine Kosten
spürbar senken. Von Christoph Henn
Dumm gelaufen: Peter wollte die
alte Mikrowelle zu Geld machen
und so ein nettes Abendessen zu
zweit finanzieren. Also stellte er das Gerät
bei Ebay ein: anschaulich mit acht Bildern
und hübschem Auktionsdesign, auffällig
mit großem Galeriebild, Rahmen und
Untertitel, zum Startpreis von 25 Euro,
zahlbar per Paypal. Erst in letzter Sekunde
schlug ein Bieter zu und erwarb die
Mikrowelle für 25 Euro.
Gefunden in der Frühlingsausgabe 2009 des "Ebay-Magazin"
Noch mehr als
der niedrige Endpreis wurmten Peter die
hohen Abzüge: Nach Angebotsgebühr,
Zusatzoptionen, Provision und Paypal-
Gebühr (inklusive Versandkosten) blieben
von den 25 Euro etwas mehr als 15 Euro
übrig - zu wenig für einen netten Restaurantbesuch.
Den hätte Peter sich eher
leisten können, wenn er beim Verkaufen
ökonomischer vorgegangen wäre. Mindestens
sieben Euro - und damit der Großteil
seiner Verkaufsausgaben - waren vermeidbar. Auch wenn Peter ein Extremfall
ist: Im Verlauf eines Ebay-Geschäfts lauern
so viele Kostenfallen, dass fast jeder
Verkäufer mehr rausholen könnte.
Man kennt das Prinzip seit jeher von den
Kleinanzeigen in Tageszeitungen: Wer ein
Inserat platziert, muss vorher dafür zahlen
- egal, ob dann ein Kaufinteressent
reagiert oder nicht. Bei Ebay heißt dieses
Prinzip Angebotsgebühr. Diese kann,
je nach Startpreis, bis zu 4,80 Euro betragen.
Seit einiger Zeit können
Privatverkäufer den Einstell-Obolus
komplett vermeiden: Für private Auktionen,
die bei einem Euro starten, erlässt
Ebay die reguläre Gebühr von 25 Cent
und gibt außerdem das Galeriebild gratis
dazu, das sonst 75 Cent kostet.
Startpreis/Festpreis Angebotsgebühr
1,00 Euro Regulär: 0,25 Euro (0-Cent-Auktion: kostenlos)
1,01 – 1,99 Euro 0,25 Euro
2,00 – 9,99 Euro 0,45 Euro
10,00 – 24,99 Euro 0,80 Euro
25,00 – 99,99 Euro 1,60 Euro
100,00 – 249,99 Euro 3,20 Euro
250,00 Euro und höher 4,80 Euro
Natürlich gibt es Fälle,
in denen sich die 0-Cent-Auktion nicht
empfiehlt. Wer etwa hundertprozentig
sichergehen will, dass seine Ware einen
bestimmten Erlös bringt, muss den Startpreis
entsprechend hochsetzen - oder
gleich einen Festpreis wählen. In beiden
Fällen lässt sich jedoch Geld sparen, indem
man auf die Staffelung der Angebotsgebühren
Rücksicht nimmt: Wer seinen
Artikel zum Start- oder Festpreis von
100 Euro einstellt, zahlt doppelt so viel,
wie wenn er 99,99 Euro verlangt.
Ob man sich für ein Festpreisangebot
oder eine Auktion entscheidet, macht für
Privatverkäufer im Prinzip keinen Preisunterschied.
Allerdings kann man mit
Auktionen einen Preis erzielen, der weit
über der Startsumme liegt - und damit
billiger wegkommen, als wenn man den
Auktionsendpreis als Festpreis gesetzt
hätte. Andererseits bietet das Festpreis-
Format den Vorteil, dass man die Funktion
"Preis vorschlagen" kostenlos hinzuwählen
kann. Damit lässt sich das Risiko mindern, das jedes höherpreisige Angebot
mit sich bringt: dass die Ware nicht verkauft
wird und man die Gebühr erst mal
umsonst zahlen muss. Eine weitere Kombinationsmöglichkeit
ist die Verbindung
von Auktion und Sofortkauf-Option. Das
kostet - je nach Höhe des Sofortkaufpreises
- zwischen 9 und 99 Cent extra
und birgt ein Kostenrisiko: Sobald das
erste Gebot abgegeben wurde, verschwindet
der bezahlte Sofortpreis.
Wer das gleiche Produkt
mehrfach anbieten will, kann auf zweierlei
Arten Geld sparen - solange er nicht
ohnehin die kostenlose 0-Cent-Auktion
nutzt. Für Festpreisangebote empfiehlt
sich die Möglichkeit, mehrere Artikel auf
einmal einzustellen. Wenn man etwa vier
wertvolle alte Gläser zum Festpreis von
je 50 Euro verkaufen will, zahlt man für vier Angebote 6,40 Euro; werden die
Gläser hingegen in einem Multi-Angebot
gebündelt - wo sie immer noch einzeln
gekauft werden können -, dann kostet
das nur 2,30 Euro. Wer die vier Gläser versteigern will
und etwa einen Startpreis von je 30 Euro
für angemessen hält, sollte erst einmal
nur eine Auktion einstellen. Erreicht die
Auktion einen zufriedenstellenden Endpreis,
kann man nämlich mit einem Mausklick
auch dem Zweit- und vielleicht
sogar dem Dritt- und Viertbietenden ein
Glas anbieten - und sich so bis zu dreimal
die Angebotsgebühr sparen, in unserem
Beispiel wären das 4,80 Euro.
Wenn Sie sich sicher sind,
dass Ihre Ware auch im Ausland Käufer
findet, können Sie bei ebay.de einstellen
und zusätzlich internationalen Versand
anbieten. Um Gebühren zu sparen, können
Sie Ihren Artikel aber auch direkt im
Ausland handeln, das geht mit einem
deutschen Ebay-Account: Ein Sofortkauf-
Angebot für 149 Euro kostet etwa bei
ebay.de 3,20 Euro Einstellgebühren und
8,95 Euro Verkaufsprovision, also insgesamt
12,15 Euro. Bei ebay.com werden
für dasselbe Angebot nur 1,50 Euro Einstellgebühr
und rund 6,21 Euro Provision
fällig, also insgesamt 7,71 Euro. Noch
lohnender kann der Handel über ausländische
Ebay-Plattformen sein, wenn
man von den regionalen Sonderaktionen
(zeitlich begrenzte Rabatte bei Einstellgebühren
und Verkaufsprovisionen)
profitiert. Ein Überblick über anstehende
Spartermine findet sich etwa auf
www.onlinemarktplatz.de - allerdings sollte
man vor dem Einstellen immer das
Kleingedruckte lesen, denn Marktplätze
wie ebay.fr bieten Sonderkonditionen
inzwischen nur noch Mitgliedern aus
dem eigenen Land an.
Standardmäßig ist bei Ebay nur
das erste Bild kostenlos. Wer als Privatverkäufer
die 0-Cent-Auktion wählt,
erhält das in der Trefferliste angezeigte
Galeriebild hinzu, das regulär 75 Cent
kostet. Innerhalb der Auktion berechnet
Ebay ab dem zweiten Bild 15 Cent
pro Foto. Diese Kosten lassen sich reduzieren
oder ganz vermeiden: Wer einen
eigenen Server hat, kann seine Artikelfotos
dort ablegen und sie in die Auktion
einbinden. Dafür muss man im Verkaufsformular
auf "Bilder hinzufügen"
klicken und dann unter "Eigener Bilderservice"
die Links zu den Bildern einfügen.
Als Alternative zum eigenen Server
bieten sich kostenlose Bilderdienste wie www.bayfi x.com, www.bildmonitor.de,
www.flickr.com und www.inice.de an.
Ebay bietet verschiedene Optionen
an, durch die sich ein Angebot
innerhalb der Trefferliste von den Konkurrenten
abhebt: Die Möglichkeiten
reichen vom Untertitel (50 Cent) über
die Umrahmung (1,80 Euro) oder farbige
Unterlegung der Artikelbezeichnung
("Highlight", 1,80 Euro) bis hin zur Darstellung
der Angebotsbezeichnung in
Fettschrift (1,10 Euro). Letztere Option
lebt davon, dass das Schriftbild heraussticht
- ein Effekt, der sich so ähnlich
auch völlig kostenlos erreichen lässt:
Schreiben Sie die Artikelbezeichnung
einfach in Großbuchstaben.
Wann eine Auktion endet, kann sich beträchtlich auf das
Ergebnis auswirken: Dass mehrere Kaufwillige
den Preis in einer Gebotsschlacht
kurz vor Schluss hochtreiben, ist dienstagabends
deutlich wahrscheinlicher als
sonntags in aller Frühe. Wer aber will,
dass seine Auktion am Dienstagabend
ausläuft, muss sie (bei siebentägiger Dauer)
auch am Dienstagabend einstellen -
oder Geld ausgeben. 10 Cent pro Auktion
verlangt Ebay für die Startzeitplanung.
Nur die Hälfte ist zu berappen, wenn
man über das kostenlose Programm
Etope Lister einstellt und die Startzeitplanung
dazubucht. Komplett gebührenfrei ist die Terminplanung
beim Einstell-Tool Supreme
Auction, das in der Basis-Version auch
gratis ist.
Mit Verkaufsprogrammen ist
es leicht, gut aussehende Auktionen zu
erstellen - und dabei Geld zu sparen.
Denn während über das Ebay-Verkaufsformular
20 Cent fällig werden, wenn
man sein Angebot in eine Themengrafik
wie "Aquarium" oder "Yoga" kleiden
möchte, ist diese Aufhübschung in fast
jeder Verkaufs-Software inklusive - sogar
beim Gratis-Turbo-Lister von Ebay für Windows.
Etwas schicker sind die Angebotsvorlagen Etope Lister und Supreme
Auction (beide für Windows). Bei letzterem Programm
ist allerdings höchste Wachsamkeit
beim Anmeldeverfahren geboten -
damit man statt der Freeware-Version
nicht doch das Premium-Paket abonniert
und irgendwann eine saftige Rechnung
ins Haus bekommt.
Je nach Auktionserlös kann die
Zahlungsart Paypal zum unangenehmen
Kostenfaktor werden, der im schlimmsten
Fall mehr als ein Drittel des Kaufpreises
verschlingt: Wer etwa ein Buch für einen
Euro verkauft und 1,80 Euro für den
Versand berechnet, muss am Ende rund
40 Cent Paypal-Gebühren zahlen. Rechnet
man die Ebay-Gebühren, die hier
8 Cent betragen, dazu, so bleibt vom Verkaufspreis nur noch gut die Hälfte übrig.
Der Grund für dieses absurde Brutto-Netto-Verhältnis liegt in der Gebührenstruktur
von Paypal: Für jede empfangene Zahlung werden (bis zu einem Monatsumsatz von 5000 Euro) 0,35 Euro plus 1,9 Prozent vom Zahlbetrag fällig - was
sich natürlich bei einstelligen Beträgen
überproportional stark auswirkt. Zumindest
bei niedrigpreisigen Artikeln sind
Verkäufer daher mit einer Überweisung
besser beraten. Bei wertvolleren Dingen
muss man abwägen - zwischen dem
Vermeiden von Paypal-Gebühren, die
bei 100 Euro 2,25 Euro ausmachen, und
der Chance, durch Paypal mehr potenzielle
Käufer anzulocken.
Obwohl bei Ebay meist der Kunde die
Versandkosten trägt, lohnt es sich, die
Gebühren für Porto und Verpackung so
gering wie möglich zu halten. Schließlich
rechnen viele Kunden die Preise für Ware
und Versand zusammen und bieten mehr,
wenn das Porto niedriger ist.
Ein Paket mittlerer Größe, in das etwa ein Paar Schuhe passt,
kostet bei DHL 1,99 Euro, bei Hermes
1,50 Euro - ohne Versand. Deutlich billiger
ist das Material bei Verpackungshändlern: Bei Ebay etwa gibt es 50 Kartons
mittlerer Größe für 21 Euro, also rund
40 Cent pro Stück. Selbst das kann man
sich mit etwas Fantasie meist sparen: Für
viele Warentypen eignen sich auch Getränke-,
Waschmittel- oder Schuhkartons
als Verpackung. Wer so was nicht zu Hause
hat, sollte ankommende Pakete in Zukunft
aufheben und regelmäßig im Supermarkt
nach brauchbaren Kartons suchen.
Noch leichter haben es hier gewerbliche
Händler, die in größerem Umfang
verkaufen: Ab einem Volumen von
500 Sendungen pro Monat kann man
sich die Pakete von der Firma Publicbox schenken lassen - wenn man nichts dagegen hat, dass diese
mit Werbung bedruckt sind.
Ebenfalls nur für Powerseller
interessant ist die Möglichkeit, beim
Versand nicht nur zu sparen, sondern
daran zu verdienen: Firmen wie Packadds bezahlen Powerseller
ab einem Versandaufkommen von 500 bis
1000 Paketen monatlich dafür, dass sie ihren
Sendungen Werbung beilegen.
Durchschnittlich 50 Euro pro 1000 Sendungen
kann ein Händler laut Packadds
so erwirtschaften.
Für kleine Produkte gibt es keine
günstigere Lösung als die Waren- und
Büchersendung der Deutschen Post:
85 Cent werden etwa für ein Taschenbuch
bis 500 Gramm fällig (Büchersendung),
1,65 Euro für eine Warensendung bis
500 Gramm. Wer - wegen der Größe oder
weil er eine Versicherung benötigt - per
Paket verschickt, sollte eine einfache
Regel beherzigen: online first. Bei DHLPaketen
spart man einen Euro, bei Hermes
40 Cent, wenn das Porto online bezahlt
bzw. der Paketschein am heimischen
PC ausgefüllt wird. Abgesehen
von dieser allgemeinen Sparmöglichkeit
hängt es von den Maßen und vom Gewicht
der Ware ab, welcher Versender
am günstigsten ist. Eine Orientierung
bietet unsere Versandkostentabelle für
30 typische Ebay-Produkte (Download als PDF).
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