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Das sollten Sie über Thrombosen wissen

Thrombosen sind eine Krankheit, die nicht nur Senioren betrifft: Auch junge Menschen entwickeln Blutgerinnsel in den Gefäßen, die lebensgefährliche Komplikationen verursachen können. So deuten Sie die Symptome richtig.

  Warnzeichen Wadenschmerz: Anhaltende Schmerzen im Bein können durch eine Thrombose hervorgerufen werden.

Warnzeichen Wadenschmerz: Anhaltende Schmerzen im Bein können durch eine Thrombose hervorgerufen werden.

Wenn der Fußknöchel anschwillt, die Wade schmerzt oder sich die Haut des Beins bläulich verfärbt, denken viele Menschen zunächst an eine Sportverletzung. Sie tun die Symptome als Muskelkater oder Zerrung ab. Vielleicht ist man auch falsch aufgetreten oder hat sich den Knöchel verdreht, ohne es zu merken. Kann ja mal passieren.

Tatsächlich können diese scheinbar harmlosen Symptome auch auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen: eine Thrombose, ein Blutgerinnsel, das sich in einem Gefäß bildet und dieses verstopft. "Der Pfropf kann Symptome verursachen, die denen eines Muskelkaters oder Muskelkrampfs ähneln", sagt Rupert Bauersachs von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA). "Patienten nehmen diese Beschwerden zwar wahr, verdrängen sie teilweise aber, da sie als harmlos erachtet werden."

Thrombose - das unterschätzte Risiko

Handelt es sich jedoch tatsächlich um eine Thrombose, bedarf diese dringend einer Behandlung. Sonst besteht die Gefahr, dass sich ein Teil des Pfropfens löst und mit dem Blutstrom in die Lunge wandert. Dort kann sich das Gerinnsel festsetzen und lebenswichtige Gefäße verschließen. Mitunter werden Teile der Lunge nicht mehr ausreichend durchblutet, und der Patient bekommt Atemnot. Diese sogenannte Lungenembolie tritt etwa bei jedem zweiten Patienten mit Thrombose auf und kann lebensbedrohlich sein. Zwischen 40.000 und 100.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen, schätzt das Aktionsbündnis Thrombose. Damit ist die Lungenembolie die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung - nach Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das Risiko, eine Thrombose zu entwickeln, steigt mit zunehmendem Alter. "Ab etwa 50 Jahren nimmt es deutlich zu", erklärt Bauersachs. In dieser Altersgruppe entwickelt etwa einer von Tausend Menschen einen Venenthrombus. Ab 70 Jahren ist rund eine von Hundert Personen betroffen.

Neben dem Alter spielen weitere Faktoren eine Rolle: Übergewichtige, herzschwache Menschen oder solche mit ausgeprägten Krampfadern gehören zu der Risikogruppe. "Gefährdet sind insbesondere Menschen, die länger liegen oder sitzen müssen. Dazu zählen Patienten nach einer Operation, aber auch Reisende auf Langstreckenflügen", erklärt Bauersachs. Eine Schwangerschaft, eine familiäre Thromboseneigung, Rauchen oder das Tragen eines Gipses sind weitere Risikofaktoren.

Mehr Thrombosefälle unter neueren Antibabypillen

Auch junge Menschen können Blutgerinnsel entwickeln, erklärt der Venen-Experte. Insbesondere Frauen, die mit modernen Antibabypillen der dritten und vierten Generation verhüten, seien hiervon betroffen. Durch die Einnahme der Hormone kann das Blut schneller verklumpen und Gerinnsel entstehen.

Neuere Pillen enthalten Wirkstoffe wie Desogestrel oder Drospirenon. Aus Statistiken geht hervor, dass bis zu zwölf von 10.000 Frauen, die mit diesen Präparaten verhüten, eine Thrombose entwickeln. Ältere Pillen der zweiten Generation mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sind dagegen sicherer. Unter ihrer Einnahme erkranken nur etwa fünf bis sieben Frauen pro 10.000 an einem Venenverschluss. Trotz dieser bekannten Risiken werden nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) neuere Pillen deutlich häufiger verschrieben - möglicherweise weil Frauen von ihnen einen Zusatznutzen, etwa reine Haut, erwarten.

Wann zum Arzt?

Schwillt das Bein, der Unterschenkel oder der Fußknöchel plötzlich an, wird heiß, schmerzt oder verfärbt sich blau, können das Hinweise auf eine Thrombose sein. Bei derartigen Beschwerden ist es ratsam, umgehend einen Arzt aufzusuchen. "Auch anhaltende Wadenschmerzen, die nach einigen Tagen nicht abklingen oder sich sogar noch verschlimmern, sollten vom Hausarzt abgeklärt werden", sagt Rupert Bauersachs. Treten zusätzlich Schmerzen beim Einatmen oder Luftnot auf, sollte so schnell wie möglich ein Arzt gerufen werden. Dann nämlich kann sich ein Teil des Thrombus bereits gelöst und in der Lunge festgesetzt haben.

Gute Behandlungsmöglichkeiten

Früh erkannt lässt sich eine Thrombose rasch und in der Regel ambulant behandeln. Betroffene erhalten zunächst blutverdünnende Medikamente, die verhindern, dass das Gerinnsel weiterwächst. Zusätzlich kommen medizinische Kompressionsstrümpfe zum Einsatz, die das Risiko einer Lungenembolie verringern und die Abheilung der Thrombose beschleunigen sollen.

Rupert Bauersachs rät, die Symptome einer Thrombose in jedem Fall ernst zu nehmen, insbesondere wenn Patienten zu den Risikogruppen zählen oder kürzlich einer Risikosituation ausgesetzt waren. "Die Möglichkeiten der Prävention und Diagnostik haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten", so der Experte. "Jeder verpasste Arztbesuch ist demnach auch eine verpasste Chance."

Ilona Kriesl
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