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26. März 2009, 18:49 Uhr

"Die DNA-Analyse ist sicher"

Nach der Panne im Heilbronner Phantom-Fall steht die DNA-Analyse in der Kritik. Experten verteidigen zwar das Verfahren, warnen jedoch schon länger vor verunreinigtem Untersuchungsmaterial. Allem Anschein nach haben die Ermittler auf das günstigere Material gesetzt. Von Lea Wolz

DNA-Analyse, Phantom, verunreinigte Wattestäbchen

Nach der Ermittler-Panne fordern Experten Qualitätsstandards für die Herstellung der Wattestäbchen© DPA

40 DNA-Spuren quer durch halb Europa haben die Polizei seit Jahren in Atem gehalten - auf der Jagd nach einem weiblichen Phantom. Auch bei dem Polizistenmord in Heilbronn war der genetische Fingerabdruck der vermeintlichen Mörderin aufgetaucht. Jetzt scheint das Rätsel um das "Phantom von Heilbronn" gelöst. Die DNA stammt wohl von schon bei der Herstellung verunreinigten Wattestäbchen, mit denen die Polizei Spuren gesichert hat. Wie zuverlässig ist die DNA-Analyse überhaupt?

"Die DNA-Analyse ist so sicher wie eh und je", sagt Klaus Bender vom rechtsmedizinischen Institut der Universität Mainz. "Das ist ein standardisiertes Verfahren, eine Analyse, mit der eine DNA-Spur einer Person zugeordnet werden soll." (Siehe Grafik) Funktioniert habe das auch in diesem Fall. Der Fehler liegt Bender zufolge also weniger in der Methode als im verunreinigten Untersuchungsmaterial.

Die Tatsache, dass Sicherungsutensilien verunreinigt sein können, hat den DNA-Experten nicht überrascht. "Diese Problematik wird schon seit langem im forensischen Bereich diskutiert." Auftreten können Verunreinigungen des Materials zum einen bei der Herstellung. Hansjürgen Bratzke, Direktor des Institutes für Forensische Medizin an der Universität Frankfurt, geht zwar davon aus, dass die Hersteller Mundschutz, Haarhauben und Handschuhe tragen. Doch: "Dass eine Hautschuppe in die Produktion gerät, ist durchaus möglich." Aber nicht nur bei der Herstellung der Labor-Wattestäbchen kann es zur Kontamination kommen, sondern auch bei der Spurensicherung vor Ort. "Vielleicht befeuchtet ein nicht geschulter Beamter sein Wattestäbchen mit einer wässrigen Lösung, die kontaminiert ist, oder er spricht über der Spur und bringt damit seinen eigenen Speichel auf das Stäbchen oder die Handschuhe sind verunreinigt", sagt Bender.

In der Regel garantieren die Hersteller der Wattestäbchen auch keine Freiheit von DNA-Verunreinigungen, sondern verkaufen die Wattestäbchen als steril. Steril bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch lediglich keimfrei, also ohne Bakterien oder Viren, Verunreinigungen mit DNA werden dabei nicht beseitigt. Ein gängiges Verfahren, um die Stäbchen steril zu bekommen, ist die radioaktive Bestrahlung. Dabei werden die Mikroorganismen abgetötet, die DNA-Spuren beschädigen können. "Bei der Hitzesterilisation wird die DNA nur aufgekocht, kaputt geht sie nicht", sagt Bender. "Bei der radioaktiven Bestrahlung wird die DNA in Stücke zerschossen, aber auch das bringt nicht viel, denn in der Forensik untersucht man heute so kleine DNA-Stücke, dass man auch diese Fragmente immer noch nachweisen kann." So absurd es klingt, die besser und sensibler gewordenen Methoden stellen daher auch ein Problem da. Selbst kleine Verunreinigungen kommen bei der DNA-Analyse groß heraus.

Zwischen 8 und 15 Abschnitte aus der DNA werden derzeit für einen genetischen Fingerabdruck mit Hilfe der PCR-Methode (Polymerase Chain Reaction) vervielfältigt. Dabei wird die DNA-Polymerase, ein Enzym, verwendet, um kleine, sich wiederholende Abschnitte im Erbgut zu untersuchen, wobei die Anzahl der Wiederholungen von Mensch zu Mensch verschieden ist. Je nach Anzahl der Wiederholungen hat der vervielfältigte Abschnitt also eine bestimmte Länge. Die bei einer DNA-Analyse gewonnenen DNA-Fragmente ergeben so ein spezifisches Bandenmuster aus unterschiedlich langen und breiten Linien (siehe Grafik). Hätte bei diesem Muster nicht eine Verunreinigung - zum Beispiel durch eine Hautschuppe - deutlich schwächer ausfallen müssen, als die am Tatort gewonnenen Spuren? Einem Hintergrundrauschen ähnlich. "Wir hatten ebenfalls einen dieser Tupfer, und bei der Mischspur war die Signalstärke der unbekannten Frau stärker als die eigentliche Spur", sagt Bratzke. Was die Ermittler auf die falsche Spur gesetzt hat, will er noch nicht beurteilen. "Ich kann mir vorstellen, dass es passieren kann, dass durch den Ermittlungsdruck ein Tunnelblick entsteht", vermutet Bender.

Begasung mit Ethylenoxid

Eine Möglichkeit, DNA-Verunreinigungen zu entfernen, wäre Bratzke und Bender zufolge die Gassterilisation mit Ethylenoxid. "Sie beseitigt DNA definitiv", sagt der Mainzer Wissenschaftler. Auch heute würden schon Wattestäbchen angeboten, die DNA-frei sind, doch: " Sie kosten das Zwei- bis Dreifache, aber verglichen mit den Kosten für die Ermittlungen wäre das immer noch günstiger gewesen." Um Verunreinigung als Fehlerquelle auszuschließen, sieht Bender neben Qualitätsstandards bei den Herstellern auch die Möglichkeit, den Wattestäbchen-Packungen DNA-Merkmale der beteiligten Mitarbeiter als Code beizulegen, wie es der Bund Deutscher Kriminalbeamter gefordert hat. "Im Labor kennen wir auch den DNA-Code der Mitarbeiter, die mit den Proben arbeiten." Daneben sei die Polizei im Umgang mit den Wattestäbchen besser zu schulen und auch von den beteiligten Beamten ein DNA-Profil anzulegen, sagt Bender. "Jeder, der mit der Spur in Kontakt kommt, müsste geprobt werden." Zum anderen müsse man im Umgang mit den bei der DNA-Analyse gewonnenen Daten sehr sensibel sein. "In Zukunft wird man auch die Treffer in der Datenbank genauer anschauen und auf Konsistenz prüfen müssen."

Von Lea Wolz
 
 
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