Seine "Last Lecture" machte den krebskranken amerikanischen Wissenschaftler Randy Pausch weltberühmt. Jetzt ist seine letzte Vorlesung als Buch erschienen. Sein Co-Autor, der US-Journalist Jeffrey Zaslow, sprach mit Pausch über dessen Abschied und die Lehren des Lebens.

Randy Pausch bei seiner "Last Lecture" in der Universität im September 2007© Carnegie Mellon University
Ziemlich gut. Ich habe meine erste Diagnose um eineinhalb Jahre überlebt. Ich habe jetzt zehn Tumore in der Leber. Aber noch haben sie meine Gesundheit nicht direkt angegriffen. Es ist meinen Ärzten und mir gelungen, die Tumore in den vergangenen sechs Monaten einigermaßen in Schach zu halten. So etwas kommt vor - ich habe großes Glück gehabt.
Ich war bereit, alles geschehen zu lassen, was Ärzte in ihrem chirurgischen Arsenal bereithielten. Man operierte mich, ich wurde zwei Monate lang bestrahlt, bekam Chemodosen. Am Ende konnte ich kaum noch laufen. Als der Krebs dann im vergangenen August die zehn Metastasen in der Leber gebildet hatte, sprach der Arzt von palliativer Chemotherapie - einer Behandlung, die die Symptome abschwächen und mir das Leben so angenehm und aktiv wie möglich machen soll, bis das Ende naht. Jetzt lebe ich buchstäblich von geliehener Zeit. Und ich versuche, so viel ich kann mit meinen Kindern zu spielen.
Nichts. Wir werden kein Wort sagen, solange ich nicht todkrank aussehe. Wie sollen sie denn auch damit umgehen, dass ich noch ziemlich gesund aussehe, aber sterbe? Sie wissen nicht, dass ich mich mit jeder Begegnung ein Stück mehr verabschiede. Wenn ich morgens unter der Dusche stehe und weine, dann trauere ich um sie. Es frisst mich innerlich auf, wenn ich daran denke, dass sie keinen Vater haben werden, wenn sie älter sind. Ich weiß, ihre Erinnerungen an mich werden verschwommen sein. Deshalb versuche ich, Dinge mit ihnen zu tun, die für sie unvergesslich sind. Aber ich weiß noch nicht, wie ich die Tatsache, dass Papa nun fortgeht, für sie möglichst herunterspiele. Ich wünschte, die Kinder könnten verstehen, wie verzweifelt ich sie nicht verlassen möchte.

Randy Pausch mit seiner Frau Jai und den Kindern Logan (vorne links), Dylan und Chloe© Kristi A. Rines/Hobbs Studio
Ich wollte versuchen, dem Tod ein wenig anders entgegenzutreten als viele Menschen. Pragmatischer vielleicht. Ich könnte mir leidtun, aber das würde weder meiner Frau noch meinen Kindern, noch mir gut bekommen. Ich möchte lieber Dinge tun, die wirklich wichtig sind.
Wenn ich an meine Kinder denke, dann denke ich immer, dass es nicht richtig ist, jetzt zu sterben. Doch wenn es schon sein muss, dann liegt ein großer Trost darin, dass ich einen Weg gefunden habe, ihnen zu erzählen, was mir wichtig ist. Eltern wollen ihre Kinder auf die Herausforderungen des Lebens vorbereiten. Das tun sie oft, indem sie Kindern Geschichten aus dem eigenen Leben erzählen - in der Hoffnung, ihnen damit zu helfen, ihr Leben leben zu lernen. Diese Hoffnung veranlasste mich, eine Letzte Vorlesung an meiner Universität zu halten, ein Buch zu schreiben. Ich möchte, dass sie wissen, wer ich bin und woran ich immer geglaubt habe, und ich möchte, dass sie wissen, auf wie viele Arten ich sie liebe. Es wird der Punkt kommen, an dem ich in diese Nacht gehen muss. Und das, was ich ihnen hinterlassen kann, gibt mir das Gefühl, dass es in Ordnung ist.
... ich erzählte von den Freuden des Lebens, davon, wie sehr ich das Leben schätze, jetzt, da nur noch so wenig davon übrig ist. Ich erzählte von Aufrichtigkeit und Integrität. Auf diese Weise wurde es mir möglich, aus eigener Kraft zu gehen. Und wer weiß, ob ich ohne die Vorlesung daran gedacht hätte, all den Menschen zu danken, denen wirklich mein Dank gebührt. Die Frage, die sich mir dabei am vordringlichsten stellte, war allerdings: Was macht mich einzigartig, was habe ich als einzelner Mensch wirklich anzubieten?
Meine Einzigartigkeit lag in der Besonderheit meiner Träume, die mein Leben ausgemacht haben, von den bedeutsamen bis hin zu den schrulligen. Und trotz des Krebses hielt ich mich für einen rundum glücklichen Mann, weil ich diese Träume verwirklicht hatte. Dabei haben mir außergewöhnliche Menschen geholfen, die mich auf meinem Weg so vieles gelehrt hatten. Ich habe ein wunderbares Leben gelebt.
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Stern
Ausgabe 18/2008