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21. November 2011, 21:55 Uhr

Amazons Abwehrschlacht gegen Google und Apple

Sie machen dem Online-Händler das Geschäft mit digitalen Inhalten streitig. Gerade auf mobilen Geräten sind Angebote von Google und Apple allgegenwärtig. Mit einem eigenen Smartphone könnte Amazon den Spieß umdrehen - trotz einiger Risiken. Von Nora Schlüter

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Amazon-Chef Jeff Bezos betrachtet das Kindle Fire nicht als Tablet, "sondern als Dienstleistung"© Emmanuel Dunand/AFP

Dieses Weihnachten kommt Amazon teuer zu stehen. Mehr als eine halbe Million Vorbestellungen für das Tablet des Onlinehändlers, den Kindle Fire, sind bisher eingegangen. An jedem Gerät macht der Konzern nach Schätzungen des IT-Marktforschers iSuppli rund zwei Euro Verlust. Doch Amazon-Chef Jeff Bezos schert sich nicht um Hardwaremargen: "Wir sehen den Kindle Fire nicht als Tablet. Wir sehen ihn als Dienstleistung." Als mobilen Einkaufswagen, der seine Besitzer in treue und spendable Amazon-Kunden verwandelt. Im nächsten Schritt, unken die Analysten der Citigroup, werde der Internethändler im kommenden Herbst ein eigenes Smartphone vorstellen.

Immer mehr Menschen nutzen ihr Handy oder Tablet zum Einkauf im Netz. Der Marktforscher Gartner prophezeit, dass Händler ab dem Jahr 2015 mehr Umsatz über mobile Anwendungen machen werden als über klassische Internetshops. Gewinner dieser Entwicklung sind jene Anbieter, die das Shoppen auf Smartphones und Tablets besonders bequem gestalten - und deren Angebote allgegenwärtig sind.

Integration ist das A & O

Gut gerüstet sind Konzerne wie Google und Apple, deren Dienste nahtlos ins Betriebssystem integriert sind. Sie konkurrieren mit Amazon beim Verkauf digitaler Inhalte und bei Webdiensten. Apple betreibt unter anderem den Internetshop iTunes, der Musik und Videos anbietet, und die iCloud, die Daten im Netz speichert und verwaltet. Google, Urheber der weltweit erfolgreichsten Smartphone-Plattform Android, hat vergangene Woche mit Google Music ein eigenes Musikangebot vorgestellt. "Um mit Diensten von Google oder Apple zu konkurrieren, müssten Amazons Anwendungen und Dienste idealerweise auf den Geräten vorinstalliert und in die Nutzerführung integriert sein", sagt Tim Shepherd vom Marktforscher Canalys. Beim Kindle Fire ist genau das der Fall.

Bisher ist Amazon die uneingeschränkte Nummer eins unter den Internethändlern. 43,6 Mrd. Dollar setzte der Konzern in den vergangenen zwölf Monaten um. Amazons Management stört es jedoch enorm, dass andere in ihrem Revier wildern. Bereits im August vergangenen Jahres zitierte die "New York Times" eine anonyme Quelle mit den Worten, der Vorstand werde alles tun, um sicherzustellen, dass Amazon eine führende Rolle beim Verkauf digitaler Inhalte spiele. Auch ein eigenes Smartphone werde nicht ausgeschlossen.

Wettbewerb bei Smartphones härter als bei Tablets

Ein aktueller Bericht der Citigroup gibt diesen Gerüchten neue Nahrung. Man habe sich bei den taiwanischen Zulieferern umgeschaut, schreiben Mark Mahaney und Kevin Chang, und gehe davon aus, dass Amazon im vierten Quartal nächsten Jahres ein Smartphone auf den Markt bringen werde. Die Herstellungskosten schätzen die Analysten auf 150 bis 170 Dollar. Sie schreiben: "Angesichts des großen Erfolgs des E-Readers Kindle in den letzten drei Jahren und des möglichen Erfolgs des Kindle Fire im unteren Preissegment des Tablet-Marktes sehen wir dies als nächsten logischen Schritt für Amazon." Der Kindle Fire gilt wegen seines attraktiven Preises als erster ernst zu nehmender Konkurrent für Apples iPad.

Der Wettbewerb bei Smartphones ist härter als bei Tablets. Doch auch hier könnte sich Amazon dank seines breiten Angebots an Diensten - der Konzern betreibt unter anderem eine eigene Plattform für Android-Apps - und seiner aggressiven Preispolitik durchsetzen. "Es ist wichtig festzuhalten, dass Amazon nicht an der Hardware verdienen muss", schreiben die Analysten der Citigroup. Was dem Konzern allerdings fehlt, sind Beziehungen zu den Mobilfunkbetreibern - eine Schwäche, die bereits Google zum Verhängnis wurde. Dessen erstes Handy Nexus One wurde nur übers Internet vertrieben. Es floppte.

Ob der Einstieg ins Smartphone-Geschäft für Amazon lohnt, entscheidet sich letztlich daran, wie viel der Konzern mit Besitzern eines Amazon-Handys umsetzt. "Ich denke, auf einem Handy kann man weniger Inhalte konsumieren als auf einem Tablet", sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. "Daher wird ein Handy wahrscheinlich weniger Umsatz mit Inhalten und Diensten generieren." Forrester-Analyst Thomas Husson sieht den Ausbau des Amazon-App-Store und anderer übers Netz angebotener Dienste als vielversprechendere Möglichkeit. Amazon könne - und müsse - ein komplettes Ökosystem für mobile Geräte schaffen.

Ähnliches versucht Amazons Konkurrent Ebay. Mit dem Bezahldienst Paypal will Ebay das Handy zur digitalen Geldbörse ausbauen. Die neue Plattform X-Commerce ermöglicht es Softwareentwicklern, Onlineshops einfach mit Ebay und anderen Plattformen wie Paypal zu verbinden. Im Oktober hatte der Konzern verkündet, in diesem Jahr werde er beinahe fünf Milliarden Dollar Umsatz über mobile Anwendungen machen.

Gefunden in ...

Gefunden in ... ... der Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland"

Von Nora Schlüter
 
 
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