"Es ist unmöglich geworden, sich vor solchen Angriffen zu schützen"

26. März 2013, 17:47 Uhr

Ashton Kutcher, Britney Spears, selbst Michelle Obama wurden Opfer von Hackern. Kevin Mitnick, einst der meistgesuchte Hacker der Welt, hat mit stern.de über die Cyberattacken gesprochen.

Kevin Mitnick war einst Hacker, heute ist er Berater, Experte für Sicherheit im Datennetz und Autor ("Die Kunst der Täuschung: Risikofaktor Mensch").

Herr Mitnick, Prominente werden neuerdings öffentlich bloßgestellt, indem Hacker vertrauliche Informationen über sie ins Netz stellen – darunter Bankkonten, Kreditkarten und Sozialversicherungsnummern. Was steckt hinter diesem sogenannten "Doxxing"?

Doxxing ist eine Form des Hackens. Die Angreifer verschaffen sich illegal Zugang zu Datenbanken, um persönliche Informationen öffentlich zu machen. Oft geschieht das, indem sie bei Anfragen vorgeben, die Person zu sein, deren Daten sie hacken wollen. Ob die Prominenten unvorsichtig waren, weil sie in sozialen Netzwerken zu viel über sich verraten haben, weiß ich nicht. Ich vermute aber, sie trifft keine Schuld, denn es gehört nicht viel dazu, sich etwa Kreditauskünfte zu beschaffen. Zumindest nicht in den USA.

Wo liegt das Problem?

Die Fragen, die zur Überprüfung der Identität gestellt werden, basieren oft auf Informationen, die Angreifer sich leicht beschaffen können – zum Beispiel: "Wie lautet der Mädchenname Ihrer Mutter?" Die Antwort finden Sie für wenige Cent in kommerziellen Datenbanken. Genau wie die aktuelle Adresse, frühere Adressen, Telefonnummern, Führerscheininfos und vieles mehr. In den USA kann dadurch jeder schnell zum Ziel werden. In Europa gibt es, soweit ich weiß, keine vergleichbaren, leicht zugänglichen Datenbanken. Da zahlen sich die strengeren Datenschutzvorschriften aus.

Offenbar sind selbst die Daten der First Lady nicht sicher?

In den USA ist es unmöglich geworden, sich vor solchen Angriffen zu schützen. Die Milch ist schon verschüttet. Denn die Informationen sind über die Datenbanken zugänglich, und es gibt keinen Weg, den Zugriff darauf zu verhindern. Helfen würde nur, dass Banken, Kreditbüros und andere, die sensible Daten verwalten, bessere Methoden finden, die Identität zu prüfen. Die Herausforderung dabei ist: Wie garantiert man bei Anfragen im Internet oder am Telefon, dass derjenige, der Auskunft verlangt, tatsächlich der Kontoinhaber ist? Die Unternehmen wollen das nicht zu kompliziert machen, um ihre Kunden nicht zu verprellen. Doch das derzeitige System ist nicht schwer zu überlisten. Meine Hoffnung ist, dass prominente Opfer wie Hillary Clinton und der Direktor des FBI so viel Aufmerksamkeit auf das Problem lenken, dass sich tatsächlich etwas ändert.

Müssen auch Normalmenschen fürchten, im Internet bloßgestellt zu werden?

Das Problem ist Identitätsraub ganz allgemein – in Amerika seit Jahren das am schnellsten wachsende Verbrechen. Aus gutem Grund: Statt eine Bank zu überfallen, besorgen Kriminelle sich lieber Zugriff auf die Konten. Auch so lässt sich ein Vermögen stehlen, und das Risiko, gefasst zu werden, ist weit geringer. In Europa macht der bessere Datenschutz es Betrügern schwerer. In den USA können Menschen nur versuchen, möglichen Missbrauch ihrer Daten frühzeitig zu entdecken, um Schlimmeres zu verhindern.

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