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Doch keine lahme Ente - F-35 kann richtig zubeißen

Gute Nachrichten vom Pleite-Kampfjet F-35. Zum ersten Mal ist ein erfahrener Kampfpilot begeistert von dem 100-Millionen-Dollar-Vogel und sagt, er sei weit "aggressiver" als die alte F-16.


  Der Wert der F-35 ist umstritten. Das Zeugnis des norwegischen Piloten ist sehr viel positiver als frühere Einschätzungen.

Der Wert der F-35 ist umstritten. Das Zeugnis des norwegischen Piloten ist sehr viel positiver als frühere Einschätzungen.

Das neue Standardkampflugzeug der US-Streitkräfte, die F-35, produzierte in den letzten Jahren reihenweise schlechte Nachrichten. Alle passten zu einer der drei Kategorien: "viel teurer", "viel später" oder "viel schlechter". Nun kommt ein Lichtblick für den Sorgen-Vogel: Ein erfahrener norwegischer Kampfpilot gibt der F-35 überraschend gute Noten. 

Mit so einem Urteil hatte man gar nicht gerechnet, nachdem ein US-Pilot im letzten Jahr einen verheerenden Bericht über die F-35 ablieferte. Dass Militärprojekte teurer werden als gedacht und später fertig werden, ist keine Besonderheit der F-35. Aber dass der Vogel kaum fliegen konnte, war dann doch schockierend. In dem US-Bericht wurden die Fähigkeiten der F-35 im Luftkampf gerügt. Im Ergebnis hieß es, sie sei in jeder Situation der alten F-16 unterlegen.

  Testpilot Morten 'Dolby' Hanche ist ein erfahrener Pilot und Ausbilder.

Testpilot Morten 'Dolby' Hanche ist ein erfahrener Pilot und Ausbilder.


Der norwegische Testpilot Morten 'Dolby' Hanche kommt zu ganz anderen Schlüssen. Liest man seinen detaillierten englischsprachigen Bericht, liegt das vor allem daran, dass er nicht versucht hat, die F-35 wie eine F-16 zu fliegen. Er hat ihre konstruktiven Besonderheiten genutzt. Das beginnt damit, dass die Zelle des modernen Jets Belastungen bei Querbeschleunigungen mit einem deutlichen Schütteln quittiert. Davon ließ sich Hanche nicht beirren, sondern zwang den Jet weiter auf Kurs. Vor allem nutzte er in den Manövern eine spezielle Eigenschaft der F-35. Bei ihr ist es in verschiedenen Situationen möglich, die Längsachse des Jets (und damit die Bordwaffen) anders auszurichten als die Flugrichtung. Durch den höheren "Angle of Attack" kann der Jet im Gefecht agiler manövrieren, als es seine reine Flugbahn vermuten ließ. Hanche schreibt: "Dadurch kann ich meine Waffen schneller auslösen, als ich es mit der F-16 gewohnt war. Das heißt auch, dass mein Gegner sehr viel vorsichtiger sein muss."

Rabiates Runterbremsen

Außerdem "bremst die F-35 rabiater runter als eine Notbremsung beim Auto". Im Luftkampf müsste der Gegner auf die Notbremsung mit einem Ausbrechmanöver reagieren, das gäbe der F-35 die Chance, sich selbst hinter den Feind zu setzen. Auch mit anderen Gebrechen der F-35 kam der Norweger besser zurecht als seine US-Kollegen. Die eingeschränkte Rundumsicht des Piloten sei kein Problem, wenn man den Kopf etwas nach vorne nehme, schreibt Hanche, dann könne man sehr wohl nach hinten schauen.  Sein Fazit: "Als F-35-Pilot muss ich noch viel lernen, aber ich habe doch schon einige Eindrücke. Und bis jetzt sieht es so aus, dass ich mit diesem Flugzeug sehr viel aggressiver vorgehen kann als mit der F-16."

Fragen bleiben offen

Dem renommierten Piloten Hanche kann man sicher kein Gefälligkeitsgutachten unterstellen. Doch sein Werk lässt manche Fragen offen. So wird die Manövrierfähigkeit der F-35 gelobt, aber anders als bei den Testflügen in den USA musste sich die norwegische Maschine keinem simulierten Luftkampf mit einem anderen Jet stellen. Hohe Manövrierbarkeit bei geringer Geschwindigkeit galt bisher nicht als Erfolgsgarant im Luftkampf. Wäre dies so, müsste ein Bodenkampflugzeug wie Fairchild Republic A-10 Thunderbolt II eigentlich einem Jäger wie der F-16 überlegen sein.

Hat die Stealth-Technik überhaupt Zukunft?

Ohnehin glaubt Hanche, die Fähigkeiten der F-35 im direkten Luftkampf seien nicht so wichtig. Auf dieser Annahme basiert das Konzept des 100-Millionen-Jets. Das Stealth-Flugzeug soll für das gegnerische Radar unsichtbar werden und die blinden feindlichen Jets mit weitreichenden Raketen aus sicherer Entfernung angreifen. Ein direkter Luftkampf war beim Entwurf gar nicht vorgesehen.

In letzter Zeit stellen aber mehrere Entwicklungen diese Vision infrage. Zum einen entwickeln China und Russland eigene Stealth-Jets, bei denen man kaum zu einem Abschuss aus sicherer Deckung kommen wird. Die größte Gefahr droht den Stealth-Flugzeugen allerdings vom Verlust der Tarnkappe durch moderne Radaranlagen. Vermutlich ist das schon heute möglich. Die USA befürchten etwa, dass Peking im Südchinesischen Meer genauso ein Radar installiert. Sollten diese Anlagen Jets wie die F-35 oder die F-22 aufspüren können, würde die Ära der Stealth-Jets abrupt enden. 



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