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Suhrkamp Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz gibt Amt ab


Es ist das Ende eines jahrelangen Machtkampfes: Der Suhrkamp-Verlag ist in eine AG umgewandelt worden. Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz wechselt in den Aufsichtsrat - und ein neuer Aktionär steigt ein.

Es war ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz und Miteigentümer Hans Barlach: Nun ist der Machtkampf um den traditionsreichen Suhrkamp-Verlag beendet. Wie das Haus mitteilte, wurde Suhrkamp von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit verliert der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach weitgehende Mitspracherechte.

Im Dezember hatte das Bundesverfassungsgericht grünes Licht für die Umwandlung gegeben. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz kündigte nun an, sich in den kommenden Monaten aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und in den Aufsichtsrat zu wechseln. Als neuer Aktionär steigt die Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher mit ein.

Ströher-Familie gilt als verschwiegen

Die Höhe der Beteiligung wurde nicht genannt. Die Ströhers und die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz halten aber gemeinsam eine Mehrheit. "In diesem Bündnis verfügt die Familienstiftung über die Stimmrechtsmehrheit und kann so auch fortan die Geschicke des Verlags lenken", hieß es in der Mitteilung.

Die Wella-Erbin Sylvia Ströher und ihr Mann Ulrich gelten als vermögend, vielseitig, verschwiegen. Reich wurde die Unternehmer-Familie einst mit Haarpflegeprodukten, heute sammeln die beiden Kunst und beteiligen sich an verschiedensten Unternehmen von der Solarbranche bis zur Baumschule - nun eben auch bei der Suhrkamp AG.

Alleiniger Vorstand wird der bisherige Mitgeschäftsführer Jonathan Landgrebe, 37. Ihm wird ein neues Geschäftsleitungsgremium mit Cheflektor Raimund Fellinger, Unternehmenssprecherin Tanja Postpischil und dem Kaufmännischen Leiter Gerhard Schneider zur Seite gestellt.

Mitwirkungsrechte von Barlach entfallen

Wella-Erbin Sylvia Ströher soll zusammen mit Unseld-Berkéwicz und einer dritten Person den Aufsichtsrat bilden. In der gemeinsamen Mitteilung schrieb sie: "Wir freuen uns sehr, nach den Jahren des Bangens mit dem Verlag, nun dazu beizutragen, diesen Verlag als unabhängige Instanz der Literatur und der Geisteswissenschaften zu erhalten." Die Beteiligung sei mit keiner Dividendenerwartung verbunden.

Bisher hielt Unseld-Berkéwicz, die Witwe von Firmenpatriarch Siegfried Unseld, 61 Prozent am Unternehmen, Barlach hatte 39 Prozent. Beider Anteile sinken jetzt entsprechend der Höhe der Ströher-Beteiligung.

Zudem hatte Barlach in der bisherigen Kommanditgesellschaft vertraglich zugesicherte Mitwirkungsrechte, die nun entfallen. Der Hamburger Medienunternehmer war 2006/2007 gegen den Willen der Verlegerin bei Suhrkamp eingestiegen. Beide hatten sich seither gegenseitig mit einer unüberschaubaren Zahl an Prozessen überzogen.

kis/DPA DPA

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