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13. April 2010, 20:16 Uhr

Wo Telefonieren wie Arbeit aussieht

Bei Microsoft bestimmen Funktion und Technik das Aussehen von Hard- und Software. Jüngstes Beispiel: Microsofts Smartphones "Kin One" und "Kin Two". Kann so dröge ein Gegenentwurf zur bunten iWelt von Apple aussehen? Von Gerd Blank

Microsoft, Windows, Steve Jobs, Bill Gates, Steve Ballmer, Apple, iPhone, iPad, Smartphone

Sexy genug für die Generation Facebook? Microsofts Smartphone Kin One© Tony Avelar/AP

Derzeit sieht man auf den Fußgängerwegen der Städte überall große Brillen auf den Gesichtern der jungen Leute, gerne auch mit Fensterglas statt hohen Dioptrienwerten. Die Nerdbrille ist ein Modeaccessoire geworden, der Mut zur Hässlichkeit ist der Trend des Sommers. Als Bill Gates, Gründer von Microsoft, vor rund 35 Jahren seine ersten Schritte in der Öffentlichkeit unternahm, wurde der Brillenträger zur Blaupause aller Nerds. Gates war der Ober-Nerd. So sahen Genies aus, die in der Schule von Mitschülern verprügelt wurden.

Gates war seiner Zeit weit voraus, entwickelte Betriebssysteme und Office-Anwendungen, krempelte aus dem Nichts unser Bild von Computertechnologie komplett um und schuf eines der mächtigsten Unternehmen der Welt. In einer Zeit, als Computer noch klobig und grau waren, Technologie nur in Serverräumen und auf Schreibtischen stattfand, war Microsoft der Platzhirsch. Doch die Zeiten haben sich geändert. Viele Käufer interessieren sich nicht mehr für das Innenleben ihres Computers oder Smartphones. Sie wollen, dass die Geräte gut aussehen, leicht zu bedienen sind und in ihre Lebenswelt passen. Technik soll Spaß bringen und nicht nach Arbeit aussehen.

Doch Microsoft verbreitete weiterhin so viel Spaß wie eine Bank oder eine Versicherung. Auch im relativ jungen Markt der Mobiltelefone und digitalen Begleiter blieb sich Microsoft treu: Ein Smartphone mit Windows Mobile an Bord zu nutzen, war so sinnlich wie das Lesen einer Bedienungsanleitung. Die brauchte man, da die Funktionen und Möglichkeiten - von denen es immer schon eine Menge gab - nie selbsterklärend waren. Zum Vergleich: Apple legt dem iPad kein Handbuch mehr bei.

Microsoft, Windows, Steve Jobs, Bill Gates, Steve Ballmer, Apple, iPhone, iPad, Smartphone

Kin Two heißt der große - und breite - Bruder des Kin One© Microsoft

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stellte Steve Ballmer Anfang des Jahres die neueste Version des mobilen Windows vor. Eine Software, die zeigen soll, dass Microsoft das mobile Internet, die Kommunikation, und - ach ja, die Wünsche der vernetzten Gesellschaft verstanden hat. Das Unternehmen setzt künftig auf die ständige Webverbindung, Online-Dienste sind ein wesentlicher Bestandteil der Oberflächengestaltung. Microsoft ist nicht gut in der Produktion von Hardware, möchte aber mitbestimmen, wie andere Unternehmen die Vorstellungen des Konzerns umsetzen. So sind die technischen Voraussetzungen für Windows Phone sehr hoch, Microsoft regelt sogar, wie viele Tasten ein entsprechendes Smartphone haben darf. Die ersten Geräte mit einer abgespeckten Version der neuen Software lässt Microsoft vom Partner Sharp herstellen. Die jetzt vorgestellten Smartphones mit dem Namen "Kin One" und "Kin Two" sollen die Generation Facebook ansprechen. Ob das klappt? Bei den nüchternen Telefonen ist wieder Technik Trumpf, Design spielt nur eine untergeordnete Rolle. Apple-typische Leichtigkeit sucht man vergebens.

Immer wieder Apple

Als Apple kurz vor der Pleite stand, unterstützte Microsoft das darbende Unternehmen mit Millionenbeträgen. Doch inzwischen steht Apple nicht nur finanziell blendend dar, Firmenboss Steve Jobs gibt sogar die Richtung vor, wohin die digitale Reise der Welt hinführt. Apple-Produkte sind technologisch nicht besser als die der Konkurrenz. Doch Design und Bedienung stehen im Vordergrund, die Technik muss sich unterordnen. Obwohl es deutlich bessere Musikabspieler gab, hat sich der iPod durchgesetzt. Obwohl iPhone-Nutzer auf viele Funktionen anderer Smartphones verzichten müssen, ist das Apple-Handy beliebter als jedes andere Multifunktionstelefon. Und sind die iKäufer erst einmal überzeugt, strahlt der Zauber auch auf andere Produkte mit dem angebissenen Apfel ab.

Microsoft geht es nicht schlecht, die Office-Produkte verkaufen sich noch immer prächtig, auch wenn Google und andere Anbieter kostenlose Alternativen anbieten. Bei professionellen Anwendungen wird Microsoft vertraut, nur im privaten Bereich verliert Microsoft an Boden. Und selbst der Nerdfaktor zählt längst nicht mehr, Bill Gates ist von Bord gegangen. Sein Nachfolger ist Steve Ballmer, dessen öffentliche Auftritte nicht cool sind, sondern kurios. Während Steve Jobs bei Produktankündigungen eine Unfehlbarkeit ausstrahlt und die Zuschauer in seinen Bann zieht, poltert Steve Ballmer gerne wild gestikulierend auf der Bühne herum. Das mag bei IT-Fachkräften gut ankommen, auf private Käufer wirkt das oft irritierend.

Eigentlich sind die Vorraussetzungen für Microsoft blendend. Jahrelang lief ohne Windows nichts, kein Spiel und kein Internet. Alternative Systeme waren noch komplizierter als Microsoft-Produkte und dadurch keine Gefahr für Bill Gates und seine Mannen. Die einzigen Kämpfe, die Microsoft ausfechten musste, waren gegen Regierungen und Regulierer. Da wundert es in der Rückschau kaum, dass sich das Unternehmen kaum darüber Gedanken machen musste, wie ein Computersystem aussieht. Microsoft hat Technik für Techniker entwickelt. Es stand immer das Ziel im Vordergrund, aber nicht, wie man das Ziel erreicht. Windows und Office waren die vollgepackten Werkzeugkästen, auch wenn die Aufgabe nur darin bestand - um im Bild zu bleiben -, einen Nagel einzuschlagen. Dass weniger viel mehr sein kann, hat Microsoft nie verstanden.

Von Gerd Blank
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
tri.star (14.04.2010, 10:45 Uhr)
Glaubenskrieg?
Da sind sie wieder alle, die MS-Hasser. Ich kenne noch DOS 2.0, die Alternative war damals das schlimmere CP/M. Mir ist auch egal wie Bill Gates es geschafft hat, dieses MS-DOS an IBM zu lizensieren. Wir alle wissen, das es für Big Blue besser gewesen wäre damals Microsoft einfach komplett zu kaufen. Das ist nicht passiert, der Rest ist Gecshichte.

Apple war schon immer viel teurer als der Wettbewerb, aber man hatte da ja seinen Fankreis, der alles bezahlte um diese zweitklassige Hardware zu kaufen. OK, die Benutzeroberfläche war recht gut, aber dafür war man schon immer gezwungen Hardwareerweiterungen und wohl auch Software über Apple zu erwerben. Heute scheint das etwas lockerer zu sein, aber mir ist Apple einfach mal zu teuer und nebenbei bemerkt Linux zu kompliziert.

Ich brauche auch weder iphone noch irgend so ein anderes mobiles Übertelefon, ich weiß heute kaum, was die vielen Schlagworte in diesem Umfeld bedeuten, SMS-Nachrichten kann ich auch nicht schnell schreiben aber immerhin kann ich mit meinem dienstlichen Cellular Phone (es heisst definitiv NICHT Handy!" irgendwie telefonieren, mehr brauche und will ich auch nicht.

Noch eine Bitte, macht die Dinger nicht immer kleiner, meine Finger schrumpfen nicht - aber ich will auch keins dieser dämlichen Rentnertelefone mit Riesentasten, so verkalkt ich dann doch noch nicht.
Crossbow (14.04.2010, 07:01 Uhr)
Wenn das der Gegenentwurf zu...
Apples IPhone und HTC Legend/Desire und zum GooglePhone ist, dann brauchen sich diese Anbieter keine Sorgen zu machen. Im Gegensatz zu Betriebssystemen ist ein Handy nicht über Anbietermacht in den Markt zu pushen. Und die beiden gezeigten Teile sind ja wohl das Letzte.
MLAHBLVY (14.04.2010, 05:53 Uhr)
MS Handy 2.0
Gibt's dann auch für die MS Handys Aktivierungszwang, Patch-Days usw ...
... und Browserauswahlscreen (EU lässt grüssen). ach ja STÄNDIGE Online Verbindung ist Pflicht , ja supi ... das geht prima ins Geld !
Aber MS will den "Kuchen" nicht anderen allein überlassen ... dauert halt bis sie es bemerken ...
Henny_Jimdrix (14.04.2010, 05:37 Uhr)
Gates war seiner Zeit weit voraus? - Halt!
Dieser These möchte ich heftig widersprechen:
Bill Gates war seiner Zeit selten weit voraus - im Vergleich zu anderen Computer- bzw. Softwareentwicklern. Im Gegenteil: Vielmehr hechelte Microsoft meistens den Trends hinteher, ein paar Beispiele: Betriebsssystem: Gekauft u. umprogrammiert, so dass es auf IBM- Rechnern lief (DOS) oder gleich vom Konkurrenten abgekupfert (Windows). Tabellenkalkulation (Excel): Vom Konkurrenten LOTUS abgekupfert. Internet: Trend fast verpennt, mittels Verknüpfung von WINDOWS mit Internet-Explorer den enteilenden Konkurrenten Netscape rausgepusht.
Innovativ war Gates vor hingegen darin, dass er die Kunden daran gewöhnt hat, dass Computersoftware ein fehlerhaftes Produkt zu hohem Preis zu sein hat!
marihuhna (14.04.2010, 01:22 Uhr)
Techfanatiker
Die Welt teilt sich halt in Schlaue und Dumme. Die Schlauen nutzen die objektiv beste Hardware egal von welchem Hersteller, die Dummen laufen Design und Marketing hinterher und schmeissen ihr Geld für hübschen Schrott aus dem Fenster. Aber jeder soll machen was er will. Stevie braucht schliesslich euer Geld für neue Rollies.
marv08 (13.04.2010, 23:45 Uhr)
Wer hat denn das verzapft?
Ein paar kleinere Korrekturen:

Bill Gates hat weder Betriebssysteme noch Officeprogramme programmiert, er hat einmal an einer Programmiersprache mitgearbeitet, das war es aber auch. Ansonsten hat er die Arbeit anderer teilweise aufgekauft und teilweise geklaut.

MS hat Apple nicht "mit Millionenbeträgen" unterstützt, sondern musste - im Rahmen einer gerichtlichen Einigung - eine gewisse Menge nicht stimmberechtigter Aktien erwerben - diese hat MS schon lange mit gutem Gewinn verkauft. Dies war keine "Unterstützung", sondern die Folge krimineller Handlungen. Falls der Autor etwas lernen möchte, kann er sich die etwa 11.000 Seiten des Verfahrens US Department of Justice vs. Microsoft gerne einmal antun.

Und konkurrenzfähige MP3-Player zum iPod gibt es vielleicht seit MS 2009 den Zune HD veröffentlicht hat... in den 8 Jahren zuvor hat es keiner zu irgendeinem Zeitpunkt geschafft, ein konkurrenzfähiges Gerät anzubieten. Das iPhone kann vielleicht nicht Alles was andere Telefone können (muss es auch nicht), mehr als der Kin 1 und der Kin 2 aber auf jeden Fall. Keine Anwendungen, keine PIM-Funktionalität, fast kein Speicherplatz... das ist ein reines Teenie-Produkt. Über den Erfolg lässt sich kaum spekulieren, so lange nicht wenigstens der Preis und die Tarife bekannt sind.
Recounter (13.04.2010, 21:46 Uhr)
BILL GEHTS noch?
Mal ganz ehrlich... Da muss ich stern.de voll und ganz recht geben! Vom Design her sehn die beiden KIN's wie ne Kloschüssel aus und um das Ding (einen höher geschätzten Begriff hat dieses "Ding" wohl auch nicht verdient) bedienen zu können muss man entweder ne Woche mit lesen einer Anleitung verbringen oder Bill Gates höchst persöhnlich sein... Sorry aber mal ganz ehrlich mit son nem Ding rumzulaufen wär mir persöhnlich echt peinlich^^ Microsoft kloppt zwar seine Hard- und Software über und über mit Funktionen voll, die aber dann einfach schlecht laufen... Apple setzt hingegen auf Einfachheit sowohl beim Design als auch bei der Software - Mit Anmerkung diese funktionieren dann aber auch TOP!!!
Motzerator (13.04.2010, 21:25 Uhr)
Apple ist der neue Buhmann der Branche!
Die interessanten Details zu Apple werden gerne verschwiegen, beispielsweise das Apple seine Monopolstellung im iPhone Markt in einer Art und Weise ausnutzt, die sich Microsoft niemals getraut hätte.

Gegen Microsoft wurden Milliardenklagen angestrengt und Kartellwächter traten auf den Plan, nur weil Microsoft den Internet Explorer gratis zu Windows dazu gab und es so einen Wettbewerbsnachteil für Opera, Mozilla und Co. gab.

Wann fällt der EU mal auf, das Apple hier viel weiter geht? Auf dem iPhone dürfen andere Browser gar nicht erst in den Appstore, solange sie nicht die Webkit Engine von Apple verwenden.

Wo bleiben die Milliardenklagen gegen Apple?
jjde (13.04.2010, 21:17 Uhr)
Aha
Mit Verlaub, was ist das denn für ein Artikel?
Wer bei einem Blick auf die "Nutzeroberfläche" der beiden Spassphones an Arbeit denkt, hat wohl ein bisschen lange vor seinem Apple Computern gesessen. Klar sind die bisherigen Versuche von MS im Telephongeschäft sehr business-lastig, das sollte ja aber wohl auch so sein. Bei den beiden KINs kann davon aber wohl keine Rede sein. Also vieleicht erst mal nen Blick auf Telefon werfen bevor man losschreibt.
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