Er sollte den Suhrkamp-Verlag erben. Doch sein Vater heiratete eine junge Frau und verstieß den Sohn. "Das System Suhrkamp ist gebrochen", klagt Joachim Unseld.

Verdammt zur Bücherliebe? Joachim Unseld ist Verleger aus Leidenschaft. An seinem übermächtigen Vater Siegfried fast verzweifelnd, promovierte der Sohn, heute Chef der "Frankfurter Verlagsanstalt", 1981 über den am Vater verzweifelnden Franz Kafka© Volker Hinz
Ach ja? Entschuldigen Sie mal, wenn Sie jetzt hier rausgehen, ein Ziegel fällt Ihnen auf den Kopf, Sie sind schwer verletzt, und ich würde dann sagen: "Ziemlich viel dumm gelaufen in Ihrem Leben!", dann würden Sie über mich denken: Was für ein Arschloch, das war ein Unfall! Es gibt immer Weichen im Leben, und wenn etwas bei mir schief lief, ist es das gebrochene Verhältnis zu meinem Vater und diese Sache mit dem Suhrkamp-Verlag.
Nein! Nein! Nein! Ich sitze hier in meiner Frankfurter Verlagsanstalt ...
Walsers Entscheidung ist fürchterlich. Aber ich kann seinen radikalen Schritt nachvollziehen, weil ich weiß, dass Verlegen immer etwas sehr Persönliches ist, eine Frage von Vertrauen - und das war nicht mehr vorhanden. Ich bedauere es unendlich, dass sich keine Personenkonstellation ergab, die Walser im Suhrkamp Verlag hätte halten können. Sein Weggang trifft den Verlag in seiner Substanz.
Nein, es wird schon noch 30, 40 Jahre gut gehen. Aber die Frage ist doch: Welche Rolle spielt das Haus noch? Welche Bedeutung hat es noch für die deutsch- sprachige Gegenwartsliteratur? Fördert, pflegt, glaubt Suhrkamp noch an junge Autoren? Ich bin skeptisch.
Mein Gott, ja. Die Märchen haben halt immer Recht, die böse Stiefmutter - aber ohne Ironie: Seitdem diese Frau da war, ist alles kaputtgegangen in dem Verhältnis zu meinem Vater.
Das geht niemanden etwas an. Aber es ist traumatisch, wenn Sie plötzlich nicht mehr arbeiten können. Mein Vater hatte alles dafür getan, dass ich sein Nachfolger werde, schon 1978 habe ich Anteile am Verlag bekommen, mein Typ war also gefragt. Aber plötzlich, nach 15 Berufsjahren sagt mein Vater: Das war's dann!
So ist es, und Letzteres ist natürlich verantwortungslos. Aber mein Vater hat diese Realität nicht mehr gesehen. Martin Walser, der sich gut auskennt, hat in seinem "Tod eines Kritikers" eine gute Formulierung dafür parat. Julia Pelz, die Gattin des verliebten Verlegers ...
... sie hat ihm eine Liebe produziert, die es nicht gab. Aber dadurch, dass sie diese Liebe jahrelang produziert hat, gab es sie doch.
Sie hat die große Liebende gegeben, zunächst war sie Geliebtendarstellerin, dann die Ehefraudarstellerin, jetzt haben wir es mit einer Verlegerdarstellerin zu tun.
Nein.
Nein. Blicke zurück lohnen sich nicht.