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Vom Schauspieler zum Weltenbummler: Hardy Krüger wird 85

Er war der Großwildjäger und Sonnyboy auf der Leinwand und der Weltenbummler in Buch und TV: Hardy Krüger hatte als einer der wenigen Deutschen weltweit Erfolg. Nun wird er 85 Jahre alt.

"Bottoms up!" - mit diesem Trinkspruch prostet John Wayne ihm zu. Dabei war Schauspieler Hardy Krüger vor dem Star aus Amerika gewarnt worden: "Trink niemals mit dem Mann. Und rede mit ihm nicht über Politik." Doch als er ihm Anfang der 60er Jahre in Afrika bei den Dreharbeiten zum Hollywood-Klassiker "Hatari!" gegenüber steht, kündigt Wayne sofort an: "Kid, wir heben nachher einen an der Bar." Immerhin präpariert sich Krüger schnell noch mit drei Löffeln Maisöl und kann Waynes Order "Brandy. Französisch. Dreistöckig" für sich auf einen Doppelten herunterhandeln, bevor es ernst wird - und schließlich der junge Deutsche den US-Star unter den Tisch trinkt, wie Krüger es in einem seiner Bücher beschreibt.

Howard Hawks' "Hatari!" wurde zu einem seiner bekanntesten Filme - und Krüger, der heute seinen 85. Geburtstag feiert, im Laufe seiner Karriere zu einem Weltstar. Als einem der wenigen deutschen Filmschauspieler gelang es dem gebürtigen Berliner, der heute abwechselnd in Kalifornien und Hamburg lebt, international Karriere zu machen.

Der Blonde mit den blauen Augen und dem markanten Gesicht stand mit Kollegen wie JJames Stewart, Claudia Cardinale oder Sean Connery vor der Kamera und drehte mit Regisseuren wie Stanley Kubrick, Richard Attenborough und Laurence Olivier. Erst legte er eine rasante Karriere im Nachkriegsdeutschland hin, dann war er als "German Hero" vor allem bei den Frauen ein international gern gesehener Leinwandheld.

Internationaler Durchbruch mit "Einer kam durch"

1956 gelang Krüger als deutscher Fliegeroffizier Franz von Werra im englischen Spielfilm "Einer kam durch" der Durchbruch im Ausland. Bis dahin hatte er in seiner Heimat in diversen Produktionen mitgewirkt. "Nachdem ich 1956 von Deutschland weggegangen bin, musste ich bei Null wieder anfangen", erzählte er mal in einem Interview. "Ich habe mir eine Karriere aufgebaut, durch die Filme, die ich nicht gemacht habe", sagte er und erklärte: Er habe sehr sorgfältig ausgewählt, mit welchen Filmemachern er arbeite - "dadurch war ich in der Nähe der besten Regisseure".

In etwa 75 Streifen spielte er die Hauptrolle, etwa in "Liane - Das Mädchen aus dem Urwald" (1956), "Der Fuchs von Paris" (1957), "Der Flug des Phoenix" (1965) und "Die Wildgänse kommen" (1978).

Die französische Produktion "Sonntage mit Sybill" (1962) erhielt einen Oscar. "Dass ihr Hauptdarsteller Hardy Krüger nicht nominiert war, lag an Hollywoods damaliger notorischer Scheu vor ausländischen Schauspielern", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einmal. "Verdient hätte er den Oscar: Bohrend, diskret, wie schwebend spielte er...." Krüger sei immer alles andere als das Mannsbild vom Dienst gewesen, würdigte ihn die Zeitung. "Im Gegenteil, er spielte immer, als trüge er mindestens drei Schutzpanzer, um die eigentliche Verwundbarkeit zu verbergen, wirkte abwesend und dadurch umso präsenter, scheu und deshalb fesselnd."

Leben als Weltenbummler und Autor

Mit seiner Rollenauswahl schaffte es Krüger, das negative Klischee des "hässlichen Deutschen" auf der Leinwand zu überwinden. Und ihm gelang der Sprung vom ewigen Lausbub mit Strahleaugen aus lockeren Publikumsschlagern wie "Das Mädchen aus der Südsee" (1950) zum ernstzunehmenden Charakterdarsteller wie in Helmut Käutners moderner "Hamlet"-Version "Der Rest ist Schweigen" (1959). Doch als aus dem Weltstar der Weltenbummler wurde, brach die internationale Karriere ab. "Sie können nicht ungestraft von Hollywood zehn Jahre lang wegbleiben", sagte Krüger mal. Gemeint war jene Zeit, als er mit persönlichen Reisetagebüchern das Fernsehpublikum faszinierte. Im TV erzählte Krüger erst in "Hardys Bordbuch" (1965) von seinen Reisen, von 1987 bis 1995 war er für die ARD der "Weltenbummler".

Außerdem schrieb der begeisterte Hobby-Flieger das Buch "Eine Farm in Afrika" - Krüger, der die "Hatari!"-Farm gekauft hatte, lebte lange in Tansania und ging mit seiner "Momella Game Lodge" bitter pleite. 1998 erschienen seine Memoiren "Wanderjahre", es folgten weitere Bücher wie zuletzt "Zarte Blume Hoffnung". Noch immer geht er, begleitet von seiner dritten Ehefrau Anita, auf Lesereise. Zwei seiner drei Kinder - Sohn Hardy aus seiner zweiten Ehe und Christiane aus der ersten - sind als Schauspieler in die Fußstapfen des Vaters getreten.

Krüger selbst engagiert sich derweil für ein neues Projekt: Wenige Tage vor seinem 85. startete er eine Initiative gegen rechte Gewalt. Während der Nazi-Zeit aufgewachsen, waren es erst Schauspieler wie Hans Söhnker und Albert Florath, die er als 15-Jähriger kennenlernte, die seine Ansichten radikal veränderten. "In einem halben Jahr haben sie es geschafft, aus dem Adolf-Hitler-Schüler einen Anti-Nazi zu machen", sagte er auf der Pressekonferenz im Hamburger Rathaus. Für ihn keine Frage, immer wieder gegen Rechts die markante Stimme zu erheben - auch damals im Gespräch mit John Wayne. Außerdem sei er ein "altes Zirkuspferd": "Sie müssen nur pfeifen, und ich trabe in die Manege."

fle/DPA / DPA