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Städte testen internetfähige High-Tech-Mülleimer

Ein Mülleimer der singt, sich bedankt und als WLAN-Hotspot dient: Der "BigBelly" erobert die deutschen Innenstädte. Denn neben diesen Extras, bietet der Mülleimer noch ein paar echte Verbesserungen.

  An der Europäischen Schule Karlsruhe steht ein "BigBelly", der sich in 14 Sprachen bedanken kann, wenn man ihn benutzt hat

An der Europäischen Schule Karlsruhe steht ein "BigBelly", der sich in 14 Sprachen bedanken kann, wenn man ihn benutzt hat

In Scharen eilen die Passanten täglich an den unscheinbaren grauen Kästen vorbei, über die Mönckebergstraße in Hamburg, die Konstablerwache in Frankfurt am Main oder den Münchner Stachus. Angeschnupfte Taschentücher, alte Papierservietten oder zerknüllte Zeitungen haben die Fußgänger für sie übrig. Dass der Unrat der eiligen Passanten nicht einfach nur in der Tonne, sondern in einem solarbetriebenen, internetfähigen, mehrere tausend Euro teuren High-Tech-Mülleimer landet, bemerken die meisten gar nicht. Dabei erobern die Luxus-Tonnen zusehends die deutschen Innenstädte.

Den Anfang machte die Hamburger Reeperbahn. 2011 setzte die Stadtverwaltung die deutschlandweit erste High-Tech-Tonne dem ultimativen Überlebenstest aus. "Im rauen Umfeld" sollte die Tonne zeigen, was sie kann, erzählt Alexander Rochlitz, dessen Firma die Mülleimer vertreibt. Zwei Jahre später steht sie noch immer auf der hanseatischen Amüsiermeile. Weitere Tonnen an ähnlich belebten Stellen in Hamburg sind hinzugekommen - und andere deutsche Städte folgten. Rund 100 solcher Tonnen sollen es bundesweit mittlerweile sein.

Vor zehn Jahren in den USA erfunden und noch immer dort hergestellt, sind die knapp 1,30 Meter hohen Kästen komplett durchgeplante High-Tech-Geräte. "Der Haupt-Effekt ist die große Menge an Müll, die sie fressen", erklärt Rochlitz. Ein großer Stempel presst den Müll im Inneren der Tonnen zusammen. Dort passt dadurch bis zu sieben Mal mehr Abfall rein, als in herkömmliche Gefäße gleicher Größe. "BigBelly", zu Deutsch "Dicker Bauch", haben die Erfinder die Tonne deshalb genannt.

Teure Tonne

Betrieben wird das als weltweit einmalig geltende Abfallsystem mit Sonnenenergie. Via Internet übermittelt die Tonne den Entsorgungsbetrieben regelmäßig die Füllstände, damit diese nur dann ausrücken müssen, wenn der Bauch wirklich voll ist. Das soll vor allem den Entsorgern die Arbeit erleichtern. "Wir wollen damit Anfahrten einsparen", erzählt Sheila Patel von der Stadtverwaltung Recklinghausen. Ob das auch funktioniert, testen die Recklinghäuser seit April mit zwei geliehenen Behältern aus.

Viele Kommunen machen erst einmal einen Probelauf, ob sich die Investition in den Super-Mülleimer wirklich lohnt, denn so viel High-Tech hat seinen Preis: 4500 Euro kostet ein "BigBelly". Hamburg befindet sich immer noch offiziell im Testbetrieb, "mindestens bis 2014", wie Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung Hamburg sagt. Auch Frankfurt hatte zum Anfang mit einer Tonne getestet.

Für Aufsehen sorgen die Tonnen aber weder wegen ihres Preises noch wegen des Pressmechanismus oder ihres schnellen Drahts zu den Entsorgungsbetrieben. Bei den Müll-Laien fällt vor allem die Extra-Ausstattung auf, mit der einige Behälter aufwarten.

Sprechen, singen, pressen

Im schottischen Aberdeen beispielsweise wurden die "BigBelly"-Tonnen zu Wlan-Hotspots aufgerüstet. Und in Deutschland entdeckt mancher Kübel das gesprochene Wort: So vermag sich an einer Karlsruher Schule ein wortgewandter "BigBelly" in 14 Sprachen zu bedanken. Auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt überraschte einer im vergangenen Jahr die Besucher mit Adventsliedern. "Immer, wenn jemand etwas reingeworfen hat, hat er ein Lied angestimmt", erzählt Michael Eickenboom von der Stabsstelle Sauberes Frankfurt.

Auch eine der Hamburger Tonnen konnte einmal sprechen, verlernte dies aber schnell wieder, als Unbekannte an den Sprachchip wollten. "Jetzt ist sie stumm", sagt Fiedler. Seitdem ist sie für die Passanten wieder nur eine Mülltonne - wenn auch ein solarbetriebenes, internetfähiges, extra teures Exemplar.

vim/AFP/AFP
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