In den Wechseljahren stellt sich der Körper der Frau um: Der Anteil der weiblichen Botenstoffe, der Östrogene sinkt, die im weiblichen Organismus ebenfalls vorhandenen "männlichen" Sexualhormone werden zwar auch weniger, schwinden aber langsamer und gewinnen so vergleichsweise an Bedeutung. Das wirkt sich auch auf die Geschlechtsorgane aus. So kann das Fettgewebe unter dem Schamhügel und in den großen und kleinen Schamlippen abnehmen. Die Scheide dehnt sich dann nicht mehr so leicht und kann in Länge und Breite etwas schrumpfen. Ihre Wände sind nicht mehr so stark durchblutet, die Vagina und die äußeren Geschlechtsorgane, die Vulva, werden zarter und empfindlicher.
Außerdem ist die Scheide nicht mehr so feucht wie früher, und es dauert länger, bis sie bei sexueller Erregung genug Gleitflüssigkeit bildet. Normalerweise reicht diese aus, um unbeschwert die Lust zu genießen. Eine Studie zeigt, dass ältere Frauen, die über Schmerzen beim Liebesakt klagten, meist nicht erregt genug waren. In jüngeren Jahren hatte ihnen das nichts ausgemacht, weil ihre Scheide damals auch ohne Erregung feucht genug wurde, um schmerzfreien Sex zu haben.
Die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erleben, verliert sich mit dem Alter nicht - auch wenn die Kontraktionen, also das rhythmische An- und Entspannen der Muskeln, weniger zahlreich sind und sanfter verlaufen.
Weil die Scheidenwand dünner wird, kann sie Blase und Harnröhre beim Geschlechtsverkehr nicht mehr so gut vor den Bewegungen des Penis schützen. Das führt unter Umständen zu einer sogenannten Reizblase. 13 Prozent aller älteren Frauen leiden darunter, allerdings ist nicht immer die erotische Begegnung der Auslöser. Die Betroffenen können den Harn nicht mehr richtig halten, müssen häufig auf die Toilette und lassen mitunter beim Sex unfreiwillig ein paar Tropfen Urin. Manche Seniorin verliert auch einfach die Lust an der Liebe, weil sie beim Geschlechtsverkehr Schmerzen hat - im Unterbauch, in der Scheidenöffnung oder im Innern der Scheide. Sieben Prozent der verheirateten älteren Frauen haben während oder auch nach dem Sex solche Beschwerden. Mediziner sprechen dann von Dyspareunie - lax übersetzt: Es läuft was falsch im Bett.
Die Ursachen können manchmal Frauenärzte klären. Etwa wenn sie Pilze in der Scheide feststellen, Verwachsungen nach Operationen oder Entzündungen. Meist aber existieren zusätzlich seelische Gründe: Wenn eine Frau, etwa wegen einer Scheidenentzündung, den Geschlechtsverkehr mehrere Male als schmerzhaft erlebt hat, fürchtet sie sich beim nächsten Mal davor. Ihre Vagina wird dann nicht mehr feucht genug, und es tut wieder weh. So setzt sich die Schmerz-Angst-Spirale fort. Aber auch rein seelische Ursachen wie Schuldgefühle, Ängste, Spannungen und Konflikte mit dem Partner können die Freude am Sex verderben.
Generell gilt: Wenn immer wiederkehrende Schmerzen die Liebe zur Last werden lassen, sollte zunächst die Frauenärztin nach körperlichen Gründen suchen. Gibt es keine, kann ein Sexualtherapeut sich der Seele annehmen.