Fakt ist: Wir bleiben unser Leben lang sexuelle Wesen, wir haben - mit den Jahren schwächer werdende - erotische Fantasien, Wünsche und Empfindungen. Einer neueren Studie zufolge verspüren unter den 75-Jährigen noch 61 Prozent der Frauen und 58 der Männer regelmäßig sexuelles Verlangen.
Ob sie dieses Verlangen auch ausleben, hängt nicht so sehr von ihren alternden Zellen ab. Sondern von individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen, als da sind:
Jenseits der 60 erfreuen sich immerhin noch knapp 40 Prozent eines Sexuallebens. Mit den weiteren Jahren werden es allmählich weniger, vor allem bei den Frauen. Die Mehrheit der Seniorinnen hat zwar bis Ende 70 sexuelle Wünsche und Fantasien. Trotzdem gaben bei einer Befragung von über 60-Jährigen nur 25 Prozent an, sexuell aktiv zu sein. Bei den gleichaltrigen Männern waren es dagegen 58 Prozent.
Die Gründe für dieses große Gefälle sind auch gesellschaftlicher Natur: Frauen werden im Schnitt sieben Jahre älter als Männer, jenseits der 65 herrscht also - aus weiblicher Sicht - Männermangel. Außerdem zieht es die älteren Herren häufig zu jüngeren Partnerinnen, das verschärft die Mangelsituation für reifere Damen noch. So sind denn auch drei Viertel der 75- bis 79-jährigen Männer verheiratet, aber nur 38 Prozent der gleichaltrigen Frauen.
Erschwert wird die Suche nach einem Mann noch durch den sogenannten "double standard of aging", das heißt, an die älter werdende Frau werden andere Maßstäbe angelegt als an den älter werdenden Mann. Der gilt mit seinen grauen Schläfen à la George Clooney nämlich als attraktiv, die ebenso agile Altersgenossin dagegen wird als nicht mehr jung und damit als sexuell unattraktiv wahrgenommen. Und so sehen viele dieser Frauen sich dann auch selbst. Manche bleiben nach dem Tod des Partners oder nach einer Trennung aber bewusst Single: Sie haben jahrelang lustlos mit ihrem Mann geschlafen und sind froh, endlich keine sexuelle Verpflichtung mehr zu haben.
Im Prinzip ist es bei der Liebe im fortgeschrittenen Alter wie bei der Liebe in jedem Alter: Offenheit und Vertrauen steigern die Lust. Wer freimütig über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse spricht, ist zufriedener. Männern raten Sexualtherapeuten, ihr Selbstwertgefühl nicht davon abhängig zu machen, ob mit dem besten Stück alles so läuft und steht wie früher. Den eigenen Körper mit seinen Veränderungen anzunehmen, ist für Männer wie Frauen die beste Voraussetzung für eine befriedigende Sexualität.