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Benedict Cumberbatch als Transgender-Model, das nervt die Community

Der Vorwurf ist eigentlich immer der gleiche: Wenn jemand etwas darstellt, was er nicht ist, und sich darüber lustig macht, ist es blackfacing. Aber ärgert sich die Transgender-Community zu Recht über die Besetzung in "Zoolander 2"?

Schauspieler Benedict Cumberbatch mit langem schwarzem Haar und geschminkt

Transgender-Supermodel All, gespielt von Benedict Cumberbatch, in "Zoolander 2"

Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen der albernsten, witzigsten, großartigsten Filme, die Sie je in Ihrem Leben gesehen haben. Genau. Es ist fast 15 Jahre her und war " Zoolander" mit Ben Stiller und Owen Wilson. Gnadenlos nehmen die beiden Schauspieler darin alles auf die Schippe, in allererster Hinsicht sich selbst. Ben Stiller spielt die Hauptrolle: das bekannteste männliche Model der Welt namens Derek Zoolander, das nur einen einzigen Gesichtsausdruck beherrscht und doof wie Brot ist. Ein typisches Klischee aus der Modelwelt, das jeder kennt. Worüber auch Models lachen.

Warum ist das jetzt wichtig?

Derzeit wird an "Zoolander 2" gedreht und der Trailer für den Film, der 2016 in die Kinos kommt, lässt vermuten, dass es sich dabei um die konsequente Fortsetzung des Riesenklamauks handelt. Zoolander ist alt geworden, die Modelwelt hat sich verändert, und er ist kein gefeierter Star mehr, sondern nur noch ein Witz. Mit der neuen Konkurrenz kann Zoolander nichts anfangen, wie gesagt, der hellste Stern am Himmel ist er eben nicht. Das weltgrößte Supermodel ist aktuell ein Transgender-Model Namens All, das von Benedict Cumberbatch gespielt wird. Bei ihrer ersten Begegnung fragt Zoolander: "Bist du ein männliches oder ein weibliches Model?" "All is all", bekommt er zur Antwort, "All ist alles." Zoolanders Sidekick Hansel McDonald (Owen Wilson) präzisiert die Frage: "Ich glaube, er meinte: Hast du 'n Hot Dog oder 'n Brötchen?" All lässt einem dümmlichen Gekicher ein "Oups" folgen und hebt scheinbar beschämt die Hand vor den Mund. Aber sehen Sie selbst.

Und wegen der oben erwähnten Szene gibt es Ärger. Ein User des Online-Petitions-Portals Care 2 namens Sarah Rose ruft "wegen seiner beleidigenden Darstellung nicht binärer Individuen" zum Boykott des Filmes auf. "Cumberbatchs Charakter wird eindeutig übertrieben dargestellt, als comichafte Verspottung von androgynen/trans/nicht binären Individuen", belegt Sarah Rose die Empörung. Durch das Engagement eines echten Transgender-Menschen wie des australischen Models Andreja Pejic hätten Produzent und Drehbuchautor eine Plattform für gesellschaftliche Kommentierung bieten können. Durch die Besetzung mit Cumberbatch aber, sei "All" "ein modernes Äquivalent zum Blackfacing, um eine Minderheit zu repräsentieren". In den Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts malten sich weiße Darsteller die Gesichter schwarz an und spielten Afroamerikaner. "Durch das Engagement eines Cis-Schauspielers, um eine Transgender-Rolle in eindeutig negativer Weise darzustellen, bestätigt der Film eine verletzende und gefährliche Wahrnehmung der Queer-Community insgesamt", fürchtet Sarah Rose. 

Es geht nicht um den Humor

Sarah Rose kritisiert die Tatsache, dass ein Mann ein Transgender-Model spielt. Aber ist es nicht üblich, dass Schauspieler etwas darstellen, was sie nicht sind? Schauspielerinnen werden als lesbische Frauen besetzt, auch wenn sie zu Hause Mann und Kind haben (Maria Schrader in "Aimée & Jaguar). Schwule Schauspieler stellen die sexbesessensten Schürzenjäger dar, auch wenn sie zu Hause Mann und Kind(er) haben (Neil Patrick Harris als Barney Stinson in "How I met your mother"). Andreja Pejic ist ein wunderschönes Model, das bestimmt auch mühelos eine Schauspielrolle übernehmen könnte. Aber "Sherlock Holmes" mit langem schwarzem Haar hysterisch kichernd zu sehen, entspricht dem Humor-Niveau von "Zoolander" deutlich besser.

Mit der Petition hat Sarah Rose versucht, 12.000 Unterzeichner zu finden. 11.431 hat sie bereits – und die Zahl steigt.

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