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25. August 2011, 17:53 Uhr

Wenn das John Wayne wüsste

Seltsam, dass es so lange gedauert hat, bis Hollywood seine beiden Lieblingsspezies aufeinander gehetzt hat. Dank High-Tech und Tentakeln belebt "Cowboys & Aliens" das Genre Western neu. Von Sophie Albers

Cowboys & Aliens, Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Western, True Grit, John Wayne

Völlig neue Sichtweise der staubigen Straße zwischen Saloon und Sheriffbüro© Universal/ Dreamworks

Es gibt Dinge, vor denen können Männer einfach nicht davonlaufen", hat der Cowboy aller Cowboys John Wayne im Western aller Western "Stagecoach" (1939) gesagt. Gute 80 Jahre später kommt ein Film in die Kinos, der klar macht, dass das ganze Genre sich einem Problem stellen musste: dem, dass der Western so gut wie tot war.

Der im vergangenen Jahr gefeierte "True Grit" von den Coen-Brothers war der erste Western seit Clint Eastwoods "Erbarmungslos" (1992), der im Kino des Western-Ursprungslandes überhaupt die 100-Millionen-Grenze geknackt hat. Wobei das laut Kinoexperten weniger am Genre, denn an der Qualität des Films an sich gelegen habe. Für diese These spricht der Flop, den Brad Pitts "Die Ermordung Jesse James' durch den Feigling Robert Ford" (2007) gelandet hat. Das aufwendige Werk spielte nicht einmal die Hälfte seiner Kosten ein.

Extraterrestrische Heuschrecken

Vielleicht deshalb hat die Traumfabrik nun zum Äußersten gegriffen, um dem altehrwürdigen Genre Western neues Leben einzuhauchen. Und mit "Cowboys & Aliens" ist das definitiv gelungen.

Knallharte Kerle, die schneller schießen als ihr Schatten, treffen auf ekelige Aliens, die Menschenversuche durchführen. Harrison Ford und Daniel Craig treten gegen einen Horde extraterrestrischer Heuschrecken an. Ein Albtraum, der im Sci-Fi-Genre schon seit "Alien" Sorgen macht: Außerirdische, die nicht nach Hause telefonieren, sondern einfach nur töten und fressen wollen. Gleichzeitig nimmt einen das auch elegant aus der moralischen Verantwortung: Das absolut Böse darf ohne Bedenken gemetzelt werden. Und so geschieht es denn auch in "Cowboys & Aliens".

Ziemlicher Aha-Effekt

1875 erwacht ein Mann mit dem schönen Namen Lonergan (nahezu Eastwood-kalt: Daniel Craig) irgendwo in der Wüste und kann sich an nichts erinnern. Auch nicht daran, warum er am Handgelenk ein aus der Zeit gefallenes Armband trägt. Er reitet in die nächste Stadt, die den ebenfalls schönen Namen Absolution trägt, und trifft dort unter anderem den miesen Großgrundbesitzer Dolarhyde (Harrison Ford endlich mal als überzeugender Fiesling). Mitterweile wissen wir, dass Lonergan ein gesuchter Verbrecher ist. Doch bevor diese klassische Cowboy-Geschichte des Gejagten ihren Lauf nehmen kann, greifen Ufos an.

Cowboys & Aliens, Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Western, True Grit, John Wayne

Harrison Ford und Daniel Craig in "Cowboys & Aliens"© Universal/Dreamworks

Das ist schon ein ziemlicher Aha-Effekt, wenn die beiden Bilderwelten aufeinanderprallen. Und ziemlich laut - für Auge und Ohr. Natürlich gibt es auch noch schöne Frauen. Aber so klischeeüberladen dieser Film einerseits ist, so sehr spielt er auch mit unseren Erwartungen. Deshalb ist die Inhaltsangabe hiermit beendet.

"Cowboys & Aliens" macht da weiter, wo der geniale Joss Whedon einst mit der Serie "Firefly" und dem dazugehörigen Kinofilm "Serenity" aufgehört hat. Whedon hatte Western-Attitüden in den Sci-Fi übertragen. "Cowboys & Aliens" transplantiert einfach ein Genre ins andere. Eine kleine Warnung noch: Der Film ist zuweilen so hart, dass die Freigabe ab zwölf etwas verwundert. Aber immerhin der Western-übliche Rassismus gegen Indianer und die Frauenfeindlichkeit wurden gestrichen.

Wenn das John Wayne wüsste.

Von Sophie Albers
 
 
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