Bulimie-Kranke leiden regelmäßig unter Essattacken. Sie schlingen in Windeseile mehr Nahrungsmittel herunter, als Gesunde in der gleichen Zeit schaffen würden, und viel mehr, als sie selbst für angemessen halten. Wer unter Ess-Brech-Sucht leidet, kann diese Anfälle nicht kontrollieren. Weil die Betroffenen panische Angst vor Übergewicht haben, versuchen sie nach einem Fressanfall, die Kalorien wieder los zu werden. Viele erbrechen sich regelmäßig, andere schlucken Abführmittel oder treiben exzessiv Sport. Frauen leiden zehn Mal häufiger unter Bulimie als Männer. Anders als Magersüchtige sind Bulimikerinnen meist normal- oder leicht übergewichtig.
Typisch für die Ess-Sucht sind regelmäßig auftretende Ess-Anfälle, bei denen die Betroffenen riesige Mengen Essen in sich hinein stopfen. Sie können diese Anfälle nicht kontrollieren, kennen kein Gefühl für Hunger oder Sättigung und hören erst dann auf, wenn der Bauch schmerzt. Anders als Bulimie-Kranke versuchen Ess-Süchtige nicht, die Dickmacher durch Erbrechen, Sport oder Medikamente wieder los zu werden. Deshalb nehmen Ess-Süchtige mit der Zeit immer mehr zu.
Vor rund zehn Jahren definierte ein US-amerikanischer Arzt eine neue Ess-Störung: die Orthorexie, die krankhafte Fixierung auf gesunde Ernährung. Wer darunter leidet, dem geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität der Nahrungsmittel. Orthorektiker sind Experten in Sachen Ernährungs- und Warenkunde. Sie wissen, welche Vitamine Sojamilch enthält, wie viel Natrium in Bio-Lauch steckt und definieren sehr streng, was sie für gesund halten. Diese Regeln einzuhalten, wird für die Betroffenen zum Zwang und bestimmen ihren Tagesablauf. In der Fachwelt ist Orthorexie bis heute nicht als Krankheit anerkannt.
Nina Buschek