4. Februar 2013, 17:07 Uhr

Viel Lärm, wenig Neues

Europol hat nach eigenen Angaben den weltweit größten Wettskandal der Fußball-Geschichte aufgedeckt. Namen und Spiele wurden aber nicht genannt. Dabei ist der Kopf des Wettkartells längst bekannt. Von Klaus Bellstedt, Dirk Liedtke und Niklas Schenck

Die Zahlen, die das Europäische Polizeiamt Europol im niederländischen Den Haag da am Montag veröffentlicht hat, sind imposant. Zwischen 2008 und 2011 habe die Behörde mehr als 380 verdächtige Fußballspiele ermittelt, darunter Partien der WM- und der EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Begegnungen. 420 Funktionäre, ehemalige oder heutige Spieler und Schiedsrichter in 15 Ländern seien an den Manipulationen und Betrügereien beteiligt gewesen. Zusätzlich, so Europol-Chef Robert Wainwright, werde wegen rund 300 weiterer verdächtiger Profispiele ermittelt. Auch diese Zahl ist neu. Es geht um Begegnungen meist in Asien, Zentral- und Südamerika sowie Afrika. Betroffen sind aber auch Spanien, Großbritannien und die Niederlande.

Aber sonst? Wirklich neue Erkenntnisse gibt es nicht. Das, was Europol am Montag herausgab, war in den einzelnen Ländern längst bekannt. Insider, die in Den Haag dabei waren, sprachen hinterher von einer einzigen "großen Show, um auch den Druck auf die Ermittler weiter hoch zu halten".

Den Worten, die Wainwrigh wählte, fehlte es sodann auch nicht an dem nötigen Pathos: "Wir haben ein dichtes kriminelles Netzwerk aufgedeckt". Er sprach von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau" und betonte: "Das ist ein trauriger Tag für den Fußball und ein weiterer Beweis der Korruption durch organisierte Kriminalität in der Gesellschaft."

Dan Tan - der Kopf des Kartells

Eine wirkliche Sensation wäre es jedoch gewesen, wenn Europol Namen und Spiele genannt hätte. Stattdessen wurde lediglich auf ein asiatisches Verbrechersyndikat verwiesen, dass - auch in Europa schwer aktiv - hinter dem Wettskandal stecke. Und wer genau?

Die unterschlagenen Namen hatte der stern bereits im Sommer 2011 enthüllt . Damals waren Aussagen des aus Singapur stammenden Spieleverschiebers Wilson Raj Perumal bekannt geworden. Er benannte Dan Tan (bürgerlich: Tan Seet Eng) als Kopf eines Kartells, das seit 2008 auf vier Kontinenten Millionengewinne mit verschobenen Länderspielen machte. Der in Finnland verurteilte Wilson Raj Perumal war in dem Kartell einer von fünf sogenannten Shareholdern, ein Teilhaber, der sich um einen Geschäftsbereich zu kümmern hat. Die übrigen Shareholder kommen aus Kroatien, Bulgarien, Slowenien und Ungarn. Sie platzieren ihre Wetten meist in China.

Auch Matthäus betroffen

Bestochen werden von der Wettmafia Spieler, aber auch Schiedsrichter, die Partien auf Bestellung gezielt verpfeifen. Ein ahnungsloses Opfer einer solchen Partie wurde vor zwei Jahren auch Lothar Matthäus, der damals das Nationalteam Bulgariens trainierte.

Das Testspiel seiner Mannschaft im türkischen Antalya gegen Estland endete 2:2 - wobei jeder Treffer per Elfmeter erzielt wurde. Verschoben hatte dieses absurde Spiel ein ehemaliger Kompagnon Perumals. Die Spur führte aber auch hier letztlich zu Dan Tan, dem Mastermind, dessen Name heute bei der Pressekonferenz von Europol nicht fiel.

Von Klaus Bellstedt, Dirk Liedtke und Niklas Schenck
 
 
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