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10. November 2009, 09:28 Uhr
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Ich habe mich impfen lassen!

In den USA werden Arztpraxen gestürmt, in Deutschland herrscht eher Gelassenheit: Wer sich hierzulande gegen die Schweinegrippe impfen lässt, ist noch ein Exot - so wie stern-Redakteur Peter Meroth.

Schweinegrippe, H1N1, Impfung, Pandemie

Nach langem Warten im Gesundheitsamt hat sich stern-Redakteur Peter Meroth doch noch gegen H1N1 impfen lassen© Marcus Vogel

Vermutlich bin ich jetzt ein Pionier, ein Vorkämpfer in der Abwehrschlacht gegen die Schweinegrippe. Mein linker Arm tut ein bisschen weh, als hätte mir gestern einer draufgeboxt. Aber ich weiß ja, dass es die Nachwirkungen der Spritze sind, die mir die junge Frau verpasst hat. Mit einem Stoff, der seit Wochen für Schlagzeilen sorgt. Vor allem in den Blättern mit den großen, fetten Lettern. In meinem Impfpass ist die Schrift deutlich kleiner. Pandemrix, steht da, Lot A81CA074A. Und daneben, blau auf gelb: 4.11.09, Schweinegrippe.

Eigentlich wollte ich mich gar nicht impfen lassen, jedenfalls nicht gegen die neue Grippe. Die ganze Hysterie um das Thema verfolgte ich eher amüsiert. Meine Frau arbeitet in einem Hospiz. Dort werden Menschen umsorgt, von denen manche ein extrem geschwächtes Immunsystem haben und andere zum Teil hochinfektiöse Krankheiten. Händehygiene, auf deutsch Händewaschen, lautet hier der Zauberspruch, der in fast allen Fällen verhindert, dass Erreger auf Wanderschaft gehen.

Nur zur Grippe-Schutzimpfung bin ich in den vergangenen Jahren fast immer gegangen, wenn ich nicht auf Reisen war oder den Termin verschwitzte. Die Impfung schien mir sinnvoll, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, daraus ein Dogma zu machen. Auch im Betrieb wird die Grippe-Impfung angeboten, aber mein Hausarzt schaut immer etwas traurig, wenn ich nicht zu ihm komme. Außerdem ist es mir ganz recht, dass sich jemand persönlich um meine Gesundheit sorgt, und seine Praxis liegt schräg gegenüber, neben dem Bäcker. Also eilte ich gestern pünktlich um 7.30 Uhr zu ihm rüber und wartete mit entblößtem Oberarm. Schnell impfen, Brötchen holen, schön frühstücken - das war der Plan.

Achtung, Behörde!

Doch mein Hausarzt zögerte: Wenn ich Ihnen jetzt die allgemeine Grippe-Impfung gebe, sollten Sie mindestens zwei Wochen warten, bis Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen können, gab er zu bedenken. Umgekehrt wäre besser. Irgendeine andere Grippe sei noch nicht in Sicht, aber die Schweinegrippe sei "schon da". Er selbst sei schon vergangene Woche bei der Impfstelle des Gesundheitsamts gewesen und habe sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen, "um mitreden zu können", wie das mit den Nebenwirkungen ist. "Harmlos", lautete sein Erfahrungsbericht. Meinen Einwand ("So richtig gehöre ich ja wohl nicht zu einer Risikogruppe") entkräftete er. Seine Frau sei auch schon dort gewesen. "Da war nichts los, die haben sich gefreut, dass sie überhaupt jemand zum Impfen hatten."

Nun war ich neugierig, radelte durch den Novemberregen zum Gesundheitsamt, um mir die Sache wenigstens anzuschauen. Etwa 30 Impfwillige warteten im Foyer. Um 8 Uhr würde es losgehen, sagte der Pförtner. Kurz nach acht kamen zwei weißbekittelte Mitarbeiter, tauchten unter den Pförtner-Schreibtisch und verteilten mit fahrigen Bewegungen Formulare, die wir ausfüllen sollten. Dass der Pförtner die Zettel nicht ausgegeben hatte oder nicht hatte ausgeben dürfen, schien mir ein Warnsignal: Achtung, hier sind Amtsträger am Werk! Das kann dauern. Wie lange ich warten müsste, ob ich noch rechtzeitig in die Redaktion käme, konnten mir die Weißkittel nicht sagen. Ihr hilfloser Blick schien mir das zweite Warnsignal: Achtung, Behörde! Hier wird einfach erwartet, dass man wartet.

Das Handy klingelte. Meine Frau wollte wissen, ob ich noch beim Brötchenholen sei oder schon auf dem Weg nach Hawaii. Viel schöner, antwortete ich: Gesundheitsamt. "Selber schuld", sagte sie. "Morgendlicher Erkundungsgang", sagte ich und beschloss zu gehen. "Und", fragte sie, "bist du jetzt schlauer?"

Mir war klar, dass ich dem ein "Ich bin jetzt geimpft!" entgegenschleudern musste, wenn ich abends nach Hause käme. Aber erst einmal war jetzt die Arbeit dran. "Du fällst auf eine Kampagne der Pharmaindustrie herein", mahnte ein Kollege. Die Arzneimittelhersteller haben das große Geschäft doch längst gemacht, entgegnete ich. Der Impfstoff ist produziert, bezahlt, ausgeliefert. Wenn er nicht verbraucht wird, verfällt er. Jetzt war ich ganz auf dem pragmatischen Trip. Die ultimative Empfehlung zur Frage "Impfen oder nicht?" kann ohnehin niemand geben. Also warum sollte ich es nicht einfach probieren.

Zur Person Peter Meroth, 58, ist Leiter des Auslandsressorts beim stern. Bezeichnet sich als "Alltagssportler", der sich mit Radfahren, Wandern und etwas Joggen beweglich hält. Die Diskussion um die Schweinegrippe hat er bis jetzt interessiert, die Hysterie eher amüsiert verfolgt.

Seite 1: Ich habe mich impfen lassen!
Seite 2: Stich, das war's
KOMMENTARE (10 von 60)
 
Administrator (06.11.2009, 13:52 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Da sich Ihre Debatte zusehends vom Thema des Artikels entfernt und der Ton immer aggressiver wird, schlißen wir sie an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Topsy50 (06.11.2009, 13:03 Uhr)
Keine Impfung in dritte Welt Länder
@Kasperltheater

Wer von nichts eine Ahnung hat, sollte doch einfach mal den Mund halten. Ich wohne und lebe in Südamerika und hier sind die Impfungen bereits gelaufen. Die Hysterie ist abgeflaut, da wir jetzt Frühling haben und die Temperaturen auf über 40 Grad angestiegen sind.
Im Winter war es allerdings sehr schlimm. Jeder der eine Grippe hatte, hatte erstmal natürlich die Schweinegrippe. Erschwerend kam hinzu, das die abgenommen Proben nach Frankreich zum Testen geschickt werden mussten, da zu diesem Zeitpunkt hier noch keine Tests durchgeführt werden konnten. Das hat sich zwischenzeitlich geändert.

Die Winterferien wurden um 14 Tage verlängert, damit die Kinder sich nicht in den Schulen gegenseitig anstecken konnten. aber wie schon geschrieben, die Panik ist abgeflaut. Dafür hat sie jetzt voll die kalten Kontinente erwischt, denn dort ist es jetzt kalt.
HombreUno (06.11.2009, 12:43 Uhr)
Hochkonjunktur,
für die Verschwörungstheoretiker!
flobec (06.11.2009, 12:19 Uhr)
@oluja
ich würde vorschlagen, jetzt einfach nochmal ein wenig zu recherchieren.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen "Tod NACH Impfung" und "Tod DURCH Impfung". Genau durch solche Aussagen wird eine völlig irrationale Hysterie verbreitet, die der Sache in keinster Weise angemessen ist, völlig unabhängig davon ob man die Impfung befürwortet oder nicht.
(Es gibt sicher Argumente, die gegen die Impfung sprechen aber ausschließlich zeitlich assoziierte GBS oder Todesfälle sind ganz sicher keins.)
leckmichamarsch (06.11.2009, 11:56 Uhr)
Jetzt auch noch Impf-Propaganda vom Stern??
Was hat Herr Meroth bzw sein Brötchengeber für die politisch-korrekte Gefälligkeits-Propaganda bekommen?? Bin selber auf die politische / industrielle Angstpropaganda hereingefallen und habe mich impfen lassen (Pandemrix) - seit Tagen kann ich den linken Arm nicht mehr bewegen. Autofahren, Kleider wechseln - geht alles nicht. Keine allmähliche Besserung (wie z.B. bei Muskelschmerzen / Muskelentzündungen üblich) erkennbar. Andere Geimpfte, von denen ich hörte, sagen dasselbe - üble Nebenwirkungen! Jetzt viel Spaß bei der Suche nach einem neutralen + kompetenten Gutachter sowie einem unabhängigen + erfahrenen Anwalt.
Oluja (06.11.2009, 11:47 Uhr)
" KurtRech (06.11.2009, 10:07 Uhr)
@Oluja: ach wieder einer, der mit
...wilden wörtern um sich wirft aber keine ahnung was dahinter steckt und nicht weiss, wie ungefährlich sie sind in gewissen dosen."

und wieder einer der nicht mitbekommen hat das es z.b in schweden nach einer größeren impfkampagne mehrere tote WEGEN dem impfstoff gab.
Kasperltheater (06.11.2009, 11:40 Uhr)
@sportartmakler
naja..danke für die Blumen..aber in meinem Bekanntschaftskreis gelte ich eher als "Verrückter""Querulant""Paranoid". Diese drei Stempel lasse ich mir aber gerne aufdrücken, wenn ich dadurch meine Freiheit wahre, über mich selbst zu bestimmen.

Letztendlich kann auch ich keineswegs behaupten zu wissen, ob der Virus eine Gefahr darstellt oder nicht. Ich kann nur sagen, dass die Gesamtheit der Berichterstattung diesen Schluss zu lässt.

Letztendlich ist die Beschreibung des genoms des Virus ebenso hanebüchen wie die Beschreibung seiner Gefährlichkeit.

Die Durchimpfung einer Population muss zu 100% erfolgen, wenn zu 100% eine Mutation verhindert werden soll.

Aber wie eine solche Mutation überhaupt von statten gehen soll, welche Veränderungen der Proteinhülle diese zur Folge hätte. Welche Indikatoren für eine Mutation gegeben sein müssen, dass weiss doch kein Mensch auf diesem Planeten.

Die Dritte Welt Staaten werden überhaupt nicht geimpft. Was bringt also eine Impfung gegen ein harmloses Virus wenn irgendwo auf diesem Planeten ein ungeimpfter den Virus mutieren lässt?

Also...nochmal...100% Impfdurchsatz...wer kann das bewerkstelligen?

flobec (06.11.2009, 11:36 Uhr)
Ist natürlich immer toll...
....wenn man -dem internet sei Dank- mit ein paar Fachbegriffen ausgestattet, schön den Experten spielen und ein wenig Hyterie schüren kann.

Tatsächlich ist der Zusammenhang von Giullain-Barré mit Impfungen nur wenig belegt. Im Gegensatz dazu dass ein hoher Prozentsatz der an G-B Erkrankten eine vorausgegangene Infektion aufweist..
Gallagher (06.11.2009, 11:26 Uhr)
Wir leben im PlemPlem Land
da bin ich mir sicher!
sportartmakler (06.11.2009, 11:23 Uhr)
Kasperltheater / x-cube ;)
schön noch normale menschen zu treffen.
ich persönlich wäre ja für den versuch der einführung einer impflicht. dann wäre nämlich das volk endlich mal auf der straße und könnte gleich noch ein paar andere dinge regeln...


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