Alternative Untersuchungsmethoden sind oft unzuverlässig. Das kann dazu führen, dass Leiden behandelt werden, die gar nicht vorhanden sind, und gefährliche Erkrankungen unentdeckt bleiben. Von Prof. Edzard Ernst

Schau mir in die Augen, Kleines! Die methodisch besten Studien sprechen jedoch nicht dafür, dass Irisdiagnostik valide ist© colourbox
Nicht nur Therapien, auch Diagnoseverfahren gehören zur Komplementärmedizin. Ein Akupunkteur der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird vor einer Behandlung die Zunge betrachten und den Puls fühlen - er prüft unter anderem, wie weich, hart, rau oder schlüpfrig der Puls ist. Ein Homöopath spürt in seiner Anamnese Merkmale auf, die den Patienten charakterisieren, etwa seine Vorlieben beim Essen oder die Art, wie er Beschwerden schildert. Solche Informationen sind in der Homöopathie wichtig, um das optimale Arzneimittel zu finden. Als Patienten fühlen wir uns oft umso besser verstanden, je detaillierter man uns als Menschen zu verstehen versucht.
Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass derartige Diagnostik zielführend ist. Schließlich geht es darum, verlässlich herauszufinden, ob eine Krankheit vorliegt und, wenn ja, welche. Es sollten drei Kriterien erfüllt sein, damit ein Verfahren diesen Anspruch erfüllt. Erstens: Wenn der Test mehrmals wiederholt wird, sollte er in etwa gleiche Aussagen erbringen. Zweitens: Die Methode sollte auf die Krankheit ansprechen, die diagnostiziert wird. Drittens sollte das Verfahren genau zwischen Verfahren unterscheiden.
Bislang ist kaum ein Diagnoseverfahren der Alternativmedizin so gründlich erforscht, dass man sicher beurteilen kann, ob es diese Kriterien erfüllt. Nur über wenige Techniken liegen aussagekräftige Untersuchungen vor. Und deren Ergebnisse sind leider durchweg negativ:
Insgesamt ergibt sich ein eher ernüchterndes Bild: Die Aussagekraft alternativer Diagnoseverfahren ist entweder unbewiesen oder widerlegt, hinzu kommt, dass solche Untersuchungen nicht nur unnötig Geld kosten, sie können auch die Gesundheit erheblich schädigen: Wenn eine diagnostische Methode nicht valide ist, dann heißt das, dass möglicherweise Erkrankungen diagnostiziert werden, wo keine vorliegen - oder es wird keine Krankheit diagnostiziert, wo tatsächlich eine vorliegt. Handelt es sich dabei um eine ernste Erkrankung wie Krebs, dann können solche Resultate das Leben verkürzen.
Übernommen aus ...
GesundLeben
Ausgabe 2/2007