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13. März 2009, 10:50 Uhr

Wanderin zwischen Drama und Triumph

Anlässlich ihres 75. Geburtstags im Dezember 2000 gab Hildegard Knef dem stern ein Interview, mit der Bitte, keinen Fotografen mitzubringen. Es ging ihr miserabel. stern-Reporterin Gerda-Marie Schönfeld erinnert sich an ihren Besuch bei "der Knef".

Hildegard Knef, Berlin, Hilde

Hildegard Knef, Weltstar aus Deutschland© Picture-Alliance

"Bloß keine roten Rosen mitbringen" dachte sich stern-Reporterin Gerda-Marie Schönfeld auf dem Weg zu Hildegard Knef und entschied sich vielmehr für einen prächtigen exotischen Winterstrauß. Das war die richtige Wahl. Seit ihrem Hit "Für mich soll's rote Rosen regnen" wird nämlich die Knef bombardiert mit roten Rosen. "Dabei hasse ich die Dinger" sagte sie zur Begrüßung. Sie lebte damals, bereits schwer krank, mit ihrem Mann Paul von Schell in einem hübschen Dachgeschoss in Berlin-Zehlendorf. Ihr letztes Konzert absolvierte sie 1995. Zu ihrem 75. Geburtstag im Dezember 2000 gab sie dem stern ein Interview, mit der Bitte, keinen Fotografen mitzubringen. Es ging ihr miserabel. Hildegard Knef starb mit 76 Jahren im Februar 2002. Die Stadt Berlin spendierte ihr ein Ehrengrab.

Der Entzug war unerfreulich. Vier Monate stopfte Hildegard Knef Eiscreme in sich hinein, wurde stündlich dicker, hätte ständig die Tapeten von den Wänden zerren können, hat es dann doch geschafft, sich aus einer 50-jährigen süchtigen Liebesbeziehung zu retten: der Zigarette.

Nun ist sie clean und hat ein Lungenemphysem. Das kommt vom Rauchen. Das Atmen wird mühsamer. "Man fragt sich: Warum hast du eigentlich geraucht?", sagt sie und schnüffelt an ihrem Sauerstoffgerät. Weil die späte Frage ebenso überflüssig ist wie die späte Reue, gibt es jetzt in Berlin eine Hildegard-Knef-Stiftung zur Erforschung des Lungenemphysems.

Immer wieder rote Rosen

In ihrer gemütlichen sonnigen Berliner Dachgeschosswohnung sitzt eine Frau, die keine große Neigung zeigt, auf ihr Leben zurückzublicken. Von ihrem hellen Sofa aus schaut sie in die herbstlichen Bäume. Fast schmal wirkt sie in ihrem schwarzen Hosenanzug. Besucher mit Grippeverdacht werden auf Abstand gehalten. "Sie husten ja", sagt die Knef vorwurfsvoll und entschuldigt sich, allmählich werde sie zum Hypochonder, schon gar nach der letzten Lungenentzündung. Seit ihrem Hit: "Für mich soll's rote Rosen regnen" kommt sie blumenmäßig nicht mehr ungeschoren davon. Unerbittlich werden ihr rote Rosen in den Arm geschoben. Dabei kann sie die Dinger einfach nicht ausstehen.

Die Knef auf der Bühne und im Film - das war immer etwas Unverwechselbares. Schulterlange blonde Haare, ein intelligentes, schönes, nie süßliches Gesicht. Dazu eine Tonlage mit Charakter, gebrochen, rauchig, ein unverkennbarer Sprechgesang. "Die größte Sängerin ohne Stimme", wurde sie von Ella Fitzgerald genannt. Nur die stets viel zu dunkel umrandeten Augen wollten nie so recht passen zu diesem blonden Gesicht.

Berühmter als Günter Grass

Mehr als 60 Filme, sieben Bücher, dazu Konzerte und CDs - die Frau war stets in allen Disziplinen erfolgreich, als Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin, selbst als Malerin. Berühmt-berüchtigt wurde sie vor 50 Jahren, als "Die Sünderin". Zum ersten Mal durfte für Sekunden ein nackter Frauenkörper auf der Leinwand erscheinen. Politiker, Pfarrer, das ganze Land spielte verrückt. Ihre Autobiografie "Der geschenkte Gaul", erschienen 1970, war ein weltweiter Bestseller, übersetzt in 17 Sprachen, mit einer Auflage von mehr als vier Millionen. Als Autorin war die Schauspielerin Knef in den USA plötzlich berühmter als der Schriftsteller Günter Grass. Die "New York Times" schrieb Elogen auf die Deutsche, die zweite "Kraut" in Amerika, neben Marlene Dietrich.

Ihre erste Begegnung mit Marlene in Hollywood schildert die Knef so: "Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Konfirmandenkind, das eigentlich einen Knicks machen muss." Marlene füttert Hilde mit Vitamintabletten, hat immer eine Hausapotheke im Koffer, versorgt den Berliner Nachwuchs mit Kleid, Mütze, Hut und bekocht die Erschöpfte nachts nach deren Vorstellung von "Silk Stockings". Das Musical lief zwei Jahre und war ein Sensationserfolg. Hildegard Knef wurde damit der erste deutsche Broadway-Star in New York. Später, als die alt gewordene Marlene sich in Paris verbarrikadiert hatte, durften nicht mal gute Freunde in ihre Wohnung, auch nicht Hildegard Knef. Sie stand 1977 am Fenster ihres Pariser Hotels und winkte auf die andere Straßenseite, wo sich eine Gardine bewegte. "Behalt mich in Erinnerung wie früher", hauchte Marlene Dietrich ins Telefon. Die Knef hat das stets respektiert.

Ein Mythos, wie die Dietrich es schon zu Lebzeiten war, ist Hildegard Knef nie geworden, weder in Amerika noch in Deutschland. Sie war, anders als Marlene, keine Emigrantin. Vielmehr war sie, so wenige Jahre nach dem Krieg, die junge Frau aus Naziland. Das hat man sie in Amerika auch spüren lassen. Der Filmstar James Mason erinnert sich: "In Hollywood, wo nach dem Krieg die fürchterlichsten Holocaust-Nachrichten eintrafen, war der Hass der emigrierten Juden auf alles Deutsche unbeschreiblich. Darum war das plötzliche Auftauchen einer schönen blonden jungen Deutschen eine echte Sensation. Einen jungen blonden Mann hätten sie aus der Stadt gejagt. Bei einer kleinen Süßen wie der Knef sind sie alle schwach geworden."

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