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Stern Logo Ratgeber Erkältung & Grippe - Therapie

Die Mikroben-Killer

Verschreibt der Arzt Ihnen bei Husten oder Schnupfen Antibiotika, kann es sein, dass er Sie falsch behandelt. Denn Grippe und Erkältung werden von Viren verursacht - dagegen helfen keine Antibiotika.

  Manche Mediziner gehen zu sorglos mit Antibiotika um. Das hat gravierende Folgen

Manche Mediziner gehen zu sorglos mit Antibiotika um. Das hat gravierende Folgen

Antibiotika töten Bakterien. Gegen Viren können sie nichts ausrichten. Eine Grippe oder Erkältung entsteht aber, weil Viren die Schleimhäute befallen haben. Bakterien tötende Medikamente wären in solchen Fällen die falsche Wahl.

Sollte Ihr Arzt Ihnen dennoch ein Antibiotikum verschreiben, könnte er den Verdacht haben, dass auf Ihren Schleimhäuten auch krank machende Bakterien zu finden sind. Denn diese können sich ungehindert dort ansiedeln, wenn die Viren das Gewebe der Atemwege bereits geschädigt haben und es zu einem Stau der Sekrete in den Nasennebenehöhlen oder im Mittelohr gekommen ist. Mediziner nennen einen solchen doppelten Befall Superinfektion. Hierbei verschlimmern sich die Beschwerden und die Krankheit dauert länger an. Ein Antibiotikum kann in so einem Fall helfen. Bei einer Lungenentzündung ist es sogar so, dass Antibiotika gegeben werden müssen.

Ärzte sollten Antibiotika nicht wahllos verschreiben

Besteht der Verdacht einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien nicht, ist eine Antibiotikabehandlung überflüssig und sogar nachteilig, wenn Nebenwirkungen auftreten. Zudem wird damit ein weiteres Problem verstärkt.

Bakterien können resistent gegenüber Antibiotika werden. Sie verändern sich, so dass sie unempfindlich gegen Medikamente werden. Das betrifft nicht nur jene in Ihrem Körper. Eine Resistenz verteilt sich leicht auf andere Bakterien, denn die Einzeller tauschen Genmaterial aus, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. Dann kann es sein, dass Ärzte Schwerkranke nicht behandeln können, weil die verursachenden Bakterien nicht mehr auf die Medikamente ansprechen. Als Folge davon sterben weltweit täglich Tausende von Menschen.

Eine Probe bringt Aufschluss

Hat Ihr Arzt aber Anhaltspunkte für eine Mischinfektion, gilt es herauszufinden, welche Erreger genau Ihnen Probleme bereiten. Denn die verschiedenen Antibiotika bekämpfen jeweils unterschiedliche Bakterien. Er wird daher eine Probe, zum Beispiel einen Rachenabstrich, Auswurf oder Nasennebenhöhlensekret entnehmen und sie im Labor untersuchen lassen. Dort wird auch getestet, welcher Wirkstoff am besten geeignet wäre.

Die Laboruntersuchungen dauern jedoch einige Zeit. Wenn die Behandlung sofort beginnen soll, kann der Arzt auf Verdacht ein Antibiotikum verschreiben. Dabei wird er sich auch auf Durchschnittswerte stützen. So werden bestimmte Krankheiten häufig durch typische Bakterien ausgelöst. Welchen Wirkstoff Ihr Arzt wählt, hängt auch davon ab,

  • welches Organ besonders betroffen ist,
  • welche Erreger zurzeit im Umlauf sind,
  • wie ausgeprägt die Symptome sind,
  • wie Ihr Arzt die Infektion aufgrund seiner Erfahrung einschätzt.

Falls es Ihnen trotz des Antibiotikums nach drei Tagen nicht besser geht, bedeutet dies, dass entweder die Diagnose nicht stimmt oder dass die Bakterien sich vom Antibiotikum nicht haben stören lassen. Spätestens jetzt sollte ein Labor eine Probe untersuchen. Ein so genanntes Antibiogramm zeigt dann an, welches Medikament wirken wird. Häufig helfen gegen Bakterien in den Atemwegen Antibiotika aus den Klassen der Penicilline, der Makrolide, der Tetrazykline und der Fluorchinolone.

Antibiotika zerstören alle Bakterien - auch die guten

Der Nachteil der chemischen Substanzen ist: Sie unterscheiden nicht zwischen guten und schlechten Bakterien und zerstören daher sowohl die gesunden in der Haut-, Mund- und Darm-Flora als auch die krank machenden. Bei Frauen greifen sie auch jene Mikroorganismen an, die für ein keimschützendes Klima in der Scheide sorgen.

Infolgedessen haben Antibiotika viele Nebenwirkungen. Je nach Präparat fallen sie unterschiedlich aus. Dazu gehören Durchfall und Blähungen, Pilzinfektionen der Scheide, Hautveränderungen und allergische Reaktionen, Krämpfe sowie Nieren- und Leber-Probleme bis hin zum Versagen dieser Organe. Auch Ohrgeräusche sowie Albträume, Halluzinationen und Lichtempfindlichkeit können eine Folge sein. Bei Kindern können Antibiotika das Wachstum von Knochen und Zähnen stören.

Wolfgang Schillings

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