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Kevin Mitnick Berühmtester Hacker der Welt verkauft sein Wissen


Kevin Mitnick, einst der meistgesuchte Hacker der Welt, verdient nun Geld mit dem Verkauf von Sicherheitslücken - 100.000 Dollar pro Stück. Es ist ein grenzwertiges Geschäft.

Kevin Mitnick war einst der berühmteste Hacker der Welt. Er knackte die Computersysteme von Nokia und IBM und soll mehr als hundertmal in das Netzwerk des US-Verteidigungsministeriums eingedrungen sein. Insgesamt saß Mitnick für seine Cyber-Einbrüche fünf Jahre im Gefängnis. Im Jahr 2000 wurde der Amerikaner mit der Auflage entlassen, drei Jahre lang keinen Computer und kein Gerät mehr anzurühren, mit dem er ins Internet kommen könnte. Die Staatsanwaltschaft soll dazu bemerkt haben: "Mitnick könnte einen Atomkrieg starten, indem er ins Telefon pfeift." Nach seiner Haftentlassung wechselte der Hacker die Seiten und arbeitete als Autor und Sicherheitsberater.

Mittlerweile hat Mitnick aber ein neues, lukrativeres Geschäftsfeld erschlossen, wie er dem US-Magazin "Wired" erzählt: Er weist Geschäftspartner auf bislang unbekannte Sicherheitslücken hin, sogenannte "Zero Day Exploits" - und erhält dafür im Gegenzug mindestens 100.000 Dollar pro Stück. Den Käufern sichere er zudem Exklusivität zu.

Amazon für Sicherheitslücken

"Mitnick's Absolute Zero Day Exploit Exchange" heißt das Angebot, dass er bereits vor mehreren Monaten gestartet hat. Es ist ein grenzwertiges Geschäft, denn für welche Zwecke seine Kunden die Sicherheitslücken benötigen, ist ihm egal. "Wir fragen sie nicht, und wenn wir ehrlich sind, sie würden es uns auch nicht sagen", sagt Mitnick zu "Wired". "Forscher entdecken sie, die verkaufen sie an uns für die Summe X, wir verkaufen die Lücken für Summe Y an unsere Kunden und verdienen mit der Marge dazwischen."

Zusätzlich gebe es noch einen Premiumservice namens Absolut Z. "Wir haben Kunden, die eine ganze Reihe an Exploits suchen. Sie sagen etwa: 'Wir suchen nach einer Schwachstelle in dieser Chrome-Version'. Es ist wie eine Amazon-Wunschliste für Sicherheitslücken", erklärt Mitnick.

Gratwanderung für Mitnick

Wer zu seinem Kundenstamm gehört, lässt Mitnick offen. Laut seiner Webseite habe seine Firma eine "einzigartige Positionierung" innerhalb der Sicherheitsbranche und bringe Exploit-Entwickler mit "anspruchsvollen Regierungs- und Geschäftskunden" zusammen. Doch er werde potentielle Käufer genau überprüfen: "Ich bin nicht daran interessiert, Regierungen beim Ausspähen von Bürgern zu helfen. Das sind dieselben Menschen, die mich in Einzelhaft gesteckt haben, weil sie glaubten, ich könnte die Startcodes für Atomraketen pfeifen."

Für Mitnick, der aus seinem Ruf als Privatsphären-Verfechter Kapital schlägt, ist das Geschäft mit Sicherheitslücken eine Gratwanderung. In seinem neuen Buch "The Art Of Invisibility" will Mitnick seinen Lesern helfen, sich gegen "Big Brother und Big Data" zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig erleichtert er mit Zero-Day-Exploits die Entwicklung von Spionage-Tools.

cf

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