"Gratis"-Angebote können sehr teuer werden

15. Februar 2008, 10:43 Uhr

Viele vermeintliche Gratisangebote im Internet überraschen Websurfer mit hohen Folgekosten. Die Verbraucherzentralen berichten, die Zahl der Beschwerden über solche Websites habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Worauf man achten muss, wie man sich wehrt ...

Viele vermeintliche Gratisangebote im Netz stellen sich bei genauerem Hinsehen als teure Bauernfängerei heraus©

Viele vermeintliche Gratisangebote im Internet entpuppen sich als Kostenfallen. "Die Beschwerden in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen haben sich diesbezüglich seit 2006 verdoppelt", sagt Gabriele Beckers von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt/Main. Schätzungen zufolge gehen bundesweit pro Monat mehr als 20.000 Beschwerden zu diesem Thema ein.

Die Masche ist dabei oft dieselbe: Man sucht nach Hilfe bei den Hausaufgaben, möchte sich eine Fahrtroute ausdrucken oder eine kostenlose SMS verschicken und landet auf einer entsprechenden Internetseite. "Es wird der Eindruck erweckt, als wären die Angebote gratis", sagt Stephan Andreas, Wettbewerbsjurist bei der "Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs" in Bad Homburg. Nicht selten verstecken sich dahinter aber Abonnements oder Kaufverträge.

Überraschungen im Kleingedruckten

Infos und Kosten zu den Verträgen stehen oft im sogenannten Kleingedruckten, also den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, oder ganz unten auf der Webseite, unterhalb des "Anmelde-", "Absenden-" oder "Test starten"-Buttons. "Wichtig ist, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchzulesen oder wenigstens zu überfliegen. Es gibt dort meist eine Rubrik 'Preise'", sagt Stephan Andreas. Wenn Name und Adresse abgefragt werden, sollten Surfer stutzig werden.

Durchschnittlich rund 120 Euro an Kosten verstecken sich hinter den vermeintlichen Gratisangeboten, haben die Verbraucherzentralen in Deutschland anhand ihrer Umfrage ermittelt. Dabei sollten 41 Prozent der Befragten zwischen 50 und 70 Euro zahlen, 21 Prozent sollten 70 bis 90 Euro überweisen und von gut einem Viertel der Befragten (26 Prozent) verlangten die Unternehmen sogar mehr als 90 Euro.

Ein Viertel der Opfer ist minderjährig

In jedem vierten Fall ist ein Jugendlicher unter 18 Jahren auf den Trick hereingefallen. Dabei sind Verträge mit Jugendlichen oft gar nicht rechtskräftig. "Viele dieser Unternehmen spielen aber gerade mit der Unwissenheit der Verbraucher", sagt Rechtsanwalt Sven Karge vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) in Köln. Der Verband betreibt eine Internet-Beschwerdestelle im Netz (internet-beschwerdestelle.de). Karge rät Betroffenen, Einspruch zu erheben, wenn eine unbekannte Rechnung ins Haus kommt. "Ich würde eine E-Mail oder ein Fax zurückschicken, in dem ich zum Ausdruck bringe, dass ich nicht weiß, was die von mir wollen und dass sie mich in Ruhe lassen sollen." In manchen Fällen sei die Sache damit bereits erledigt.

Mehr als die Hälfte der Zahlungsverweigerer (57 Prozent) erhielt laut Umfrage aber Mahnungen, in denen mit Klagen gedroht wurden. Sollte tatsächlich erneut eine Rechnung oder gar eine Mahnung in der Post liegen, raten Juristen und Verbraucherschützer, sich an eine Rechtsberatung zu wenden. "Bei einem gerichtlichen Mahnbescheid muss ich sofort reagieren, denn dann laufen gesetzliche Fristen, um Widerspruch einzulegen", sagt Verbraucherschützerin Beckers. Anders sei es bei einer Mahnung von einem Inkassounternehmen. Diese sind "kein gerichtlicher Bescheid" und dienen meist nur als Drohkulisse.

Solche Drohungen funktionieren oft genug: "Vielfach denken die Leute, sie wollen keinen Ärger haben und zahlen den Betrag dann lieber", sagt Rechtsanwalt Karge. Juristen und Verbraucherschützer raten aber, sich nicht einschüchtern zu lassen: "Die Verträge sind in der Regel nicht wirksam, wenn die Kosten nicht ganz transparent auf der Webseite gekennzeichnet sind", erklärt Sven Karge.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Bad Homburg Websurfer
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von bh_roth: Gehäusegröße DECT-Funktelefone

 

  von Amos: Verhaftungen im FIFA-Umfeld. Blatter ist unantastbar, oder?

 

  von Gast 109741: marco

 

  von Amos: Ab 2019 wird dvb-t 2 eingeführt. Muß ich dann meinen Samsung-Fernseher wegwerfen? Irrsinn!

 

  von Gast 109705: Arbeitsrecht - Vertragsstrafe im Arbeitsvertrag

 

  von Amos: Gibt es eigentlich noch das Glückwunschtelegramm der Post? Kann ich das von Zuhause aufgeben?

 

  von Gast 109682: darf da Jugendamt auf unterhaltskosten verzugszinsen berechnen

 

  von Gast 109677: Vinylboden auf Fliesen. Geht das?

 

  von Gast 109675: kündigung zur jahresmitte und bereits den ganzen Urlaub schon genommen

 

  von Gast 109671: Download von Tubemate - Vollzugriff auf Mobilgerät gewähren

 

  von Gast 109665: mein partner zahlt unterhalt für seinen Sohn wie wäre es wenn wir heiraten wird da mein Gehalt mit...

 

  von Gast 109653: ist dhl Haftung wegen zustellung durch ablage ausgeschlossen?

 

  von Gast 109647: Besitze alten,originalen Hebammenkoffer mit Inhalt von 1936.Wo kann ich seinen Wert ermitteln...

 

  von Gast 109645: Vaseline

 

  von Gast 109629: Mädchengeburtstag

 

  von Gast 109611: Hallo, mein Ein-und Ausschalter hat einen Fehler, der Strom wird zeitweise unterbrochen, der FS...

 

  von Gast 109605: darf man mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren in die entgegengesetzte Richtung?

 

  von Gast 109603: FoxLingo

 

  von Gast 109599: Eu-Rente bei Lottogewinn

 

  von Gast 109590: Wo kann man einen "US" SLS AMG zur TÜV Annahme umrüsten lassen ?