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29. Juni 2003, 12:20 Uhr

"Einen mit blauen Augen, bitte"

In den nächsten vier Wochen soll das erste britische "Online-Baby" geboren werden. Ein lesbisches Paar hat sich dafür im Internet einen Samenspender ausgesucht, das Sperma ins Haus liefern lassen und selbst die künstliche Befruchtung vorgenommen.

Dienstleistung ist alles© ManNotIncluded.com

In den nächsten vier Wochen soll das erste britische "Online-Baby" geboren werden. Ein lesbisches Paar hat sich dafür im Internet einen Samenspender ausgesucht, das Sperma ins Haus liefern lassen und selbst die künstliche Befruchtung vorgenommen.

Wie die "Times" berichtete, sind auf diese Weise bereits 14 Kundinnen des Internet-Unternehmens "ManNotIncluded.com" schwanger geworden. Kritiker bringen gesundheitliche und ethische Bedenken dagegen vor. Die Zeugung von Kindern werde so zum reinen Geschäft, sagte Anthony Cole, Vorsitzender der "Medical Ethics Alliance", eines Zusammenschlusses christlicher Mediziner. Josephine Quintavalle von der Pro-Life-Gruppe "Comment on Reproductive Ethics" kritisierte, die Rechte der Kinder würden hier "im Interesse egoistischer Erwachsener ignoriert".

Spender ist "sehr gesund und hat blaue Augen"

Eine der "ManNotIncluded"-Kundinnen, Jaimie Saphier (26), sagte der "Times", dass ihr Kind für den 26. Januar berechnet sei. Sie habe das Sperma auf der Website unter anonymen Spendern ausgewählt. Dabei wurden unter anderem Hautfarbe, Größe, Haarfarbe, berufliche Qualifikationen und Hobbys der Spender angegeben. Saphier und ihre Lebenspartnerin Sarah Watkinson entschieden sich für einen Mann, der "sehr gesund war und braune Haare und blaue Augen" hatte. Das Ganze kostete umgerechnet knapp 2000 Euro.

"ManNotIncluded.com" will expandieren"

"Wir wissen, dass einige Leute das nicht gut finden werden", sagte Saphier. "Das ist ihr gutes Recht. Aber solange unser Kind geliebt wird und alles hat, was es braucht, kann ich nicht sehen, was daran falsch sein soll." Der Gründer von "ManNotIncluded.com", John Gonzalez (40), sagte, dass er über 5000 Spender und 3000 potenzielle Kundinnen registriert habe: "Wir werden unsere Dienste jetzt auch in Spanien anbieten, und wir planen, auch in Deutschland, Holland, Frankreich und Italien zu öffnen." Bisher seien lesbische Paare von Befruchtungskliniken meist abgewiesen worden. Sie hätten sich dann an irgendeinen Bekannten wenden müssen.

"Selbsthilfe" bleibt in Deutschland straffrei

Bei einer künstlichen Befruchtung mit Samen eines Fremden wird das Sperma mit Hilfe verschiedener Methoden eingeführt, etwa mit einer Spritze. In Deutschland dürfen nach dem Embryonenschutzgesetz nur Ärzte eine künstliche Befruchtung vornehmen. Frauen, die sich selbst Samen einführen, und Männer, die ihn zur Verfügung stellen, werden jedoch nicht bestraft.

 
 
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