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Der verzweifelte Wunsch nach einem Baby

Die finnische Fotografin Elina Brotherus hat jahrelang dokumentiert, wie sie versucht, schwanger zu werden. Ihre Monografie "Carpe Fucking Diem" kommt ohne Worte aus – doch die Traurigkeit, die sie zeigt, wirkt ansteckend.

Von Susanne Baller

  Annonciation, 2009

Annonciation, 2009

Manche Frauen haben einmal Sex und zack sind sie schwanger. Manche Frauen wünschen sich sehnlichst ein Kind, doch es will einfach nicht klappen. So erging es auch der Finnin Elina Brotherus. Die Fotografin und Videokünstlerin, die 1972 in Helsinki geboren wurde, sorgte bereits Ende der 1990er Jahre mit ihren Selbstporträts für Aufmerksamkeit. In ihrem neuen Buch "Carpe Fucking Diem", das im Kehrer Verlag erscheint, dokumentiert sie sehr eindringlich die Zeit zwischen 2008 und 2013, als sie versuchte, schwanger zu werden.

Wie ein visuelles Tagebuch liest sich die unkommentierte Monografie aus Fotografien, die voller Verzweiflung, Trauer und gelegentlich auch Wut steckt. Das Herzstück, die Serie "Annonciation", Ankündigung, enthält die Mühen, die Brotherus für ein Baby auf sich genommen hat. Kalenderblätter mit Zyklusdaten ermöglichen dem Betrachter die Einordung über die Jahre. Mit Medikamenten, Hormonen und Spritzen, die sie sich selbst in den Bauch setzt, versucht die Fotografin, ihre Eierstöcke zu stimulieren und ihre Fruchtbarkeit zu verbessern. Sex ist kein spontaner Akt, kein Ausdruck von Liebe und Lust mehr, sondern eine Übung nach Stundenplan und Eisprung. Der Kinderwunsch steht über allem – und überschattet alles.

Einsam trotz Mann und Hund

Brotherus' Aufnahmen entstanden an unterschiedlichen Plätzen, in Finnland, den USA, Kambodscha und an verschiedenen Orten in Frankreich. Bildertitel wie "Die Letzte in meiner Linie" oder "Allein" sind kaum notwendig und befinden sich deswegen in der Reihenfolge ihres Abdrucks am Ende des Buches. Auch ohne sie schafft die Fotografin es, durch die Art der Inszenierung sowie durch ihre Haltung und ihren Gesichtsausdruck ihr Innenleben sichtbar zu machen. Ihre Einsamkeit springt den Betrachter sofort an.

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist auch heutzutage noch ein Thema, mit dem Paare so gut wie nie offen umgehen. Mehr als 50 Prozent der Frauen ab 35 nutzen künstliche Befruchtung. 0,5 bis 1,4 Millionen Paare sind in Deutschland ungewollt kinderlos.

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