HOME

Tennis-Star Caroline Wozniacki: "Zu viel Glamour ist gefährlich"

Caroline Wozniacki ist der neue Stern am Tennis-Himmel. Die schöne Dänin liegt zum Start der Australian Open auf Rang vier der Weltrangliste. Im Interview mit stern.de spricht die 19-Jährige über ehrgeizige Ziele, Modelverträge und eine Familie voller Profisportler.

Frau Wozniacki, Sie können auf ein extrem erfolgreiches Jahr 2009 zurückblicken. Sie haben sich in den Top 10 etabliert. Zum Jahresabschluss lagen Sie gar auf Rang vier der Weltrangliste. Haben Sie den ganzen Erfolg schon verdaut?
Ich hätte nie gedacht, dass ich am Ende auf Rang vier landen kann. Auch der Finaleinzug bei den US Open war ein Traum. Ich war selbst überrascht, dass ich schon so konstant spielen kann. Das hat mir in der letzten Saison geholfen. Es war ein super Jahr. Aber 2010 soll noch besser werden!

Sie haben sich anscheinend viel vorgenommen. Wie stehen die Chancen auf eine noch bessere Saison 2010?
Wenn ich mich einfach weiter an meine Stärken klammere, nämlich kämpfen und mental stark zu sein, dann habe ich keine Sorgen. Ich habe hart trainiert - ich hoffe das macht sich nachher bezahlt.

Sie sind noch jung. Schielen Sie schon auf den ersten Platz der Weltrangliste? Wann könnte es so weit sein?
Klar wäre ich gern die Nummer eins. Aber dafür muss ich noch eine Menge Dinge an meinem Spiel verbessern. Wann es dann tatsächlich soweit sein könnte, werden wir sehen.

Die Spitze im Damentennis ist hart umkämpft. Wer mischt vorne mit?
Kim Clijsters und Justine Henin sind zurück. Serena und Venus Williams sind immer vorne dabei. Dazu kommen die jungen Spielerinnen, die besonders heiß auf Erfolg sind. Man kann sich keine Schwäche erlauben. Im Welttennis geht es an der Spitze zu wie in einem Haifischbecken.

Sie kommen aus einer sportlichen Familie. Ihr Vater hat für Waldhof Mannheim in der Fußball-Bundesliga gespielt, Ihre Mutter spielte Profi-Volleyball, und auch Ihr Bruder spielt in Dänemark professionell Fußball. Keiner hat irgendetwas mit Tennis zu tun. Wie kommen Sie dann zu ihrer Leidenschaft?
Ich habe schon immer viel Sport gemacht und habe meine Familie dann irgendwann überredet, mit mir mehr Tennis zu spielen. Mein Vater hat meistens mit mir gespielt. Irgendwann wurde er dann auch mein Trainer. Tennis habe ich einfach direkt geliebt. Aber ich mag jeglichen Sport, Fußball und Handball verfolge ich zum Beispiel. Fußball habe ich auch selbst gespielt als ich noch jünger war. Aber meine Liebe zum Tennis hat dann alle anderen Sportarten ausgestochen.

Dänemark ist nicht gerade als Tennis-Land bekannt. Auch nicht dafür, dass es dort herausragende Jugend-Akademien im Tennisbereich gibt. Sie sind nun ein wenig das Tennis-Vorbild für das ganze Land. Hoffen Sie, Dänemark mit einem Tennis-Virus infizieren zu können?
Wenn man ein Topathlet ist, steht man häufig im Rampenlicht und wenn man dann aus einem kleinen Land wie Dänemark kommt, wird man schnell zu einer zentralen Person. Ich hoffe natürlich, ein Vorbild für die Kinder zu sein. Ich will sie inspirieren, mehr Tennis zu spielen.

Nicht nur die Bekanntheit in Ihrem Heimatland wächst. Ihre Performance aus dem letzten Jahr hat Ihnen auch viele Fans in anderen Ländern eingebracht. Könnten Sie sich vorstellen, auch Model-Verträge zu unterschreiben, oder wie Ihre Kollegin Maria Sharapova für die Sports Illustrated zu posieren? Ist die Glamour-World etwas für Sie?
Mode fand ich schon immer toll. Zuletzt habe ich bereits mit Adidas eine Linie entworfen. Ich weiß nicht, ob ich auch modeln würde. Ich liebe Tennis, und der Sport steht für mich an erster Stelle. Wenn sich aber natürlich die Gelegenheit für einen tollen Fotoshoot ergibt, würde ich sicher nicht nein sagen.

Erfolg kann auch negative Seiten mit sich bringen. Wie schwer ist es im knallharten Tennis-Zirkus auf dem Boden zu bleiben? Geld, Ruhm und Erfolg - die Tenniskarriere kann auch nach hinten losgehen...
Es ist wichtig, von zu viel Glamour fern zu bleiben. Um Glamour geht es beim Tennis für mich auch nicht. Bisher bin ich am Boden geblieben. Meine Familie und Freunde helfen mir sehr dabei. Eigentlich fühle ich mich noch so wie die kleine Caroline mit 17...

Bei vielen Tennisspielern sind die Eltern die größten Fans und Unterstützer. Auch Ihre Familie ist sehr engagiert.
Sie sind immer für mich da. Sie haben riesige Opfer gebracht, damit ich dort stehe, wo ich jetzt bin. Meine Eltern reisen fast immer mit zu den Turnieren. Mit meinem Erfolg kann ich ihnen endlich ein wenig zurück geben. Mein Bruder ist mein größter Fan. Andersrum allerdings genauso… Ich sehe ihn nur leider nicht so viel.

Die Australian Open haben begonnen. Letztes Jahr sind Sie in die dritte Runde gekommen. Die Erwartungen sind gestiegen. Wo soll die Reise in diesem Jahr hingehen?
Erstmal schaue ich nur von Runde zu Runde. Und dann werden wir sehen, zu was es am Ende reicht. Aber so oder so: Wenn ich mein bestes Abrufe, werde ich weit kommen. Dann ist alles drin.

Die Stimmung in Melbourne ist einzigartig. In Down Under geht es auch schon mal ein wenig verrückter zu als anderswo. Dazu die hohen Temperaturen. Freuen Sie sich? Haben Sie sich besonders vorbereitet?
Ich habe sehr hart trainiert. Boxen auf Crosstrainern, Lauftraining, Gewichtheben - um die bestmögliche Fitness zu haben. Man kann sich allerdings nicht wirklich auf Hitze, Zuschauer und Gegner gleichzeitig vorbereiten. Das kann man nur simulieren. Ich glaube, meine Vorbereitung war gut.

Sind die Australian Open Ihr Lieblingsturnier wegen der besonderen Atmosphäre? Oder auf welches Turnier freuen Sie sich am meisten?
Eigentlich liebe ich New York am meisten. Auch das WTA-Turnier auf Barbados finde ich immer klasse. Dubai ist auch cool. Wir werden einen Event in Kopenhagen haben, da freue ich mich natürlich auch sehr drauf.

Felix Haas

Wissenscommunity