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28. März 2009, 08:00 Uhr

Charts ohne Sperre

Lange Zeit war Musik kaufen im Internet teuer und vor allem nervig. Inzwischen wird das Angebot immer besser. Sogar der Kopierschutz DRM wird jetzt abgeschafft. Von Ulf Schönert

Kopierschutz, DRM, Download, Musik, Internet

Online-Shops wie Musicload bieten Millionen Titel zum Runterladen an. Gefragt sind Stars wie Peter Fox und Lady Gaga© Michael Buckner/Getty Images

So etwas gab es früher nur illegal. Fünf Millionen MP3-Dateien stehen zur Auswahl, darunter alle aktuellen Hits, sortiert, in guter Qualität, zu einem günstigen Einheitspreis von 99 Cent und vor allem: ohne Kopierschutz.

Was die Handelskette Saturn da seit vergangenem Freitag in ihrem Download-Shop anbietet, ist neu für die leidgeplagten Kunden. Denn bisher war das Musik- Shopping im Internet nervig und kompliziert. Grund dafür war der Kopierschutz DRM, den die Konzerne einst aus Angst eingeführt hatten, die Internetnutzer würden ihre frisch erworbene Musik illegal weiterverbreiten.

Doch von Beginn an zeigte DRM unerwünschte Nebenwirkungen, die dazu führten, dass sich der Sperrmechanismus oft auch gegen den rechtmäßigen Eigentümer wandte. So konnten bei iTunes gekaufte Titel nicht auf einem Sony-Walkman abgespielt werden; Dateien, bei Musicload gekauft, liefen nicht auf dem iPod. Und wer seine Sammlung auf einen neu erworbenen PC kopieren wollte, bekam erst mal eine Fehlermeldung auf den Bildschirm.

Das Aus für den Kopierschutz

Die Kunden reagierten verärgert, Verbraucherverbände klagten, in den Callcentern häuften sich die Beschwerden. So sehr, dass die Branche jetzt die Notbremse gezogen hat: Der Kopierschutz wird abgeschafft. Wie Saturn haben auch alle anderen großen Internetmusikhändler inzwischen angekündigt, ihr Angebot von DRM zu befreien - einige haben diesen Schritt sogar schon umgesetzt (siehe Tabelle). Auch die Angebote einiger Shops, ungeschützte Musik zu höheren Preisen zu verkaufen ("iTunes Plus"), sind damit passé.

Wo man seine Dateien kauft, hängt nun nicht mehr davon ab, welches Abspielgerät man besitzt, sondern davon, welcher Shop das beste Angebot hat. MP3-Dateien laufen nämlich auf jedem Abspielgerät, egal ob PC, Handy, Navi oder MP3-Player. Sie können beliebig oft gehört, gebrannt oder verschickt werden.

Was natürlich nicht heisst, dass man das auch unbegrenzt darf. Auch ohne DRM setzt das Urheberrecht dem Kopieren Grenzen. Wer Musikdateien ohne Erlaubnis zum Beispiel im Internet anbietet, kann richtig Ärger kriegen. Um schwarze Schafe zu finden, die das trotzdem machen, sind viele Dateien deshalb mit einem "digitalen Wasserzeichen" versehen. Dabei handelt es sich um einen unhörbaren Datencode, der den ursprünglichen Käufer einer Datei identifizieren hilft. Ein Sieg für die Kunden ist die Neuerung in jedem Fall. Denn ausgerechnet diejenigen, die überhaupt noch Geld für Musik ausgaben, hatten unter dem Misstrauen der Konzerne am meisten zu leiden. Raubkopierer hingegen bekamen ihre Songs nicht nur gratis, sie mussten sich auch nicht mit dem ärgerlichen Kopierschutz herumschlagen. Kein Wunder, dass bis heute etwa 95 Prozent aller Musik illegal heruntergeladen wurde.

Warten auf den Durchbruch

Obwohl die Internetumsätze der Plattenfirmen im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf 80 Millionen Euro gestiegen sind, reicht das noch lange nicht, um die Verluste aus den schwächelnden CD-Verkäufen zu kompensieren.

Die Branche erhofft sich nun den Durchbruch im Netz, denn in der Tat hat der Online-Musikkauf viele Vorteile, zum Beispiel, dass es keinen Ladenschluss gibt und das Sortiment viel größer ist als in den Geschäften. Und auch die Preise stimmen: Zwar schafft iTunes gerade seinen Einheitspreis von 99 Cent pro Song ab, wodurch Tophits bis zu 1,29 Euro kosten. Aber - und das ist neu - man kann sich ja jetzt auch woanders umschauen: Vielleicht gibt es die gesuchte MP3-Datei bei der Konkurrenz billiger.

Kopierschutz, DRM, Download, Musik, Internet

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 13/2009

Von Ulf Schönert
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
RolfZinner (30.03.2009, 12:14 Uhr)
da können sie lange warten
Der Durchbruch für die super Umsätze bei Musik aus dem Internet wird, insbesondere in Deutschland bei der Musikindustrie lange auf sich warten lassen. Die Geschäfte machen heute IT-Firmen. Mit dem iTunes Store wird Geld verdient, obwohl es eigentlich nur ein Service für den iPod ist und die Software ClipInc verbreitet das Internetradio und das Thema Mitschnitt. Die Herrschaft über die Vertriebswege hat sich geändert ebenso wie sich der Konsum von Musik verändert hat. Beides hat die MI irgendwie nicht mitbekommen.
Druss (30.03.2009, 09:24 Uhr)
toll...
WOW...
napster ist 1998 auf den markt gekommen... hat es die musikindustrie nach 11 jahren also endlich geschafft eine alternative anzubieten. toll.
embe (30.03.2009, 00:33 Uhr)
seit 1 Woche ????
Wohl kaum, denn dieses Angebot gibt es bereits seit mehreren Monaten.
Ich habe bereits mehr als 100 Euro für Musikdateien ausgegeben, weil dieses Angebot endlich in einer vernünftigen Relation steht.
Vorbei die Zeiten als die Firmen den Konsumenten mit 128 K/bits und DRM für dumm verkauft haben.
Wenn man überlegt, was das die die Plattenmultis durch Verweigerungshaltung und Russendownloads gekostet hat, vermutlich bekommen die Verantwortlichen auch noch einen Bonus für Dumm- und Verbohrtheit.
Motzerator (29.03.2009, 18:10 Uhr)
Jetzt muss nur noch der Preis stimmen...
Die Plattenindustrie hat den ersten Schritt in die richtige Richtung getan.
Aber der Große Durchbruch wird erst erfolgen, wenn auch die Preise der tatsache angepasst werden, das es keine Zwischenhändler mehr gibt und keine Datenträger mehr verkauft werden.
Ich halte 99 ct für einen Hit durchaus für angebracht, aber für 20 jahre alte Alben würde ich mehr als 1 Euro pro Album als Wucher bezeichnen und bis dahin ist es wohl noch ein langer weg.
Blacky007 (29.03.2009, 13:25 Uhr)
Aber erstmal Millionen versenken
um ein brauchbares DRM zu entwickeln, obwohl Experten damals schon darauf hinwiesen, dass dies dem Onlineverkauf von Musik total hinderlich ist und dann Jahre und Millionen später, werden sie doch noch klug. Haben wohl ein paar Herren Probleme mit der Koks-Nachlieferung gehabt und einen hellen Moment genutzt, um zu Vernunft zu kommen.
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