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Pornfelder vom Mann mit Hut

Teil 1: Lukas Krauß' Markenzeichen ist sein Hut. Sein Motto ist Sex, Wine and Rock 'N Roll. Mit seinem Pornfelder provoziert er Traditionswinzer und nutzt die sozialen Medien für geniales Marketing.

Von Denise Wachter

  Lukas Krauß und sein Pornfelder. Satte Farbe, solider Geschmack. Mal sehen wie der nächste Jahrgang schmeckt.

Lukas Krauß und sein Pornfelder. Satte Farbe, solider Geschmack. Mal sehen wie der nächste Jahrgang schmeckt.

Lukas Krauß (26) ist heute Winzer aus Leidenschaft. Das war nicht immer so. Denn als er mit 16 Jahren vom Gymnasium abging, blieb ihm fast nichts anderes übrig, als Winzer zu werden. Seine Noten ließen zu wünschen übrig und er hatte keinen wirklichen Biss, etwas anderes zu lernen. Papa Harald Krauß hatte bereits ein Weingut in der Pfalz und verkauft bis heute seinen eigenen Wein, hauptsächlich regional und vor allem Schorlenweine. Deshalb war es bequem für Lukas Krauß, in die Winzerlehre einzusteigen.

Bei Lukas Krauß, Vater von zwei Kindern, ist der Funke erst spät übergesprungen. Erst im dritten Lehrjahr beim Weingut Müller-Catoir entdeckte er seine Faszination für Wein. Seitdem macht Krauß Wein mit Herz und Blut - und ist dabei ein Vermarktungsgenie.

Hüte als Markenzeichen

Sein Markenzeichen ist der Hut, den er täglich trägt. Er hat fünf verschiedene Hüte und fünfzehn Mützen, ohne Kopfbedeckung geht er nicht zur Arbeit - eine Marotte, die er konsequent durchzieht, bis hin zu den Etiketten seiner Weine: "vom Mann mit Hut" ist dort zu lesen.

Seine Weine unterteilt Krauß nicht etwa in Lagen - also nicht in Guts-, Orts- oder Lagenweine, und auch nicht in Qualitätswein, Kabinett oder Spätlese. Er hat seine eigene Einteilung geschaffen: Hüte. "Ein Hut" steht für klassischen Trinkgenuss. Solide frische Weine, die sortentypisch schmecken. "Zwei Hüte" stehen für experimentelle, kräftige Weine, die sehr würzig und nach Kräutern schmecken. "Drei Hüte" gibt es noch nicht - diese Wertung lässt er bewusst offen. "Ich bin noch nicht so weit", sagt er.

Seit fünf Jahren macht er schon seinen eigenen Wein im Betrieb seines Vaters. Im ersten Jahrgang produzierte er 1.000 Flaschen und dachte sich: "Wer soll die denn trinken?". So ging es ihm auch noch, als er schon 10.000 und 20.000 Flaschen abfüllte und erfolgreich verkaufte. Mittlerweile vertreibt er um die 30.000 Weine.

Anfangs, 2009 in der Berufsschule, hörte er einen Vortrag der Marketingagentur "Medienagenten" aus der Pfalz, die sich auf Design spezialisiert haben. Krauß malte ein Strichmännchen mit Hut, der auf einem Stein sitzt und Wein trinkt. Zeigte es den Jungunternehmern der "Medienagenten". Die fügten noch ein großes, spiegelverkehrtes Eszett hinzu und fertig war sein Logo. "Solche Etiketten waren damals, für 2009, ziemlich outstanding", so Krauß.

  Das sind die Weine vom Mann mit Hut. Mit seinem unvergleichlichen Logo.

Das sind die Weine vom Mann mit Hut. Mit seinem unvergleichlichen Logo.

Pornfelder als Marketingstrategie

Seitdem zieht sich die Arbeit und der Style der Medienagenten wie ein roter Faden durch die Vermarktung der Weine von Lukas Krauß. Den größten Coup landeten sie mit einem Rotwein, der vor allem mit seinem Namen für Furore sorgte: der Pornfelder, ein Verschnitt aus Portugieser und Dornfelder. "Der läuft wie geschnitten Brot", sagt Krauß.

Nach eineinhalb Monaten waren die 3.000 Flaschen Pornfelder bereits ausverkauft. Der nächste Jahrgang ist aber schon auf dem Weg. "Ich weiß auch nicht, ob das "sex sells" ist oder was das ist. Auf jeden Fall hatten wir noch nie einen Wein, der sich so gut verkauft hat." Das Etikett zieren zwei leicht bekleidete Damen in Strapsen, die mit den Trauben spielen. Den Kick-Off hatte der Pornfelder auf der diesjährigen ProWein (internationale Weinfachmesse) in Düsseldorf. In einer Art Guerilla-Weinprobe lief Lukas Krauß herum und schenkte seinen Pornfelder auf den Gängen direkt aus der Manteltasche aus, was den Traditionswinzern insofern nicht schmeckte. Denn sie mussten für ihren Weinstand bezahlen, er hatte keinen. Krauß hingegen landete mit seiner Aktion einen vollen Erfolg. Der Pornfelder war nicht nur sinnbildlich in aller Munde.

  Das Etikett des Pornfelders. Leicht bekleidete Damen als Verkaufsschlager?

Das Etikett des Pornfelders. Leicht bekleidete Damen als Verkaufsschlager?

"Facebook bringt mega was"

Facebook war ein wichtiger Kanal für die Vermarktung. Denn da wurde das Geheimnis um den Pornfelder Stück für Stück gelüftet. "Du musst Dinge auf den Markt werfen, die Aufmerksamkeit bringen. Der Wiedererkennungswert durch Facebook bringt mega was", so Krauß. Was ihm sonst an den sozialen Netzwerken gefällt, ist der Austausch. Man müsse sich auseinandersetzen, interagieren und sich einklinken in die Diskussion.

Der Pornfelder ist auf jeden Fall das "It-Girl" unter den Weinen. Der Geschmack ist solide, die Vermarktung groß. Dieser Wein fällt definitiv in die Kategorie "Mainstream", wobei der Jahrgang 2013 deutlich besser schmeckt als sein Vorgänger. Mit dem richtigen Dreh kann der Pornfelder vielleicht sogar überleben - und bleibt nicht nur ein Marketingwunder.

Rock 'N Roll und Pop-Up-Wein

Krauß ist anders als viele andere Winzer. Er ist das Gespräch mit der Presse gewöhnt und gibt sich ziemlich lässig. Dabei geraten die Weine fast zur Nebensache. Während andere ihre Keller oder Tanks zeigen, spricht er von seiner Vermarktung und seinen Etiketten. In kurzer Hose und Fleecejacke darf natürlich sein Markenzeichen nicht fehlen: Er trägt einen Rockabilly-Kordhut - angelehnt an den Rock 'N Roll der 50er Jahre.

Doch sein Outfit ist nicht aufgesetzt. In seiner Freizeit hört er klassischen Rock 'N Roll, am liebsten alte LPs von Eric Burdon. Den Rock nimmt er auch in seine Veranstaltungen mit. Pop-Up-Weinbergfeste findet er genauso spannend wie das Experimentieren mit Wein. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass er seinen Bus mit Wein belädt, ein paar Leuten Bescheid sagt und eine Open-Air-Weinverkostung organisiert. Natürlich nicht ohne den Pornfelder im Gepäck. Ein bisschen verrückt, aber nicht ohne Kalkül. Er weiß: Darüber wird gesprochen.

Krauß kann mehr als nur Pornfelder

Würde Krauß nur diesen einen Wein machen, wäre sein Erfolg an einem Miley-Cyrus-Song zu messen und würde nach dem Hype schnell abflauen. Doch da sind noch die anderen Weine. Hauptsächlich baut er Silvaner, Grüner Veltiner und Portugieser an, aber auch Riesling, Müller-Thurgau und Kerner. Einen Weißweincuvée nennt er sogar "Chapeau Krauß", ein leichter, frischer Verschnitt aus Kerner, Müller-Thurgau und Silvaner - sogar hier findet sich seine Hut-Symbolik wieder.

Dann gibt es noch den Silvaner mit "zwei Hüten". Der haut einen schon beim ersten Schluck von den Socken: kräftige Chai-Gewürze, Kardamon, Nelken, Fenchelsamen und ein Hauch Banane sind herauszuschmecken. Und dann weiß man, dass die Weine von Lukas Krauß nicht nur Mainstream sind. Wenn das nur „2 Hüte“ sind, darf man sich noch auf das freuen, was vielleicht einmal „3 Hüte“ sein werden.

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