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Er schwor sich: "Irgendwann schlage ich zurück"

Dies ist die Geschichte von Charly Graf, einem Mann wie ein Baum. Barackenkind. Boxchampion. Krimineller. Er hat viele Leben gelebt. Das Boxen war für ihn Rettung und Niedergang zugleich.

Von Nora Gantenbrink

  Charly Graf hatte keinen einfachen Start ins Leben, aber er boxte sich durch.

Charly Graf hatte keinen einfachen Start ins Leben, aber er boxte sich durch.

Die Siedlung, in der Charly Graf geboren wurde, ist ein schlechter Ort, um Erwartungen ans Leben zu haben. Sie ist ein guter Ort, um ein Boxer zu werden. Sie befindet sich im Stadtteil Waldhof, im Norden von Mannheim. Der Stadtteil ist schlecht, aber am schlechtesten sind die "Benz-Baracken". Die Häuser, in denen Charly aufwuchs. Sie wurden in den 50er-Jahren gebaut und heißen so, weil sie nahe der Mercedes-Benz-Fabrik standen. Hier wohnte nur, wer musste. Prostituierte, Arme und Menschen, die im Krieg ihren Verstand verloren hatten.

An einem Sommertag im Jahr 2014 betritt Charly Graf diese Siedlung. Er macht einen Spaziergang durch seine Vergangenheit. Er will erzählen, wie er sich die Chance erarbeitete, alles zu gewinnen, und weshalb er so viel verlor.

Es riecht nach Spiritus und Grillkohle

In der Siedlung tragen Frauen Gummischlappen und Lidl-Tüten. Männer sitzen ohne T-Shirt auf Plastikstühlen und trinken Eichbaum Export. Zwei Jungs schrauben an einem lila Golf vier. Es riecht nach Spiritus und Grillkohle. Satellitenschüsseln und Deutschlandfahnen säumen die Hauswände.

Charly Graf trägt ein Shirt ohne Ärmel und Chucks. Er sieht aus wie ein Basketballstar in Rente, aber sein starker Akzent ist nicht aus Dallas, sondern aus Mannheim. Mannemerisch nennt man den kurpfälzischen Dialekt. Er klingt, wie wenn man genuschelt singt.

Charly läuft schnell, obwohl er so massig ist. Eigentlich läuft er, wie er boxt. Viel schneller, als man von ihm erwarten würde. Vor einem gelb gestrichenen, flachen Haus bleibt Charly stehen. "Hier komm ich her", sagt er, "2. Stock, 1. Tür. Früher war es grau." Charly lebte hier mit seiner Mutter in einem Zimmer. 20 Quadratmeter. Sie hatten keine Heizung und kein Bad. Die 80 Barackenbewohner teilten sich fünf Klos. Die Straße, in der Charly steht, heißt "Neues Leben". Die anderen Straßen tragen Namen wie "Zäher Wille", "Starke Hoffnung" oder "Frohe Zuversicht".

Charly lernt seinen Vater nie kennen

Hier wird Charles Graf, Spitzname Charly, am 16. November 1951 geboren. Nachkriegsdeutschland. Konrad Adenauer ist Bundeskanzler. Musik wird noch auf Grammophonen gespielt. In dem Film "Die Sünderin" ist Hildegard Knef kurz nackt, das löst einen bundesweiten Skandal aus. Charlys Mutter ist Elisabeth Graf, Fabrikarbeiterin in der Schokoladenfabrik "Bosch". Das Haus, in dem sie wohnt, ist grau, aber ihre Arbeit riecht nach Pralinen. Sein Vater ist der Gefreite Charles Blackwell der United States Army, ein schwarzer Besatzungssoldat, der in den nahen Kasernen der Amerikaner lebt. Ein uneheliches Kind ist in dieser Zeit eine Schande. Charly Graf ist ein uneheliches Kind.

Charly lernt seinen Vater nie kennen. Wer dieser Mann ist, dem er seine Hautfarbe und seinen Namen verdankt, erfährt er nicht. Ob sich seine Eltern nur eine Nacht liebten oder länger, weiß er nicht. Sein Vater zahlt keinen Unterhalt für ihn. Nie verliert Elisabeth Graf ein Wort über Charlys Vater. Nie über ihre eigenen Eltern. Die Familie Graf besteht nur aus Charly und seiner Mutter. Seine Mutter lebt, als er geboren wird, von 103 Euro staatlicher Fürsorge im Monat. Das Einzige, was Charly Graf von seinem Vater besitzt, ist ein Bild von ihm in Uniform. Er trägt es immer mit sich. Seine Mutter trinkt viel, redet wenig.

Charly lebt mit ihr wie auf einer Insel und sein Alltag bleibt stumm. Meistens sitzen sie zusammen in der Einzimmerwohnung und schweigen. Sie sind zwei Menschen in der Welt. Mittwoch ist Lohntütentag. Da ist die Mutter anders, wenn sie nach Hause kommt. Dann ist sie betrunken. Meistens bringt sie mittwochs fremde Männer mit. Charly muss sich hinter einem Vorhang verstecken, während die Mutter Sex hat. Er hört das Stöhnen seiner Mutter und das der fremden Männer.

Einmal bringt die Mutter mehrere Männer mit, da ist Charly etwa sechs, erzählt er. Die Geräusche hinterm Vorhang sind anders, das Stöhnen lauter, irgendwie brutaler. Charly bekommt Angst um seine Mutter. Er will ihr helfen, läuft aus seinem Versteck und schreit. Dann packt einer der Männer Charly und schlägt ihn so hart ins Gesicht, dass er in die Zimmerecke gedonnert wird. Charly sagt, dass das einer der Momente war, in denen er sich dachte: Irgendwann schlage ich zurück.

Zehn Jungs und der Geruch von Schweiß

Mit sieben tritt er in den Boxverein im Waldhof ein. Trainiert wird in den Sachen, die er anhat. Das machen die anderen auch. Sie haben eh kein Geld und es geht ja auch so. Etwa zehn Jungs und der Geruch von Schweiß. Die Handschuhe stellt der Verein. Charly zieht sich die Boxhandschuhe an. Er schlägt gegen den Sandsack. Es fühlt sich gut an. Beim Training beobachtet er die anderen Jungs. Sie haben nicht so viel Kraft wie er. Er kann härter schlagen, er ist besser. Er ist zum ersten Mal besser. Charly redet von diesem Tag, als ob es gestern gewesen wäre, dabei ist es 56 Jahre her.

Ein Kind auf einem Fahrrad kommt angefahren und stoppt kurz vor Charly.
"Bist du Charly Graf?"
"Der bin ich."
"Hast du so viele Muskeln vom Boxen bekommen?"
"Ja."
"Kann ich die auch bekommen?"
"Ja, geh boxen."
"Kannst du mir ein Autogramm geben?"
"Okay."

Charly kramt in seiner Sporttasche und holt eine Autogrammkarte raus. Noch mehr Kinder kommen angelaufen, auch sie wollen mit Charly sprechen, ein Autogramm haben. Ein Junge von der anderen Seite läuft auf ihn zu. Er ist zwölf und raucht eine Zigarette. Charly kennt ihn. Der Junge sagt:
"Charly, ich hab Scheiß gebaut."
"Hast du ein Auto geklaut?"
"Ja, Mann. Und jetzt bin ich im Heim in Freiburg."
Charly verdreht die Augen.
"Hör auf damit."

Als Jugendlicher schafft er gerade so die Hauptschule, dann arbeitet er auf dem Bau oder als Eisenschmieder. Er formt glühenden Stahl zu Schiffsankern. Mit 17 Jahren hat Charly seinen ersten Kampf als Profiboxer. Er wird als "Ali vom Waldhof" angekündigt, weil er in seiner Art zu boxen an Muhammad Ali erinnert. Seine schnellen Hände, seine tänzelnden Füße. Ein Schwarzer im Ring. In der Frankfurter Festhalle schlägt er Lutwin Hahn in der ersten Runde k. o.

Charly gilt plötzlich als Hoffnungsträger in der deutschen Szene, als das nächste große Ding. 1969, ein Jahr nach seinem ersten Kampf, wird er Deutscher Jugendmeister der Gewichtheber im Mittelschwergewicht und Zweiter bei den deutschen Junior-Boxmeisterschaften im Schwergewicht. Sein Promoter sagte, Charly sehe nach einer Million Dollar aus. Ein anderer nennt ihn einen "schwarzen Diamanten". In der Benz-Baracke war das Schwarzsein nie eine Besonderheit, es gab mehr als 400 schwarze Kinder. Es war weder positiv noch negativ. Charly erfährt, was Rassismus ist, als er die Grenzen der Benz-Baracken überschreitet. Nur im Ring gibt es keinen Rassismus. Dort unterteilt man nicht in Schwarz und Weiß, sondern in Gewinner und Verlierer. Und Charly ist lange der Gewinner. Die Leute kennen plötzlich seinen Namen. Fremde klopfen ihm auf die Schulter. Es ist eine gute Zeit.

"Der Neger macht uns die Bettwäsche dreckig"

In einer Diskothek in Mannheim lernt er eine Frau kennen, Margot. Sie hat helle Haut und einen VW-Käfer. Er mag an ihr, dass sie ihn mag, obwohl er zu Fuß geht. Als sich Charly bei ihren Eltern vorstellen will, denken sie, Charly sei ein Student aus Nigeria, der ihnen Zeitungen verkaufen möchte. Als die Eltern erfahren, dass der Zeitungsverkäufer der Verlobte ihrer Tochter ist, sagt der Vater: "Der Neger macht uns unsere schöne weiße Bettwäsche dreckig." Margot heiratet Charly.

In einem Dokumentarfilm, den ein Regisseur vom NDR über sein Leben dreht, erklärt Charly: "Mein Name ist Charles Graf, ich bin geboren am 16. November 1951 in Mannheim. Die meisten sehen mich als Boxer mit einem beschränkten Horizont. Und für mich sind die Siege, wenn ich sie in ihrer Haltung zerstöre. Neger, Neger! Ich musste immer kämpfen. Es war immer ein Kampf. Für mich war es ein Kampf, einfach klarzumachen, dass ich ein Mensch bin."

Boxen war für Charly Rettung und Niedergang zugleich. Mal das eine, mal das andere. Als er 22 ist, bekommt Charly mit Margot ein Kind. Es ist ein Wunschkind. Charles Junior. Aber Charly ist nicht viel für die beiden da. Das hat damit zu tun, dass das Rotlichtmilieu und das Boxmilieu zwei gute alte Bekannte sind. Wo geboxt wird, sind in den Siebzigern auch Luden. Charly kennt sie alle. Sie ihn auch. Sie wissen, dass Charly fester schlagen kann, als die anderen. Deshalb wollen sie ihn ja. Was Charly bislang gerettet hat, wird ihm im Milieu zum Verhängnis. Denn die Regeln aus dem Ring gelten auf der Straße nicht.

Zuhälterei, Erpressung und Körperverletzung

Charlys Freunde heißen jetzt Pickel-Bodo und Bagdad-Eddy. Margot trennt sich von Charly, da ist Charly junior ein Jahr alt. Charly Graf ist jetzt mit einer Prostituierten zusammen. Charly wird Zuhälter. Er schickt Frauen auf den Strich, betreibt illegale Spielcasinos. Wenn ihm jemand nicht passt, haut er ihm was in die Fresse. Einmal schlägt er einen Konkurrenten so hart, dass dieser beinahe stirbt.

Mehrmals wird Charly wegen Zuhälterei, Körperverletzung und Erpressung verurteilt. Insgesamt verbringt er zehn Jahre im Gefängnis. Erst in Mannheim, dann in der JVA Stammheim in Stuttgart, einem Hochsicherheitsgefängnis. In Stammheim lernt Charly den ehemaligen RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock kennen. Boock ist damals angeklagt wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und wegen der Beteiligung an der Ermordung von Jürgen Ponto, Hanns Martin Schleyer und Schleyers Begleitern. Boock hat eigentlich aus Sicherheitsgründen alleine Hofgang, aber weil er dagegen erfolgreich geklagt hat, darf er jetzt mit einem anderen zum Ausgang aufs Dach des Gefängnisses. Ein eingezäunter Betonplatz mit Tischtennisplatte. Der andere ist Charly Graf. Charly trägt einen Kapuzenpullover und macht Schattenboxen, als Boock kommt. Charly: "Hey, weswegen bist du denn hier drin, du Zwerg?" Boock: "Und warum bist du hier drin, du vollgefressener Riese?" Da stehen sie sich also gegenüber, der breite Zuhälter und der schmale Intellektuelle, und wissen so recht nichts miteinander anzufangen. Sie werden Freunde.

"Ich war ein hochgradig asozialer Mensch"

Boock bringt Charly Bildung bei. Politische Theorie. Er gibt ihm Bücher. Hesse. Dostojewski. Brecht. Die Gespräche mit dem Terroristen verändern ihn. "Ich war ein hochgradig egoistischer, asozialer Mensch, was mir aber gar nicht bewusst war", sagt Charly. Er will weg aus dem Milieu, nicht mehr der Schläger sein. Er will wieder boxen, als Profiboxer. Im Gefängnis darf Charly regelmäßig trainieren – in einer Wellblechhütte, die sich im Sommer auf bis zu 35 Grad aufheizt. Charly darf für die Kämpfe in Begleitung von Polizisten raus aus dem Gefängnis. Er hat eine Sondergenehmigung. Charly weiß, solange er gewinnt, so lange lassen sie ihn weiterkämpfen. 1985 wird er Deutscher Meister im Schwergewicht. Seine Adresse ist die einer Justizvollzugsanstalt. Tausende Menschen jubeln Charly Graf zu, sie rufen seinen Namen.

Bei der Verteidigung, acht Monate später, verliert Charly den Titel. Es ist ein ungerechtes Punkturteil, manche sagen, es war Schiebung. Danach steigt Charly nie wieder in den Ring. Charly wollte Weltmeister werden. Bis heute glaubt er, dass er es hätte packen können. Er hatte genug Wut in sich, um ein großer Boxer zu werden.

Er ist enttäuscht, fühlt sich ungerecht behandelt und möchte aus Mannheim weg, auch um nicht wieder ins Milieu abzurutschen. Er hat einen Freund im Allgäu. Der Freund versteigert Vieh. Charly fragt den Freund, ob er einen Job für ihn hat.

Nach seiner Entlassung zieht Charly ins Allgäu, er trägt einen grünen Kittel und führt Kühe zum Kauf vor. Manchmal schreien die Käufer: "Bekommt man den Neger zu der Kuh dazu?" Charly sagt: "Früher hätte ich denen was auf die Fresse gehauen." Früher. Im Allgäu lernt Charly seine zweite Frau kennen, Sandra. Sie bekommen ein Kind, sie sind lange glücklich, aber die Ehe zerbricht. Nach zwölf Jahren im Allgäu kehrt Charly zurück nach Mannheim und beantragt Hartz IV. Auf dem Amt erkennt man ihn. Es ist Charly peinlich.

Die Kinder hören ihm zu

Ein Lehrer schlägt Charly vor, an Schulen zu gehen und sein Leben zu erzählen. Charly zögert, er hat keine pädagogischen Erfahrungen. Trotzdem versucht er es, arbeitet ehrenamtlich als Boxtrainer und als Dozent an Schulen. Er erzählt den Schülern davon, dass damals in seiner Klasse zählte, wer einen Vater hatte und wer nicht. Er erzählt ihnen von den Benzbaracken. Von seiner Angst und seinen Fehlern. Es tut ihm gut, er hat das Gefühl, helfen zu können. Die Kinder hören ihm zu. Es funktioniert. Wenn es nicht funktioniert, dann fragt er: "Wollen wir eine Bank ausrauben?" Und plötzlich werden wieder alle still.

Wenn Charly mit den Kindern zusammen ist, ihnen Boxtraining gibt, wiederholt er immer wieder einen Satz, während er durch die Turnhallen läuft. Der Satz ist ihm wichtig, er möchte, dass ihn sich die Kinder merken. "Ich bin konzentriert und glücklich, kämpferisch und erfolgreich! Ich bin konzentriert und glücklich, kämpferisch und erfolgreich! Ich bin konzentriert und glücklich, kämpferisch und erfolgreich!". Das ist sein Mantra. Er hat es sich im Knast beigebracht. Zehn Jahre lang, jeden Tag.

Charly Graf steht vor vollen Klassen, vor Schwererziehbaren, erzählt seine Geschichte. Immer und immer wieder. Sieben Jahre lang. Dann stellt ihn ein Träger der Stadt für ein kleines Gehalt ein. Von dem Gehalt geht Charly gerne essen. Er kann sich jetzt wieder was gönnen. Er sitzt in einem Restaurant am Mannheimer Wasserturm und isst einen Wurstsalat. Anerkennung gibt es gratis. "Ja, seh ich das richtig, Mensch, das ist doch der Charly?", sagt ein alter Mann im Unterhemd, der am Tisch von Charly vorbeigeht. Der Mann heißt Willi Stein. Er hat früher mal Boxkämpfe organisiert. Stein setzt sich zu Charly, fragt nach seinen Kindern und was er so treibt.

Als Willi weg ist, sagt Charly, dass Willi früher mal eine große Nummer in Mannheim war. Früher.

"Die Metapher meines Lebens"

Charly hat jetzt seine Geschichte erzählt, er ist müde und möchte nach Hause, ins Bett. Er wohnt heute in einer kleinen Wohnung direkt neben dem Mannheimer Gefängnis. Allein. Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er auf eine Mauer und Stacheldraht. "Vielleicht", sagt er, "ist das die Metapher meines Lebens".

Charly ist heute 63, er lebt von wenig Geld. Seine Mutter ist tot. Er hat mit dem Profiboxen aufgehört und doch weitergekämpft. Er kämpft weiterhin gegen Rassismus, um Anerkennung, um Respekt. Und er hilft denen, die auch Anerkennung und Respekt suchen, dafür zu kämpfen. Aber die großen Hallen füllt er damit nicht mehr. Die großen Chancen seines Lebens sind vorbei.

Die Welt war nicht gut zu Charly Graf, aber Charly Graf war auch nicht immer gut zur Welt. Er hat viel zerstört. Er hat so viel Leid erfahren, dass man sich fragt, warum er noch steht. Er ist ein Barackenkind gewesen, ein Hauptschüler, ein Eisenbieger, ein Diamant, ein Verbrecher, ein Insasse, ein Zuhälter, ein Deutscher Meister, ein Verlierer, ein Ehemann, ein Hartz-IV-Empfänger, ein Trainer, ein Vorbild, ein Angestellter.

Charly Graf hat viele Leben gelebt. Eines nicht. Er konnte seinem ersten Sohn kein guter Vater sein. Seine größte Niederlage. Charly junior, der seinen Namen trägt, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Charly, der sich immer einen Vater gewünscht hat, konnte seinem Sohn selber keiner sein.

Heute spürt Charly manchmal, welchen Preis er für sein Leben gezahlt hat. Dann sitzt er allein in seiner Wohnung, schaut aus dem Fenster und schweigt, so wie er damals mit seiner Mutter geschwiegen hat. Er ist einen langen Weg gegangen, und am Ende hat ihn dieser Weg nirgendwohin geführt. Er ist nicht mehr kriminell, aber er fühlt sich auch nicht bürgerlich. Er fühlt sich zerrissen, er hadert viel.

Charly hat noch keinen Frieden mit sich und der Welt gemacht

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