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8. Dezember 2009, 18:48 Uhr

Zuckerbomben für die Kinder

Wer kennt nicht die Slogans, die Milchprodukte für Kinder bewerben? Leicht und gesund sollen die sein. Eine neue Untersuchung zeigt: Eltern sollten das nicht glauben. Von Christoph Schäfer

Ernährung, gesunde Ernährung, Ferrero, Ferero, Milchschnitte, dick, OECD

Vorsicht, Zuckerfalle: Ein Test der Verbraucherorganisation Foodwatch hat zahlreiche versteckte Dickmacher unter Kinderprodukten ausgemacht© Foodwatch

Süßigkeiten sind schlecht für den Nachwuchs: Sie greifen die Zähne an und machen dick. Viele Eltern greifen deshalb mit ruhigem Gewissen auf Alternativen zurück, die sie aus der Werbung als "gesund", "leicht" und "mit viel Milch" kennen. Das sollten sie besser lassen, denn die Realität hält vielfach nicht, was die bunten Slogans versprechen.

Eine neue Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt, dass viele Kindersüßwarenprodukte weder gesund noch leicht sind, sondern viel zu viel Zucker enthalten. "Scheinbar gesunde Milchprodukte für Kinder sind meistens keine leichten Zwischenmahlzeiten, sondern klebrige Süßigkeiten", erklärt Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Ihr Kollege Martin Rücker ergänzt auf Nachfrage von stern.de: "Bei diesen Produkten muss man häufig davon ausgehen, dass es Süßigkeiten zum Löffeln oder zum Trinken sind."

Als größte Zuckerbombe im Kühlregal hat Foodwatch den Schokoriegel "Kinder Choco Fresh" von Ferrero angeprangert (siehe Fotostrecke). Der Riegel enthalte 39,7 Prozent Zucker und damit fast vier Mal so viel wie Coca Cola, erklärte die Organisation am Dienstag in Berlin. Zudem solle niemand darauf verweisen, dass die kritisierten Produkte eben viel Milch und damit zwangsläufig auch Milchzucker enthalten. "Der Bauchspeicheldrüse ist es egal, wo der Zucker herkommt, dick macht er in jedem Fall", so Verbraucherschützer Rückert. Gerade bei Ferrero-Produkten komme häufig noch ein hoher Fettanteil hinzu: "Die Milchschnitte ist ähnlich gehaltvoll wie Schoko-Sahnetorte - und die würde auch niemand als Zwischenmahlzeit empfehlen."

Anzahl fettleibiger Mädchen hat sich verdoppelt

Obwohl Ferrero im Negativ-Ranking gleich die ersten vier Plätze belegt, geben sich auch Produkte zahlreicher prominenter Konkurrenzfirmen die Ehre. Bauer und Dr. Oetker sind ebenso vertreten wie Ehrmann und Danone. Bauer wollte auf Nachfrage von stern.de keine Stellung zur Foodwatch-Studie nehmen. Ferrero hingegen erklärte, Foodwatch argumentiere "sehr einseitig". Die kritisierten Produkte seien "wie jede Süßigkeit Genussprodukte und werden von unseren Konsumenten als solche wahrgenommen". Es gebe zahlreiche andere Süßigkeiten wie Schokolade, die einen vergleichbaren oder sogar höheren Zuckerwert aufwiesen. Auch müsse berücksichtigt werden, dass die monierten Lebensmittel im Vergleich zu anderen Süßigkeiten kleiner portioniert seien. Schlicht falsch sei, dass die Milchschnitte ähnlich viel Fett enthalte wie Schoko-Sahnetorte.

An einem allerdings gibt es keine Zweifel: Deutschlands Kinder werden tatsächlich immer dicker. Das zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurde. Demnach hat sich der Anteil fettleibiger 15-jähriger Mädchen innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Waren im Jahr 2001 noch 5,5 Prozent der Mädchen betroffen, stieg der Anteil bis 2006 auf elf Prozent. Damit erhöhte sich der Anteil der besonders dicken Mädchen so schnell wie in fast keinem anderen OECD-Land. Bei den 15-jährigen Jungen waren in Deutschland 16 Prozent fettleibig, rund zwei Prozentpunkte mehr als Anfang des Jahrtausends.

"Wir sehen eine Mitverantwortung der Hersteller"

Zweifellos sind für diese Entwicklung nicht nur die von Foodwatch angeprangerten Produkte verantwortlich. Zu wenig Sport, zu viel Fernsehen und zu wenig Bewegung im Freien setzen zwangsläufig Pfunde an. Doch das darf keine Entschuldigung sein: "Wir sehen eine Mitverantwortung der Hersteller", erklärt Foodwatch zur OECD-Studie.

Die Verbraucherorganisation fordert daher klare Nährwertangaben auf den Produkten, am besten mit der Ampelkennzeichnung. Zudem müssten die Werbung aufrichtiger und die Verheißungen der Verpackungen ehrlicher werden. Laut Foodwatch sind die wahren Zuckerbomben nämlich oft gerade jene, "die man eben nicht als Süßigkeiten versteht".

Von Christoph Schäfer
 
 
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