Missverstehen, kritisieren, schimpfen: Viele Ehen scheitern am Alltagsstress. Paartherapeutin Nina Zucker gibt Tipps, wie Paare stressige Zeiten besser überstehen.
Der erste Schritt ist schon getan, wenn sich das Paar bewusst ist, dass die nächste Zeit stressig wird. Denn dann kann es absprechen, wer wann was machen kann oder was gegebenenfalls auch mal liegen bleibt. Und, ganz wichtig, die Erwartungen an den Partner runterschrauben! Wenn klar ist, dass es sich um einen begrenzten Zeitraum handelt, kann man einander mal mehr Freiraum geben und sollte in solchen Zeiten nicht auf gewohnten Ritualen oder Konventionen bestehen.
Mein Rat an Frauen: Lasst eure Männer dann einfach in Ruhe.
Zuhören, ohne der Frau gleich mit Lösungsvorschlägen zu kommen. Ihr Mut zusprechen, sie loben, ihre Bemühungen achten. Beide sollten sich das Gefühl der gegenseitigen Rückendeckung geben - also betonen, dass, selbst wenn alles schiefgeht, der andere immer noch da ist. Und man die Krise auf jeden Fall zusammen bewältigen kann.
Manchmal kann es hilfreich sein, im Voraus für solche Situationen ein Codewort zu vereinbaren. Das kann ganz schlicht das Wort Stopp sein, aber möglicherweise auch etwas Humoriges, denn gemeinsames Lachen entspannt jede Situation sofort.
Dann sollten beide darauf achten, von sich und den eigenen Gefühlen und Wünschen zu sprechen und tunlichst Du-Botschaften wie "Du tust immer" oder "Du machst nie" zu vermeiden. Die bringen ein Streitgespräch erst richtig in Fahrt und führen zu nichts.
Dann wird das Gegenteil wichtig: regelmäßig Freizeit miteinander zu verbringen, zu der man sich verabredet. Jede Woche mindestens zwei Stunden, in denen man miteinander spricht, etwas unternimmt, Zärtlichkeiten austauscht oder auch Sex hat. Wenn es ein Paar über Jahre nicht schafft, solche Zeiten miteinander zu verabreden, frage ich es: Was wollen Sie überhaupt noch voneinander?
Lernen, auf die eigenen Körpersignale
zu achten, die einem Stress
anzeigen. Eine verkrampfte
Haltung, flache Atmung, eine laute
oder hohe Stimme oder Tunnelblick
können Anzeichen dafür sein,
dass man sehr gestresst ist. Wer
gelernt hat, auf seinen Körper zu
achten, kann rechtzeitig für sich
sorgen und sich seinem Partner
besser mitteilen. Man sollte auf
keinen Fall erwarten, dass der
andere von alleine weiß, was gut
für einen ist. Nichts ist selbstverständlich,
wir schauen alle durch
unsere ganz persönliche Brille
auf das Leben.
Mehr zum Thema Stressbewältigung - im Job, im Alltag und in der Partnerschaft - finden Sie im aktuellen "Gesund Leben".
Übernommen aus ...
Ausgabe 02/2013
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