Sauer macht frustig

15. Mai 2013, 17:21 Uhr

Eine Olive sorgt für Hochgefühle, eine Gurke ruft Skepsis hervor: Ein Video zeigt, wie Kinder sich die Geschmackswelt erobern - und welch Abenteuer der Biss in eine Zitrone sein kann.

Auch Geschmack will geschult sein: Wie schmeckt eine Orange? Wie eine Olive? Oder eine eingelegte Zwiebel? Wer es nicht probiert, weiß es nicht. Ein kurzes Video der Werbeagentur Saatchi & Heckler zeigt, wie spannend es sein kann, auf den Geschmack der Welt zu kommen. Ein Wagnis: etwa bei Zitronen. Eine Freude: etwa beim Joghurt. Und eine ganz schön derbe Überraschung: etwa bei Essig-Zwiebeln.

In Zeitlupe können die Zuschauer die Kinder dabei beobachten, wie sie sich an die unbekannten Speisen heranwagen. Manches berührt nur kurz die Lippen und landet dann schon auf dem Boden. Manches wandert vom Mund in die Hände und wird weiter untersucht. Seine zwei Jahre alte Tochter habe ihn zu dem Video inspiriert, sagt Matt Gilmour, Direktor von Saatchi & Heckler. "Sie zu beobachten, erinnerte mich daran, wie vollkommen natürlich und unbefangen Kinder auf einen neuen Geschmack reagieren. Erwachsene sind viel überlegter in ihren Reaktionen."

Die große Herausforderung sei es allerdings gewesen, die Reaktionen der Kinder, die vorwiegend eher frustig als lustig ausfallen, ästhetisch umzusetzen, sagte er "Campaignbrief". Das scheint gelungen zu sein: Innerhalb von zehn Tagen wurde das Video auf YouTube mehr als 800.000 Mal angeklickt.

Süß wird bevorzugt

Auch für den Geschmack gilt: Früh übt sich, wer ein Feinschmecker werden will. Schon im Mutterleib entwickelt sich der Geschmackssinn. Geschult und verfeinert wird er in den ersten Lebensjahren. Ernährungsexperten raten daher, Kindern eine möglichst vielfältige Ernährung anzubieten und besser auf zuckerreiche Kinderlebensmittel zu verzichten. Denn wer immer den übersüßten Erdbeerjoghurt löffelt, gewöhnt sich an den Geschmack. Und ist irgendwann vom ganz naturbelassenen Joghurt mit klein geschnippelten Früchten enttäuscht. So sorgt die Industrie schon früh dafür, dass die Kleinen voll auf Zucker sind.

Gegen Bitteres oder Saures haben wir übrigens von Geburt an eine Abneigung. Schon jüngere Esser greifen eher zu süßen Speisen. Evolutionsbiologisch macht das Sinn: Denn bitter war für unsere Vorfahren häufig ein Signal: Achtung, diese Pflanze besser nicht verzehren, da sie giftig sein könnte. Zudem verspricht Süßes reichlich Energie, was für den täglichen Überlebenskampf ein Vorteil war.

Büroarbeiter greifen zwar auch gerne dazu, nötig ist das aber nicht mehr. Und die Konsequenzen sind mitunter bitter. Apropos bitter: Neben dieser Geschmacksqualität gibt es noch vier weitere Geschmacksrichtungen, die die Rezeptoren auf der Zunge unterscheiden können: süß, sauer, salzig und umami, was fleischig-herzhaft entspricht. Zusätzlich zu den Reizen, die unsere Geschmacksknospen auf der Zunge wahrnehmen, werden auch die Geruchsreize an das Gehirn weitergeleitet. Erst so entsteht ein Gesamteindruck eines Geschmacks.

Ob uns das dann auch schmeckt, hängt viel mit Erfahrung und persönlichen Vorlieben zusammen. Und um die kennenzulernen, sind Entdecker-Qualitäten gefragt: Dabei kann sogar eine kleine Olive große Gefühle auslösen.

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