3. Januar 2013, 06:35 Uhr

Patientenschützer fordert Schließung von Transplantationszentren

Gibt es zu viele Transplantationszentren in Deutschland? Der Chef der Stiftung Patientenschutz will einige Einrichtungen dicht machen. Er befürchtet einen Wettlauf im Kampf um Spenderorgane.

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Transplantationen im Zwielicht: In Leipzig sind erneut Daten von Patienten manipuliert worden, um sie auf der Warteliste für Spenderorgane nach oben rücken zu lassen.©

Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat die Schließung von Transplantationszentren gefordert, um einen Kampf um Spenderorgane zu vermeiden. Noch in diesem Jahr sollte die Hälfte der Zentren schließen, um schädlichen Wettbewerb zwischen den Einrichtungen zu vermeiden, sagte Brysch der "Bild"-Zeitung. Organspende brauche "Offenheit und Vertrauen statt Profit und Eitelkeit".

Auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sich gegenüber dem Blatt für eine Reduzierung der Zahl der Transplantationszentren aus. Dies mache eine ständige Überprüfung einfacher und sorge dafür, dass "falsche ökonomische Anreize" keine Rolle spielten.

Am Leipziger Transplantationszentrum waren Unregelmäßigkeiten bei der Organspende aufgedeckt worden. Laut Uniklinik sollen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben und damit kränker gemacht worden sein, um deren Chancen auf eine Spenderleber zu erhöhen. Nach Angaben der Universitätsklinik waren 37 Patienten in den Jahren 2010 und 2011 und ein Patient im Jahr 2012 betroffen. Der verantwortliche Direktor der Klinik sowie zwei Oberärzte wurden beurlaubt.

Im vergangenen Sommer war ein Organspende-Skandal an der Uniklinik in Göttingen aufgeflogen. Dort sowie auch in Regensburg sollen durch die Manipulation von Krankenakten bestimmte Patienten bei der Organspende bevorzugt worden sein.

Uniklinik Leipzig setzt Transplantationsprogramm fort

Das Leipziger Universitätsklinikum (UKL) hat derweil eine lückenlose Aufklärung der Manipulationen versprochen. Die drei suspendierten Mediziner hätten ihre Kooperationsbereitschaft erklärt, sagte der medizinische Vorstand des UKL, Prof. Wolfgang Fleig. Das Transplantationsprogramm am UKL gehe unterdessen weiter. "Es wird keine Abstriche an Qualität und Quantität geben", sagte Fleig.

Anfang nächster Woche werden Sonderprüfer der Bundesärztekammer am Klinikum erwartet, die die unlauteren Machenschaften rund um Lebertransplantationen weiter erhellen sollen. Auch die personell verstärkte Innenrevision der Klinik werde die Manipulationen der Krankendaten mit aufrollen.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte der "Passauer Neuen Presse": "Wer als Transplantationsmediziner immer noch nicht begreift, dass er sein eigenes Fach durch Schummeln und Manipulieren kaputt macht, der hat in diesem Fach nichts mehr zu suchen."

Inzwischen hat sich auch die Staatsanwaltschaft Leipzig in die Affäre eingeschaltet und will Hinweise auf einen Straftatverdacht prüfen. Fleig sagte, man werde sich mit den Sonderprüfern abstimmen, um abzuwägen, ob das Klinikum selbst Anzeige erstattet. Das Motiv der Ärzte für die Falschangaben in den Krankenakten liegt noch im Dunkeln. Es werde schwierig nachzuweisen, ob und welche Absicht dahinterstand.

kng/AFP/DPA
 
 
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