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6. April 2006, 12:30 Uhr

Die krasse Herde auf Noahs Spuren

Es taut im zweiten Teil von "Ice Age" und das hat nicht nur Vorteile. Auf der Flucht vor einer drohenden Sintflut bekommt das bekannte Trio kuriosen Zuwachs: Zwei Nervensägen und ein Mammut, das sich für ein Opossum hält. Von Jakob Nienstedt

Die Herde ist größer geworden. Neu dabei: zwei Opossums und eine Mammut-Dame© 20th Century Fox

Auf das Wetter ist bekanntlich nie Verlass und so flüchten die Helden aus "Ice Age" im zweiten Teil nicht vor Schnee und Eis, sondern vor Wassermassen, die sich nach anhaltendem Tauwetter aufgestaut haben. Wieder ist das Trio aus Manny, dem muffeligen Mammut, Diego, dem sarkastischen Säbelzahntiger, und Sid, dem nervigen Faultier, auf der Flucht und hat dabei, wie schon im ersten Teil, nicht nur mit den Gewalten der Natur zu kämpfen, sondern muss sich auch in Acht nehmen, unterwegs auf ihrer Suche nach einer Arche nicht Beute gieriger Fleischfresser zu werden.

Dass die Story beinahe eine reine Kopie des ersten Teils ist, tut dem Spaß keinen Abbruch. Die Charaktere der drei bekannten Figuren belustigen nach wie vor; allen voran natürlich Sid, dessen genauso nervige wie lustige Stimme auch dieses Mal grandios von Otto Waalkes gesprochen wird. Herrlich, wie der kleine, lispelnde Quälgeist um den Respekt der Herde ringt und sich dabei um Kopf und Kragen redet.

Frühlingsgefühle

Regisseur Carlos Saldanha, der im ersten Teil nur Co-Regisseur war, hat jedem aus der Herde sein eigenes persönliches Problem mit auf den Weg gegeben. Während Sid um mehr Anerkennung kämpft, versucht Diego seine Angst vor Wasser zu überwinden, was in Zeiten einer Sintflut sinnvoll erscheint. Beim grummeligen Manny regen sich dagegen zarte Frühlingsgefühle. Ursache hierfür ist das plötzliche Auftauchen eines weiblichen Mammut-Exemplars. Dabei dachte der zottelige Eiszeit-Riese doch, er wäre der Letzte seiner Art.

Da Mammut-Liebe allein den Zuschauer noch nicht zum Lachen bringt, hat die Sache selbstverständlich noch einen Haken. Die Mammut-Dame Ellie hält sich zum Leidwesen von Manny für ein Opossum und verhält sich auch dementsprechend, was herrlich schräge Identitätskrisen und besonders für Kinder komische Slapstick-Einlagen zur Folge hat - man stelle sich nur mal ein tonnenschweres Mammut vor, das auf Bäumen schläft. Ihr zur Seite stehen ihre beiden genauso frechen wie nervigen Brüder Crash und Eddie, die wahrhaft echte Opossums sind, und nicht nur Diego und Sid, sondern auch dem ein oder anderen Zuschauer mächtig auf die Nerven gehen werden.

Scrat avanciert in "Ice Age 2" endgültig vom heimlichen zum wahren Helden© 20th Century Fox

Der wahre Held der Eiszeit

Die "krasseste Herde" der Eiszeit präsentiert sich also auch im zweiten Teil wieder amüsant bis niedlich. Zum Schreien komisch ist aber ein anderer Charakter, der mit dem eigentlichen Film nur ganz am Rande etwas zu tun hat. Schon im ersten Teil avancierte ein kleiner Urzeit-Nager zum heimlichen Star von "Ice Age". Scrat heißt die Kreatur, die eine Mischung aus Eichhörnchen und Ratte sein muss, aber Zähne wie ein Säbelzahntiger besitzt. Das Publikum kommt gar nicht mehr aus dem Lachen heraus, wenn das Eicheln liebende Nagetier immer wieder vergebens versucht, an das Objekt seiner Begierde zu gelangen. Im zweiten Teil steigt Scrat endgültig zum wahren Helden der Eiszeit auf. Beinahe alle 15 Minuten unterbricht er als Running-Gag die Handlung und begeistert Jung und Alt mit seinem sisyphus'schen Scheitern und seiner hyperaktiven, nervösen Art.

Dreist geklaut und köstlich amüsant

Freche Gags, liebenswerte Charaktere und toll animierte Bilder und dennoch bleibt ein kleiner Makel. Die teilweise doch ziemlich dreiste Selbstbedienung an Szenen aus anderen Filmen gibt Abzüge in der B-Note. Ganz ungeniert werden Tänze aus "Madagaskar" geklaut, singende Geier aus Disneys "Dschungelbuch" kopiert und ein düsterer Seher wie aus einem Asterix-Comic installiert. Dennoch, allein für die vor schwarzem Humor nur so strotzenden Scrat-Episoden lohnt es sich, ins Kino zu gehen. Der Rest ist amüsant-niedliches Beiwerk und macht den Film zu einem Erlebnis für die ganze Familie. Wer aber vom Film ein für Kinder lehrreiches Stück über Klimawandel und Erderwärmung erwartet, befindet sich auf dem Holzweg. "Ice Age 2" will wie sein Vorgänger zu allererst unterhalten, bietet schlussendlich aber trotz aller Ironie und allem Sarkasmus den auch in Disney-Filmen üblichen Lobgesang auf Tugenden wie Freundschaft und Teamwork.

Von Jakob Nienstedt
 
 
 
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